152 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1905.
unter 7°, sehr selten unter 6°; in den wärmsten Monaten erreicht sie selten
13 bis 14°C. Salzgehalt und Wärme nehmen von West nach Ost ein wenig
zu, weil das warme salzhaltige Wasser im Osten schneller nach Norden strömt.
Diese nördliche Strömung fließt quer über den unterseeischen Rücken zwischen
Schottland und den Färöer und bringt das warme salzhaltige Wasser an der
Nordwestküste Norwegens entlang bis in das Eismeer, Der erwähnte Höhen-
rücken zwischen Schottland und den Färöer setzt sich nach Island und von
Island nach Grönland fort, seine niedrigste Stelle liegt kaum 600 m unter
dem Meeresspiegel, er bildet daher eine wichtige hydrographische Grenze.
Die Gewässer südlich davon gehören hydrographisch zum Nordatlantischen
Ozean; das Wasser ist warm und hat einen hohen Salzgehalt. Hiervon ist
allerdings der Polarstrom auszunehmen, der als Oberflächenstrom an der Ost-
küste von Grönland nach Süden fließt. Dieser Stom, der Ostgrönländische
Polarstrom, ist selten weniger als 100 Sm, oft auch doppelt so breit oder
breiter, er ist 200 bis 300 m tief, und darunter findet man 4° Wasserwärme;
im ganzen weiß man aber wenig von seiner Ausdehnung. Das warme Wasser
des Atlantischen Ozeans strömt für gewöhnlich, als sogenannter »Irminger-
strom«, an der Westküste Islands nach Norden, die Hauptmenge davon, die
nicht über den erwähnten Rücken hinwegkommen kann, wird durch diesen
gezwungen, nach Westen umzubiegen und unter dem Ostgrönländischen Polar-
strom an der Ostküste Grönlands nach Süden zu fließen. Ein Teil des
Irmingerstromes strömt über den Rücken zwischen Island ‚und Grönland
hinweg, vereinigt sich mit dem warmen, salzhaltigen Wasser, das aus dem
Eismeere von Osten zurückkommt, und bildet mit diesem zusammen eine ver-
hältnismäßig warme, salzhaltige Schicht, über der sich an der Nordseite Islands
kaltes Polarwasser befindet. Das Nordmeer zwischen Norwegen, Grönland
und dem erwähnten Höhenrücken von den Färöer über Island nach Grönland
ist durchgehends sehr tief; zwischen Jan Mayen und Spitzbergen findet man
3500 m, zwischen Norwegen und Island 3700 m; in größeren Tiefen als 600 m
findet sich im ganzen Nordmeere sehr gleichartiges Wasser, dessen Salzgehalt
zwischen 34,90 %,, und 35.00 %,n schwankt, und dessen Temperatur von etwa
0? in 600 m bis zu —1.3° am Meeresboden abnimmt. Über dieser Schicht
hat man im östlichen Nordmeere warmes, salzhaltiges Wasser; das westliche
Nordmeer ist dagegen durch den Polarstrom mit einer Schicht bedeckt, ge-
kennzeichnet durch niedrigen Salzgehalt, unter 34.00 °/,,, und niedrige Tem-
peratur, die bis zum Gefrierpunkte des Seewassers, etwa — 1.8°, sinken kann.
Das warme salzhaltige Wasser aus dem Atlantischen Ozean strömt also
über den Rücken zwischen Schottland und den Färöer, es füllt das ganze
östliche Nordmeer an und ein Teil davon gelangt an der Nordwestküste
Norwegens vorbei in das Eismeer. Hier findet eine starke Abkühlung und
Vermengung mit weniger salzhaltigem Wasser statt, worauf dieses Gemenge
wieder in das Nordmeer zurückströmt und dort die mächtige kalte Salzwasser-
lage bildet, die das ganze Nordmeer vom Meeresboden aufwärts bis zu 600 m
Tiefe ausfüllt, d. h. bis zur Tiefe, in der der unterseeische Rücken das Nord-
meer gegen den Atlantischen Ozean abschließt. Einen ganz unübersteiglichen
Damm bildet der Rücken aber nicht; zuweilen gelangt doch kaltes Wasser
aus dem Nordmeere über den Rücken hinweg in den Atlantischen Ozean und
macht sich dort dadurch bemerkbar, daß die Temperatur am Meeresboden
abnimmt, wenn man sich dem Rücken von Westen her nähert. — Die oberste
Schicht im westlichen Nordmeere besteht aus Schmelzwasser des Polarstromes,
dessen westlicher Arm der bereits erwähnte Ostgrönländische Polarstrom ist,
und dessen östlicher Arm an der Ostküste von Island vorbei nach Südosten
fließt. Dieser Ostisländische Polarstrom wendet sich bei den Färöer nach
Osten und, wenn er halbwegs nach Norwegen hinübergelangt ist, nach
Norden, weil ihm die Wassermengen, die aus dem Atlantischen Ozean über
den Rücken zwischen Schottland und den Färöer kommen, in die Seite fallen
und sich zwischen dem kalten Polarstrom und der norwegischen Küste nach
Norden drängen. Eine Folge davon ist, daß man im östlichen Teile des Nord-
meeres zwei Wasserschichten hat. von denen die obere hohe Temperatur und