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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Hambruch, P.: Die Eisverhältnisse auf der Unterelbe. ' 443 
Der Senat prüfte die Eingabe und forderte vom Wasserbaudirektor 
Dalmann einen Bericht ein. Dalmann wies mit Recht darauf hin — eine 
Bemerkung, die auch heute noch gültig ist —, daß Menschenkraft gegen die 
Naturgewalten nur wenig ausrichten kann. Hätte man in den vorhergehenden 
Jahren günstigere Resultate beim Eisbrechen erzielt, so hätte das einzig und 
allein an den verhältnismäßig. milden Wintern gelegen; anhaltende Kälte- 
perioden mit tiefen Temperaturgraden würden stets der Schiffahrt ein un- 
freiwilliges Halt gebieten, Er sei kein Gegner der Eislösungsarbeiten, doch 
müsse ein jeder einsehen, daß auch diesen eine bestimmte Grenze gestellt sei, 
Als Eisbruchwerkzeuge spreche er dem Pulver und dem Dynamit jeglichen 
Nutzen ab, neben dem KEissägen käme der Eisaufbruch mit Fahrzeugen in 
erster Linie in Betracht. Unter diesen verdienten die Dampfer die erste 
Stelle. Dalmann sagt: 
».... glaube ich meine auf langjährige Erfahrungen gestützte Ansicht 
zusammenfassen und dahin aussprechen zu können, daß Eislösungsarbeiten 
am besten mittels oder unter Mitwirkung kräftiger Dampfer betrieben, in 
milden Wintern der Schiffahrt einen ‚sehr großen Nutzen leisten, d. h. die 
Dauer der Eissperre beträchtlich verkürzen, unter Umständen auf‘ halb 
reduzieren können ....« 
Diese erste Anerkennung der Eisbrecher hatte zur Folge, daß der 
Senat den Wünschen der hamburgischen Kaufmannschaft Raum gab, allerdings 
nicht sogleich. Ein »Komitee für die Beseitigung künftiger Eissperren auf 
der Elbe« schrieb einen Wettbewerb zur Erlangung von Eisbrecherentwürfen 
aus; 24 Entwürfe gingen ein, einer!) wurde ausgeführt, und im Dezember 1871 
trat dieser Dampfer »Eisbrecher I« unter Führung eines seiner Konstrukteure 
August Lührs seinen Dienst an. Da er sich in den folgenden Wintern 
1871/72 bis 1874/75 sehr gut bewährte, zeigte sich der hamburgische Staat 
zum Ankaufe des »Eisbrecher I« bereit. Er schaffte die Eishindernisse auf 
der Unterelbe fort, während die Eislösungsarbeiten auf der hamburgischen 
Oberelbe von den Staatsschleppern »Elbe«, »Lentz« und »Krieg«. besorgt 
wurde. Der wachsende Schiffsverkehr und der Aufschwung des Handels 
machten es bald erforderlich, daß ein zweiter Eisbrecher in Bau genommen 
wurde, um den ersten zu unterstützen und auch kleineren Dampfern und 
Seglern das Herankommen an die Stadt zu erleichtern. 1877 trat >»Eis- 
brecher II« auf der Unterelbe in Betrieb, 1878 wurde für den KEisbrechdienst 
auf der Oberelbe der »Hofe« eingestellt, Der weitere Aufschwung des 
Handels und die hiermit verbundenen baulichen Veränderungen und Er- 
weiterungen des‘ hamburgischen Hafens erforderte die Anschaffung zweier 
neuer Eisbrecher »Simson« und »Möve«, die für gewöhnlich den Hafendienst 
besorgen; doch wird. »Simson« auch zuweilen auf der Unterelbe benutzt, Zu 
diesen fünf Eisbrechern traten nach dem schweren Winter 1891/92 zwei 
weitere .Eisbrechdampfer »Eisbrecher III« und »Elbe«, die beide für den 
Eisaufbruch und Räumung der Unterelbe gebaut wurden; »Eisbrecher IIL« 
wird als größter und kräftigster Eisbrechdampfer auch zur Lösung der Eis- 
massen in der Elbmündung verwendet, 
So zählt der hamburgische Staat sieben Eisbrechdampfer, von denen 
die vier tiefgehenden Schiffe »Eisbrecher I«, »Eisbrecher IX«, »Eisbrecher IIT« 
und »Elbe« auf der Unterelbe, die kleineren »Hofe«, »Simson« und »Möve« 
im Hafen und auf der Oberelbe Dienst tun, Infolge eines Abkommens 
zwischen Hamburg und Preußen unterstützen in schweren Wintern, wenn der 
Eisbruch auf der Oberelbe nutzlos wird, ‚die sieben preußischen Eisbrecher 
>Wal«, »Eisbär«, »Widder«, «Walroß«, »Delphin«, »Robbe« und »Lüneburg« 
die. hamburgischen Eisbrecher beim Aufbruch der Elbe zwischen Schulau 
und Hamburg. . 
Die Wirkungen der Eisbrecher veranschaulicht das folgende Diagramm: 
3) Dies war der Entwurf von Steinhaus, In »Ann. d. Hydr. etc.« 1899, S. 203, ist der 
Entwurf einem Russen zugeschrieben worden.
	        
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