Wolkenhauer, A.: Der Schiffskompaß im 16. Jahrhundert ete.
35
Zweitens werden welche in Danzig, im Sund von Dänemark und in
Flandern gemacht, welche die Nadeln 3/, Punkt!) östlich von Norden des
Kompasses »gesetzt« haben, manche auch einen ganzen Punkt....
Drittens werden besonders in diesem Lande Kompasse gemacht für St.
Nicholas und Rußland, die auf 11/, Punkte »gesetzt« sind....
Viertens werden die Kompasse, welche in Sevilla, Lissabon, La Rochelle,
Bordeaux, Rouen und hier in England gemacht werden, gewöhnlich !/„, Punkt
»gesetzt.« . .
Folgende Verschiebungswinkel hatten sich also zur Zeit Normans
eingebürgert: C |
Gar keine Abweichung: Meridionalkompasse: In der Levante (Sizilien,
Genua, Venedig.) _
3/,—1 Strich östlich: Danzig, Sund von Dänemark, Flandern,
L1/„ Strich östlich: St. Nicholas, Rußland. ;
1, Strich: Sevilla, Lissabon, La Rochelle, Bordeaux, Rouen, England.
Da der englische Kompaß sich mit !/„, Strich. Abweichung in der Mitte
hält von allen anderen Kompassen, hält Norman diesen für den praktischsten,
Ungefähr 100 Jahre hindurch haben sich diese Verschiebungswinkel
gehalten, Spätere Schriftsteller berichten sie fast genau wie Norman.
William Gilbert gibt 1600 in »Traetatus. sive Physiologia Nova de
Magnete« 4 verschiedene Kompaßformen an:
Keine Abweichung: Mittelmeer, Sizilien, Genua und Venedig.
3/, Strich östlich: Danzig, ganze Ostsee, Belgien,
2/„ Strich östlich: für die Fahrt nach Rußland. ;
U Strich Östlich: Sevilla, Lissabon, La. Rochelle, Bordeaux, Rouen
und in ganz England.
—_ Guillaume de Nautonnier, Sieur de Castelfranc, giebt in seiner »La
Möäcographie de l’Eymant ‚.. Languedoc 1603 S. 15 folgende Formen:
1, Strich östlich: Spanien, Frankreich, England. ;
2? Strich östlich: Flandern (3/, bei längerer Fahrt nach Osten.)
Strich östlich: Danzig. ;
11/„ Strich östlich: Vardö. .
Ganz ähnlich sind die Angaben Riccolis in seinem Werke: Geographiae
et Hydrographiae reformatae libri duodecim . .. Bononiae 1661. Lib. dee,
Kap. XVII,
Es scheinen sich für mehr oder weniger abgeschlossene Schiffahrtsgebiete
mit der Zeit mittlere Verschiebungswinkel eingebürgert zu haben,
die sich wohl durch Tradition forterbten. Trotzdem z. B., wie wir wissen, in
jener Zeit die Abweichung im ganzen Mittelmeer nicht gleich Null Grad war,
wurden doch im Mittelmeer allgemein »Meridionalkompasse« gebraucht. Man
wird die Konstanz in den Abweichungswinkeln der Kompasse jedenfalls der
Genügsamkeit in der Genauigkeit der Beobachtungen und dem konservativen
Sinn der Schiffer und Kompaßmacher zuzuschreiben haben. } ,
Bevor wir unsere Mitteilungen über die verschiedenen Kompaßformen
des 16. Jahrhunderts (soweit sie durch die Nadelverschiebung bedingt sind),
schließen, müssen wir noch einiger Einrichtungen gedenken, welche darauf
abzielten, ‚den Kompaß ständig nach der Abweichung zu verbessern, Die
erste Nachricht darüber findet sich in dem schon genannten Werke William
Boroughs »A Discourse of the Variation of the Compasse 1581.« Kap. XI berichtet
Borough, daß einige Seeleute auf der Fahrt von England nach Neufundland, um
nicht wie gewöhnlich zu weit nach Norden hinaufzukommen, auf ihren Kompaß
noch ein Rosenblatt ohne Nadel (a blanke Flie) verschiebbar darauf gesetzt
hätten: »Einige haben sich gewöhnt ... auf ihren Kompaß eine bloße Scheibe
zu setzen, welche sie von Zeit zu Zeit verschoben, je nachdem sie sahen, daß
sich die Abweichung geändert hatte. Dies scheint die erste Nachricht von
N) Ein Punkt (engl. point) oder Strich der germanischen Windrose ist bekanntlich gleich
einem Viertelwind der romanischen = 11!/,% Vergl. auch Breusing, Die nautischen Instrumente
bis zur Erfindung des Spiegelsextanten. Bremen, 1890, S. 13.