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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Wolkenhauer, A.: Der Schiffskompaß im 16. Jahrhundert etc, 
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flamändischen Bussolen zeigten um beinahe ein Viertelwind mehr nach Westen als 
die genuesischen. Es fragt sich, wie diese Verschiedenheit zu erklären ist. Wir 
haben in der Tat anzunehmen, daß ebenso, wie es uns für das 16. Jahrhundert 
bestimmt überliefert ist, auch bereits Ende des 15. Jahrhunderts eine Ver- 
schiebung der Nadel zur Ausgleichung der Abweichung stattfand. In Genua, 
wo um 1500 die Abweichung als Null betrachtet wurde, befestigte man die 
Nadel direkt unter der Nordsüdlinie der Rose und in Holland, wo die Ab- 
weichung ungefähr 1 Strich war, um so viel abweichend östlich. . Wenn dann 
genuesische und ‚holländische Kompasse nebeneinander gebraucht wurden, 
stellten sich die. Nadeln natürlich parallel, und die holländischen Bussolen 
mußten um beinahe ein Viertelwind mehr nach Westen zeigen als die genue- 
sischen! Eine eingehende Begründung dieser Interpretation der Angaben des 
Kolumbus über das verschiedene Abweichen seiner holländischen und genue- 
sischen Bussolen habe ich an anderer Stelle gegeben.!) Unsere Deutung der 
Angaben des Kolumbus schließt natürlich in sich, daß man die Abweichung 
zu seiner Zeit bereits kannte und man Kolumbus daher nicht den Entdecker 
der magnetischen Deklination nennen kann, 
Kleinere Mitteilungen. 
‚. Eine neue englische Tiefseeexpedition. Wie »The Geographical 
Journal« im Novemberheft mitteilt, wird eine neue große Tiefseeexpedition im 
Frühjahr 1905 ausgerüstet werden. Die britische. Admiralität will durch das 
Kriegsschiff »Sealark« den nordwestlichen Indischen Ozean erforschen lassen. 
Beabsichtigt ist vor allem ein Studium der Bodengestalt des Gebietes. Außer- 
dem werden natürlich alle anderen ozeanographischen Untersuchungen, wie 
Oberflächen- und Tiefen-Temperaturmessung, Bestimmung des Salzgehalts, 
Planktonfänge, unternommen werden. 
Das Expeditionsschiff wird Ceylon ungefähr im April 1905 verlassen. 
Es wird zunächst den Chagos-Archipel aufsuchen, um hier ‚einige Monate 
ozeanographisch zu arbeiten. Die Fahrt geht darauf nach den Seychellen, um 
dann den zwischen dieser Inselgruppe und Mauritius gelegenen unterseeischen 
Rücken, die Saya de Malha- und die Nazareth-Bank, zu untersuchen, Dann 
werden die auf derselben Linie Mauritius—Seychellen liegenden Agalegas- 
[nseln besucht und die Expedition auf den Seychellen beendet. 
Als Gelehrte werden an der Forschungsfahrt J. Stanley Gardiner 
und Forster Cooper teilnehmen... Ihnen werden die biologischen Unter- 
suchungen, die sich außer auf Tiefseeorganismen auch auf die noch immer 
umstrittene Frage der Bildung von Korallenriffen sowie auf Riff-Fauna und 
„Flora erstrecken, obliegen. Erwähnt sei noch, daß der erste Teil der Route 
Ceylon— Chagos-Archipel— Seychellen mit dem Wege der »Valdivia« im 
Februar—März 1899 genau übereinstimmt. Es liegt für diese Strecke eine 
enge Lotungsserie vor. Wenn also bei der »Sealark«-Expedition Hauptwert 
auf Lotungen gelegt werden soll, so ist die Wahl dieser Route verwunderlich, 
Auch die im »Geographical Journal« als früher vorhanden angenommene alte 
Landbrücke Indien— Madagaskar — Südafrika dürfte durch die‘ Expedition 
schwerlich bestätigt werden, Spätestens im Alttertiär trennte sich Madagaskar 
vom Festland. Lütgens. 
2, Lotungen auf den Bänken Henderson und Chaucer, In den 
Jahren 1850—51 wurden im Nordatlantischen Ozean, ungefähr 150 Sm nördlich 
von der Insel Fayal, Azoren, zwei Bänke gemeldet: Die Henderson-Bank mit 
91m Wassertiefe, und die Chaucer-Bank, etwas südöstlich von der ersteren, 
1) Vergl. Mitteil. der Geogr. Ges. zu München 1904, H. 2 und den Vortrag: »War die 
magnetische Deklination vor Kolumbus erster Reise nach Amerika tatsächlich unbekannt?« gehalten 
am 19. August 1904 auf dem XIV. internationalen Amerikanistenkongreß‘ zu Stuttgart; erscheint 
;n »Deutsch, Geogr. Blätter« Bd. XXVII. 1904. H. 3 und in den Verhandlungen des Kongresses,
	        
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