160 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1905.
genügend lange Zeit beobachtet und berechnet, eine bestimmte durchschnittliche
Richtung desselben, Ist es aber nun schon schwer, den durchschnittlichen
Oberflächenstrom zu finden, so ist es mangels zufriedenstellender Instrumente
zur Zeit noch ganz unmöglich den durchschnittlichen Strom in bestimmten
Tiefen zu ermitteln, Der Hydrograph ist daher darauf angewiesen, die
Wasserbewegung in der Tiefe auf indirektem Wege an den Eigenschaften des
Wassers zu studieren, eine Methode, die an Wert gewinnt dadurch, daß man
zu gleicher Zeit auch Aufschluß über die Lebensbedingungen der Meeres-
organismen enthält, Das wichtigste Merkmal, Wasserarten voneinander zu
unterscheiden, ist ihre Temperatur, sie genügt aber nicht, und daher kommt
als nächstwichtiges Unterscheidungsmittel der Salzgehalt in Frage, dessen
Veränderungen einen Maßstab für die Mischungsverhältnisse des Wassers ab-
geben, Ferner kann man aus dem Stickstoffgehalt des Wassers wichtige
Schlüsse auf die Veränderungen ziehen, die mit dem Wasser vorgegangen
sind, seit es die Oberfläche verließ, wo es den Stickstoff bei der Berührung
mit der Luft aufnahm. Der Gehalt an Sauerstoff, der sich in tieferen Schichten
findet, ist Lebensbedingung für die Organismen, er kann daher wichtige Auf-
klärung über Pflanzen oder Tiere geben, die in der betreffenden Wasser-
schicht leben oder gelebt haben, und schließlich kann man auch aus dem
Planktongehalt einer Wasserart Schlüsse über ihre Herkunft ziehen.
Die Temperaturmessungen und das Wasserschöpfen aus be-
stimmten Tiefen erfolgen mit Hilfe von Kippthermometern und Tiefseeschöpfern,
die wir, da es sich um rein Fachtechnisches handelt, hier übergehen,
Zur Bestimmung des Salzgehaltes hat der dänische Forscher
Forchhammer eine große Anzahl Wasserproben aus allen Meeren und Gegenden
und aus den verschiedensten Tiefen untersucht. Er hat dabei gefunden, daß
1 ky Meereswasser im Durchschnitt enthält:
Chlornatrium (Kochsalz) .
('hlormagnesium . .
Chlorkalium.. . 0. 0.
Schwefelsaure Magnesia.,
Schwefelsauren Kalk. . . .
Kohlensaure und andere Salze . , . ..
d. h. zusammen an festen Bestandteilen 34.3 g,
wovon 89,5 °/, aus Chlor- und Metallverbindungen, 10.3 °/„„ aus schwefelsauren
Salzen und nur 0.2 °% aus kohlensaueren und anderen Salzen bestehen, Das-
selbe Verhältnis findet sich nicht nur im Weltmeer, sondern auch in allen
Gewässern, die mit dem Meere in Verbindung stehen. Man konnte darüber
wohl erstaunt sein, denn man glaubte annehmen zu können, daß das Meer-
wasser seine festen Bestandteile durch die Flüsse empfängt. Nun spielen aber
im Flußwasser die Chlorverbindungen eine ganz untergeordnete Rolle, wohin-
yegen die kohlensauren Salze darin überwiegen. Man hat berechnet, daß,
dem Meere die Kochsalzmengen, die darin sind, zuzuführen, die Flüsse viele
Millionen Jahre lang ihre Wassermassen in das Meer ergossen haben müßten,
während schon */.,9 der Zeit genügt haben würde, dem Meere seine kohlen-
sauren Salze durch die Flüsse zuzuführen, Dieser Sachverhalt erklärt sich
dadurch, daß die Organismen im Meere zum Aufbau ihrer Schalen Kalk ver-
brauchen und unausgesetzt Kalk ausgeschieden und in fester Form auf dem
Meeresboden abgelagert wird, wobei dem Meereswasser Kohlensäure ent-
zogen wird.
Wenn nun aber auch der Salzgehalt in einem Kilogramm Wasser sehr
verschieden sein kann, so hat man doch gefunden, daß die im Meereswasser
enthaltenen festen Bestandteile stets annähernd in demselben Verhältnis vor-
handen sind. Hat man also den Salzgehalt, so hat man damit in der Haupt-
sache auch die Mengen aller in einer Wasserprobe vorhandenen festen Stoffe.
Den Salzgehalt pflegt man, auf 1 kg bezogen, folgendermaßen auszudrücken:
z. B. 35,25 °/9 heißt: wenn man 1 kg Wasser verdampft, so bleiben 35.25 g feste
Stoffe zurück, Nun ist aber das Verdampfen nicht so einfach, weil dabei leicht
etwas verloren geht: es ist bei den Tausenden von Proben auch zu langwierig,
Chloride