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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Hambruch, P.: Die Eisverhältnisse auf der Unterelbe, . 
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zwischen und auf den Sänden und Untiefen oft eine völlige: Barriere, die 
ihrerseits wiederum die gefährlichen Eisstopfungen verursacht. © 
Nach _ den langjährigen Erfahrungen des Herrn Oberlotsen John 
Jorjan in Övelgönne vollzieht sich der Eisgang‘ auf der Unterelbe normal 
in folgender Weise. 
Das erste Eis bildet sich auf der Unterelbe gewöhnlich im Laufe des 
Monats Dezember beim Eintritt kalter östlicher und nordöstlicher Winde; es 
hält sich hier bis Ende Februar und ist-in der Mitte: des’ Monats März ge- 
wöhnlich verschwunden. Siggeis und Oberflächeneisbildung treten zuerst und 
zusammen auf. Die ersten Formen der Eisbildung präsentieren sich als sehr 
kleine runde Schöllchen, die aber schon in. sehr kurzer Zeit bei geringer 
Kälte zu größeren Schollen und Bergen: zusammenfrieren. Diese- schieben 
sich auf den Sänden und am Ufer zusammen oder treiben als Treibeis den 
Strom hinunter. Im oberen Teile der Unterelbe zwischen Schulau und 
Hamburg ist das Treibeis solange zu beobachten, als das Eis auf der Ober- 
elbe nicht zum Stehen gekommen ist. Dies geschieht jetzt an den Elbbrücken. 
Alsdann verschwindet das Treibeis mehr und mehr, da im Hafen und 
auf dem Strome infolge des Verkehrs eine Eisbildung nicht eintreten «kann. 
Dort, wo eine feste Eisdecke sich gebildet hat, zwischen den Stacks, den Ufer- 
sänden usw., läßt man dieselbe ruhig stehen, da diese Stromteile. für den 
Verkehr ohne Bedeutung sind, Der einzige Hafen, der auch dann noch das 
Eis länger hält, ist der Bakenhafen, da aus ihm das Eis infolge seiner 
schweren Zugänglichkeit nur schwierig abtreiben kann. Alle anderen Häfen 
Hamburgs stehen mit dem Hauptstrom der Elbe, in offener Verbindung 
und liegen mehr oder weniger parallel zur Stromrichtung; da dieselbe von 
SO nach NW verläuft, so fördert auch der zu dieser Zeit herrschende Ost- 
wind ein Abtreiben der Eismassen aus den Häfen, Durch die Gezeiten- 
strömungen wird das. Eis in Bewegung gehalten. Mit der Flut wird es den 
Strom aufwärts geschoben, mit der Ebbe seewärts entführt. Da nun der 
Ebbstrom zwischen Hamburg und Blankenese vier Stunden länger läuft als 
der Flutstrom, so wirkt er auf dieser Strecke reinigend; ein Grund .mehr, 
daß hier weniger Eis angetroffen wird als auf dem mittleren und unteren 
Teile der Unterelbe. Des weiteren kommen auf diesem Teile die Wasser- 
verhältnisse in Betracht. Ostwind wird auf der Elbe nicht gern gesehen, 
da er das Wasser in die See hinaus treibt. Im: Winter hat. ein Wasser- 
mangel . obendrein den UÜbelstand, daß er das Gefrieren begünstigt. Um 
diesen Nachteil zu überwinden, hat man in den letzten Jahren eine Tief- 
baggerung durchgeführt, die das Strombett der Elbe zwischen Hamburg und 
Brunshausen auf 8 m Tiefe bei mittlerem Wasserstande brachte. Zugleich 
engte man durch Stacks das Fahrwasser von den Ufern aus ein. Durch diese 
Korrektion wurde dem Strom eine bestimmte Richtung gegeben, die gefähr- 
lichen Buchten ausgeglichen und die Schnelligkeit des fließenden Wassers 
derartig erhöht, daß die Eisbildung im Fahrwasser bedeutend erschwert, 
wenn nicht unmöglich gemacht ist. Das stromabwärts bzw. aufwärts geführte 
Eis kann sich nun zwischen den Stacks absetzen und wird auf diese Weise 
unschädlich gemacht. Auf dieser Strecke von Hamburg bis Schulau verläuft 
das Fahrwasser an der Nordseite; es wird durch Strom und Eisbrecher offen 
gehalten, während die Südseite von der linken Spierentonnenreihe vom Köhl- 
fleth bis Lühort völlig zugeht. Bei Blankenese wird das Strombett flacher, 
es kommt daher des Öfteren hier zu Schiebungen.. Das Eis schiebt sich in 
Schollen übereinander, die für die Schiffahrt ‘ äußerst hinderlich werden 
können, da sie leicht eine Eisstopfung zur Folge haben. Zuweilen türmt es 
sich auch am Strande auf, schiebt sich hoch auf das Ufer hinauf und tritt 
in den schlimmsten Fällen sogar über die Deiche auf das dahinterliegende 
Marschland über, wo es große Verheerungen ‚anrichten ; kann. Bei Schulau 
geht das Fahrwasser zur Lühe hinüber, um alsdann von neuem nach Norden 
hin sich zu wenden. Durch diese beiden Wendungen des Fahrwassers (siehe 
Tafel 16) wird eine große Bucht gebildet, die im Winter völlig zugeht und 
aus der das Eis nur schwer abtreiben kann. Beim Eintritt. des Tauwetters
	        
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