Hambruch, P.: Die Eisverhältnisse auf der Unterelbe,
458
gerade günstigen Wasserverhältnissen kommt alsdann das Eis zum Stehen,
zumal wenn der Flutstrom einsetzt. Diese Eisstopfungen können gefährlich
werden, wenn sie durch den ganzen Strom gehen, und das zusammengeschobene
Eis durch einen Wechsel in der Witterung, Frost auf Tauwetter, Festigkeit
erhält. dedoch auch ohne Witterungswechsel kann eine gefährliche Eis-
stopfung eintreten, sobald eine starke Eisfluft und ein größeres Oberwasser
mit abtreibendem Eise zusammentreffen, Solche Eisstopfung ist, wenn sie
eintritt, womöglich durch Eisaufbruch von unten her, zu entfernen, da sie für
die umliegenden Ortschaften verhängnisvoll werden, unter Umständen auch
eine Stromverlegung hervorbringen kann, wie Ende der siebziger Jahre
am Pagensand. In einem strengen Winter trat dort zwischen Pagensand,
Schwarztonnensand und Grauerort eine Eisstopfung ein, die zur Folge hatte,
daß das Fahrwasser, das bis dahin zwischen dem Schwarztonnensand und
Grauerort entlang führte, von da ab zwischen dem Schwarztonnensand und
Pagensand entlang führte. Die Eisstopfung hatte - eine früher daselbst vor-
handene Bank hinweggeräumt, und das alte Fahrwasser versandete mehr und
mehr. Überhaupt wird nach den Beobachtungen der Elblotsen alljährlich im
Frühjahr eine Vertiefung der Fahrrinne wahrgenommen, die allein der
räumenden Wirkung des abtreibenden Eises zuzuschreiben ist, Des weiteren
werden durch Eisgang auf der Elbe die Wasserverhältnisse insofern ver-
bessert, als es möglich ist, bei Eisgang mit Schiffen Hamburg zu erreichen,
die bei normalen Verhältnissen ihres Tiefganges wegen die Stadt nicht hätten
erreichen können, ein Vorteil, der den großen Nachteilen des Eisganges gegen-
über jedoch verschwindend ist,
Zum Schluß mögen noch einige Worte über die »Eisberichte«, wie sie
jetzt von der »Deutschen Seewarte in Hamburg« herausgegeben werden, hin-
zugefügt werden. Der Zweck der Eisberichte ist in den »Ann. d. Hydr, ete,«
1903, S. 401, »die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1903/04 «
klargelegt worden, Für die Ostsee usw. erfüllen diese Berichte vollständig
ihre Aufgabe, die. Schiffer über die Eisverhältnisse in den von ihnen be-
fahrenen Gewässern zu orientieren; für die Orientierung auf der Elbe dürften
sie jedoch nicht stets genügende Aufklärung geben, An den Orten, wo keine
Strömungsverhältnisse und Einflüsse von Ebbe und Flut in Betracht kommen,
kann man die Entwicklung der Eisverhältnisse deutlicher vorhersehen als an
Orten, wo diese Faktoren eine wichtige übergeordnete Rolle spielen. Mag an den
ersten Orten eine einmalige tägliche Berichterstattung über die Eisverhältnisse
genügen, so möchte an diesen Orten eine zweimalige, wo nicht dreimalige tägliche
Berichterstattung am Platze sein, um den Schiffer genau zu orientieren und
ihm unnütze Mühen und Gefahren zu ersparen. Auf der Elbe spielen die
Tiden eine zu wichtige Rolle, wie man daraus ersehen kann, daß ein Gebiet,
das um 8 Uhr morgens eisfrei ist, schon nach einer Stunde vom Eise derartig
besetzt sein kann, daß ein Durchkommen unmöglich ist.
Faßt man die Resultate der vorliegenden Arbeit kurz zusammen, so
ergeben sich für die Eisverhältnisse auf der Elbe folgende Schlußfolgerungen:
4. Die Eisbildung auf der Unterelbe beginnt unter den hierfür ge-
gebenen Umständen im Laufe des Dezember beim Eintritt von nordöstlichen
bis östlichen Winden, Die Kleinschiffahrt muß alsdann unterbrochen werden.
Anfang bis Mitte März kann dieselbe den. Verkehr wieder aufnehmen, sobald
das Eis verschwunden ist und die Wasserverhältnisse den Verkehr erlauben.
II. Die Eisbildung tritt zuerst auf den Sänden, am Ufer, überhaupt
in den geringen Wassertiefen ein und erstreckt sich langsam in das Fahr-
wasser hinein... Hier tritt der stärkste Eisgang ein, und hier verschwindet das
Eis zuerst. Die gefahrvollsten Strecken, an denen Eisstopfungen eintreten
können und stets das schwerste Eis zu erwarten ist, liegen auf der Strecke
vom Köhlfleth bis Lühort, zwischen Pagensand und Grauerort und auf der
Strecke von Brockdorf bis Scheelenkulen: