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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Hambruch, P.: Die Eisverhältnisse auf der Unterelbe, 
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gerade günstigen Wasserverhältnissen kommt alsdann das Eis zum Stehen, 
zumal wenn der Flutstrom einsetzt. Diese Eisstopfungen können gefährlich 
werden, wenn sie durch den ganzen Strom gehen, und das zusammengeschobene 
Eis durch einen Wechsel in der Witterung, Frost auf Tauwetter, Festigkeit 
erhält. dedoch auch ohne Witterungswechsel kann eine gefährliche Eis- 
stopfung eintreten, sobald eine starke Eisfluft und ein größeres Oberwasser 
mit abtreibendem Eise zusammentreffen, Solche Eisstopfung ist, wenn sie 
eintritt, womöglich durch Eisaufbruch von unten her, zu entfernen, da sie für 
die umliegenden Ortschaften verhängnisvoll werden, unter Umständen auch 
eine Stromverlegung hervorbringen kann, wie Ende der siebziger Jahre 
am Pagensand. In einem strengen Winter trat dort zwischen Pagensand, 
Schwarztonnensand und Grauerort eine Eisstopfung ein, die zur Folge hatte, 
daß das Fahrwasser, das bis dahin zwischen dem Schwarztonnensand und 
Grauerort entlang führte, von da ab zwischen dem Schwarztonnensand und 
Pagensand entlang führte. Die Eisstopfung hatte - eine früher daselbst vor- 
handene Bank hinweggeräumt, und das alte Fahrwasser versandete mehr und 
mehr. Überhaupt wird nach den Beobachtungen der Elblotsen alljährlich im 
Frühjahr eine Vertiefung der Fahrrinne wahrgenommen, die allein der 
räumenden Wirkung des abtreibenden Eises zuzuschreiben ist, Des weiteren 
werden durch Eisgang auf der Elbe die Wasserverhältnisse insofern ver- 
bessert, als es möglich ist, bei Eisgang mit Schiffen Hamburg zu erreichen, 
die bei normalen Verhältnissen ihres Tiefganges wegen die Stadt nicht hätten 
erreichen können, ein Vorteil, der den großen Nachteilen des Eisganges gegen- 
über jedoch verschwindend ist, 
Zum Schluß mögen noch einige Worte über die »Eisberichte«, wie sie 
jetzt von der »Deutschen Seewarte in Hamburg« herausgegeben werden, hin- 
zugefügt werden. Der Zweck der Eisberichte ist in den »Ann. d. Hydr, ete,« 
1903, S. 401, »die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1903/04 « 
klargelegt worden, Für die Ostsee usw. erfüllen diese Berichte vollständig 
ihre Aufgabe, die. Schiffer über die Eisverhältnisse in den von ihnen be- 
fahrenen Gewässern zu orientieren; für die Orientierung auf der Elbe dürften 
sie jedoch nicht stets genügende Aufklärung geben, An den Orten, wo keine 
Strömungsverhältnisse und Einflüsse von Ebbe und Flut in Betracht kommen, 
kann man die Entwicklung der Eisverhältnisse deutlicher vorhersehen als an 
Orten, wo diese Faktoren eine wichtige übergeordnete Rolle spielen. Mag an den 
ersten Orten eine einmalige tägliche Berichterstattung über die Eisverhältnisse 
genügen, so möchte an diesen Orten eine zweimalige, wo nicht dreimalige tägliche 
Berichterstattung am Platze sein, um den Schiffer genau zu orientieren und 
ihm unnütze Mühen und Gefahren zu ersparen. Auf der Elbe spielen die 
Tiden eine zu wichtige Rolle, wie man daraus ersehen kann, daß ein Gebiet, 
das um 8 Uhr morgens eisfrei ist, schon nach einer Stunde vom Eise derartig 
besetzt sein kann, daß ein Durchkommen unmöglich ist. 
Faßt man die Resultate der vorliegenden Arbeit kurz zusammen, so 
ergeben sich für die Eisverhältnisse auf der Elbe folgende Schlußfolgerungen: 
4. Die Eisbildung auf der Unterelbe beginnt unter den hierfür ge- 
gebenen Umständen im Laufe des Dezember beim Eintritt von nordöstlichen 
bis östlichen Winden, Die Kleinschiffahrt muß alsdann unterbrochen werden. 
Anfang bis Mitte März kann dieselbe den. Verkehr wieder aufnehmen, sobald 
das Eis verschwunden ist und die Wasserverhältnisse den Verkehr erlauben. 
II. Die Eisbildung tritt zuerst auf den Sänden, am Ufer, überhaupt 
in den geringen Wassertiefen ein und erstreckt sich langsam in das Fahr- 
wasser hinein... Hier tritt der stärkste Eisgang ein, und hier verschwindet das 
Eis zuerst. Die gefahrvollsten Strecken, an denen Eisstopfungen eintreten 
können und stets das schwerste Eis zu erwarten ist, liegen auf der Strecke 
vom Köhlfleth bis Lühort, zwischen Pagensand und Grauerort und auf der 
Strecke von Brockdorf bis Scheelenkulen:
	        
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