Hambruch, P.: Die Eisverhältnisse auf der Unterelbe.
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brücken ab nach See zu — ehe man den Abtrieb des Eises der Oberelbe —
Elbe von Hamburgs Elbbrücken ab stromaufwärts — veranlaßte. Fror die
Elbe zu — und dies geschah infolge des weniger regen Verkehrs auf der
Elbe, da Dampfschiffe erst von 1870 ab in größerem Maße gebaut wurden,
fast jeden Winter — .so zerlegte man mit der Eissäge große Eisfelder in
kleinere und erleichterte den Abtrieb, den der Ebbstrom besorgt, durch Eis-
kähne, Eisewer, Brechstangen, Hebebäume und Pulversprengungen. Eiskähne
wie Eisewer. waren flache Fahrzeuge, die äußerlich mit Brettern verkleidet
und deren Böden mit Holzleisten und Eisenblechstreifen geschützt wurden,
Sie waren 6 bis 10 m lang, der Boden war 1m breit, während der Abstand
zwischen den Spanten 1.80 m betrug. 8 bis 16 Mann bedienten die Fahrzeuge.
Mit diesen Hilfsmitteln hielt man die Elbe während des Winters solange als
möglich offen, allerdings nur auf dem hamburgischen Gebiete. Eine Anderung
in den Eisarbeiten wurde 1845 vollzogen. In diesem: Jahre wurde das
Altonaer Pfahlwerk vernichtet und hierdurch eine große Gefahr für die im
Altonaer und Hamburger Hafen liegenden Schiffe hervorgerufen, Um die
Gefahr abzuwenden, wollte man die Eismassen unterhalb Hamburg- Altonas
ins Treiben bringen. Ende Januar begann man, die Eisarbeiten auszuführen,
die in diesem strengen, starken Winter bis in den April hinein dauerten und
von Hamburg, Altona, Hannover gemeinsam ausgeführt wurden, Die Elbe
wurde von Schulau bis Hamburg hin aufgeeist unter Zuhilfenahme aller
möglichen Werkzeuge und Mittel, unter denen in diesem Jahre das Schieß-
pulver obenan stand,
Bei dieser Arbeit machte man die Erfahrung, daß eine einheitliche,
gleichmäßig starke Eisdecke im Flutgebiet der Elbe überhaupt nicht vor-
kommt — man hatte sie auf 10 bis 15 cm Dicke geschätzt —, sondern, daß
dieselbe je nach den. lokalen Verhältnissen verschieden war. Hatte
man doch in diesem Jahre noch Ende März in der Norderelbe eine Stärke
des Eises von 35 bis 45 em konstatiert. Neue Gedanken zur Bewältigung
des Eises tauchten auf, unter denen als vornehmster wohl der des Kapitän
Spliedt zu erwähnen ist. Spliedt legte den hamburgischen Behörden
einen Eisbrechdampferentwurf vor. Der Dampfer sollte 1.3 m Tiefgang haben,
seine Länge 35.35 m, seine Breite vorn 7.97 m, hinten 6.15 m betragen. Er
war gedacht als zweischlotiger Raddampfer, der vorn einen breiten Schuh
tragen sollte, um das Eis mit seiner Stoßkraft von unten herauf zu zer-
trümmern, Das Projekt wurde ernstlich geprüft, doch scheiterte es an den
hohen Herstellungs- und Unterhaltungskosten. 1847 legte Kapitän Spliedt
einen anderen Entwurf vor, der das Schicksal des ersten hatte.
Die folgenden Jahre bis 1855 brachten nichts Neues. Man beschränkte
sich darauf, das bestehende Material an Eiskähnen und Ewern zu ergänzen
und zu erneuern. Auch wurde ein sorgfältiger Eisbeobachtungsdienst ein-
geführt,
Neue Erfahrungen machte man im Jahre 1855, wo im Januar eine
gewaltige Sturmflut die Deiche der Elbmarschen schwächte und teilweise
einriß. Am Ende des Monats wiederholte sich die Sturmflut, deren Schreck-
nisse durch das Eis vermehrt wurde, Ungeheure Eismassen wurden in die
Oberelbe hineingepreßt, so daß sich eine feste Eisdecke aus den Eisschollen
bildete, unter denen sich 1.5 bis 3 m dicke Siggeisberge befanden. Zwei
gleich verhängnisvolle Gefahren drohten, 1. die einer Eisstopfung in der Ober-
elbe, 2. die des Eintretens einer Überschwemmung beim Eintritt von Tau-
wetter. Um diese Katastrophen abzuwenden, begann man wieder in Schulau
mit den Aufeisungsarbeiten bis Hamburg hinauf, um den bei der nachfolgenden
Aufeisung der Oberelbe abtreibenden Eismassen Raum zu machen und einer
nochmaligen Eisstopfung vorzubeugen. Vom 16. Februar bis zum 25. März
dauerten die Aufeisungsarbeiten, die sehr mühsam waren. Beim Aufeisen des
Köhlbrands geschah es, daß eine hohe Flut das Eis abhob und direkt auf
das Altonaer Pfahlwerk zutrieb, das hierbei zum Teil zerstört wurde, Zugleich
setzte es sich etwas unterhalb Altonas fest und rief eine neue Eisstopfung
hervor, die nur mit der größten Mühe abgestellt werden konnte. Am 21. März