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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Knudsen— Reinicke: Meereskunde mit besonderer Berücksichtigung d. dänischen Gewässer. 461 
Man begnügt sich deshalb damit, einen Bestandteil der Salze festzustellen und 
die übrigen, die in einem bestimmten Verhältnis vorhanden sind, zu berechnen. 
Man bestimmt, weil es am leichtesten ist, die Chlormenge, diese wird dann 
in %,o (pro Mille) angegeben und die Chlormenge mit einer bestimmten Zahl, 
abgerundet 1.8, multipliziert ergibt den ganzen Salzgehalt. Je größer dieser 
ist, um so größer ist nun aber das spezifische Gewicht bei bestimmter Tempe- 
ratur; kennt man das spezifische Gewicht, so kann man also den Salzgehalt 
berechnen und umgekehrt... Das spezifische Gewicht wird mit Schwimm- 
wagen nach Art der Milchwagen festgestelt, die Methode ist jedoch ungenau, 
wenn sie auch in vielen Fällen, z. B. bei den tausenden von Beobachtungen 
der dänischen Feuerschiffe wertvolle Anhaltepunkte gibt; wenn es möglich ist, 
werden die Wasserproben in einem Laboratorium auf andere Weise untersucht, 
Zur Ermittlung der Beziehungen zwischen Chlormenge, Salzgehalt und 
spezifischem Gewicht hat man eingehende Untersuchungen angestellt und 
hydrographische Tafeln berechnet, aus denen man den Salzgehalt einer Wasser- 
probe entnimmt, wenn man die Chlormenge oder das spezifische Gewicht 
kennt.) In den Laboratorien werden auch Bestimmungen des Sauerstoff-, 
Kohlensäure- und Stickstoffgehaltes der Wasserproben vorgenommen, doch 
spielen diese Untersuchungen, so langwierig und schwierig sie auch sind, 
gegen die Bestimmung des Salzgehaltes nur eine ganz untergeordnete Rolle, 
auch ist man trotz aller Versuche noch zu keiner Methode gelangt, durch die 
sich die Gasmengen im Seewasser einfach und schnell bestimmen lassen. 
Die Untersuchungen der internationalen Meeresforschung wurden 
im Sommer 1901 begonnen und von den folgenden Ländern durchgeführt: 
Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Holland, Norwegen, Ruß- 
land und Schweden, Die Arbeiten bestehen in praktischen Fischereiunter- 
suchungen, Planktonforschung und hydrographischen Arbeiten, sie sind 
folgendermaßen verteilt: Belgien übernimmt die Untersuchungen in den 
Hoofden, Dänemark im Kattegat, in der westlichen Ostsee und zwischen Island 
und den Färöer, Deutschland in der Deutschen Bucht, der östlichen und nörd- 
lichen Nordsee und in der südlichen Ostsee, England im Englischen Kanal 
und auf den Kanalgründen, Finnland im Bottnischen und Finnischen Meerbusen, 
Holland in der südlichen und westlichen Nordsee, Norwegen in den Gewässern 
nördlich von der Linie Ytterö-Langanäs (Island), Rußland in der Barentz-See 
und Schweden in der mittleren Ostsee. Geographische Punkte sind als’ so- 
genannte Stationen festgesetzt worden, auf denen im Februar, Mai, August 
und November vierteljährliche Untersuchungen vorgenommen werden, Die 
Temperaturen werden in verschiedenen Tiefen gemessen und aus verschiedenen 
Tiefen werden Wasserproben heraufgeholt, die an die Laboratorien zur Unter- 
suchung verteilt werden, Außerdem geben die Beobachtungen von Handels- 
und besonders Feuerschiffen wichtige, die‘ Vierteljahrsuntersuchungen er- 
gänzende Aufschlüsse. , 
Über die Verhältnisse der einzelnen Gewässer ist bisher folgendes fest- 
gestellt. Der Zustand der Gewässer um Island und die Färöer ist 
das Ergebnis der Wechselwirkungen zwischen dem warmen, salzreichen Strom 
aus .dem Atlantischen Ozean und dem kalten, salzarmen Polarstrome sowie 
ihrer Verzweigungen. Im Nordatlantischen Ozean zwischen Großbritannien 
und Irland im Osten, den Färöer und Island im Norden, Grönland und 
Amerika im Westen ist der hydrographische Zustand äußerst gleichmäßig, 
Der Salzgehalt dieser ganzen Wassermenge bewegt sich nur zwischen 35,00 und 
35.50 °/oo, er nimmt in der Regel von oben nach unten ein wenig ab und ist am 
Meeresboden das ganze Jahr über unverändert. Die Temperatur am Meeres- 
boden hängt von der Tiefe ab, sie pflegt hier in mehr als 1500 m Tiefe unter 
4°C zu sein, sinkt selten unter 3°, und nur an einigen ganz tiefen‘ Stellen 
sinkt die Temperatur unter 2°, In den oberen Schichten bewegt sich die 
Temperatur mit der Jahreszeit, sie sinkt in den kältesten Monaten selten 
-) In seiner Abhandlung beschreibt hier Knudsen die Untersuchungsmethoden, die in den 
Laboratorien angewendet werden.
	        
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