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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

146 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1905. 
abheben und ins Treiben bringen. Das Eis spaltet gewöhnlich leicht ab, nur 
dort, wo Sände im Flußbette lagern, bleibt es in mächtigen Schollen liegen. 
Die Verbreiterung der Fahrrinne, oder zur Zeit des Abtauens des Eises am 
Ufer, geschieht durch das »Rändern«, Es fährt der Eisbrecher alsdann mit 
voller Kraft möglichst nahe an der »Schnitte«, das ist am Rande des stehen- 
gebliebenen Eises entlang. Dadurch wird ein starker Wellengang erzeugt, 
der die Eisdecke bis zum Ufer hin in schaukelnde Bewegung versetzt, die 
ihrerseits zur Folge hat, daß das Eis in großer Ausdehnung durch Längs- 
und Querrisse abspaltet und ins Treiben gerät. Dieses Rändern wird solange 
fortgesetzt, als Erfolge noch zu erzielen sind. Diese hören auf, wenn ent- 
weder die Wassertiefe unter dem Eise zu groß wird, da alsdann die Eisdecke 
nicht mehr in Schwankung versetzt wird, oder die Wassertiefe unter der Eis- 
decke zu gering wird, um einen hinreichend wirksamen Wellengang entstehen 
zu lassen. Die abtreibenden Schollen und KEisfelder werden weiter durch 
Hineinfahren und Auffahren in und auf dieselben zertrümmert und hinreichend 
zerkleinert. 
Ferner sind die Eisbrecher verpflichtet, den Schiffen bei Eisgang 
auf der Elbe das Durchkommen auf jede Weise zu erleichtern, ihnen in Not- 
fällen auch Hilfe zu leisten. Kosten erwachsen dem geholfenen Schiffe 
dadurch nicht. 
C. Die Eisverhältnisse auf der Unterelbe, 
Ehe ich zur eigentlichen Darlegung der Eisverhältnisse auf der Unter- 
elbe übergehe, dürfte es sich verlohnen, einige Worte über die Eisbildung 
auf der Elbe zu sagen, 
Mit Kapt. Meier!) kann man drei Arten der Eisbildung auf der Unter- 
elbe unterscheiden. 1. Das Oberflächeneis oder Blockeis. 2, Das Schnee-BEis. 
3. Das Grundeis. Das erste bildet sich bei plötzlich eintretender großer 
Kälte bei ruhigem Wetter zwischen den Stacks und Buhnen und schiebt sich, 
wenn keine störenden Ereignisse, wie Wind, Schneefall usw. dazwischen treten, 
immer mehr der Strommitte zu, so daß beim etwaigen Stocken des Verkehrs 
eine glatte Überbrückung des Flusses stattfinden würde. Dieses Eis ist glatt 
und hart, man nennt es auch zum Unterschiede vom Schnee- und Siggeis 
Blockeis oder Kristalleis. Das Schnee-Eis hingegen bildet sich beim Herab- 
sinken der Temperatur auf 0°, bei starken Schneefällen auf dem freien 
Wasser. Der ins Wasser fallende Schnee kühlt das Oberflächenwasser bald 
hinreichend genug ab, so daß der nachfolgende Schnee auf der Wasserober- 
fläche treibend zu einer erst teigartigen, dann immer mehr erhärtenden Masse 
zusammenfriert, die bei anhaltendem Froste durch Unterfrieren stark und 
haltbar wird. Die dritte unterschiedene Eisart, das Grund- oder Siggeis, 
bildet sich bei anhaltender Kälte an den Stellen, wo noch kein Oberflächeneis 
in Gestalt einer Eisdecke vorhanden ist, Hat diese sich gebildet, so siggt es 
nicht mehr. Es bildet sich zuerst an den flachen Stellen, an den Stacks und 
den Buhnenköpfen, die bei Niedrigwasser durch die Luft abgekühlt werden, 
das zurückgehaltene Wasser verdunsten und so auf eine Temperatur unter 0° 
herabsinken, später aber beim Steigen des Wassers wieder erwärmt werden, 
indem sie dem Wasser Wärme entziehen und so die Siggeisbildung herbei- 
führen. Nach den Beobachtungen von Kapt. Meier siggt es gewöhnlich am 
stärksten in den frühen Morgenstunden zwischen 5 und 8 Uhr. Kommt um 
diese Zeit die Flut, tritt also Stauwasser und zugleich Ruhe in der Strom- 
bewegung ein, so ist bisweilen zu bemerken, daß innerhalb einer Stunde bis 
dahin gänzlich eisfreie Stromgebiete mit einer fußdicken Schicht von Siggeis 
bedeckt werden, die nur von Dampfern bewältigt werden kann, Ursprünglich 
eine schwammige Masse, kleben die Siggeisschöllchen zu größeren Schollen und 
Bergen zusammen, Im Winter sind die Elbufer mit diesen Bergen besäumt, 
die oft eine beträchtliche Höhe erlangen und nach schweren Wintern bis in 
den Mai hinein beobachtet werden konnten. Im Flusse selbst bilden sie 
Y H Meier: Über Girundeisbildung. »Annal, d. Hrydr. ete.« 1891, S. 137 ff.
	        
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