434 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1905,
von Rügenwaldermünde, also um 22,9°, während am gleichen Ort die größte
Schwankung 22.7° in Hamburg und die kleinste 12.1° in Borkum betrug.
Die Zahl der Sommertage war im Westen durchschnittlich größer als
im Osten, — N
Die aus der Anderung der Temperatur von Tag zu Tag für die drei
Beobachtungstermine ohne Rücksicht auf die Vorzeichen der Änderungen als
arithmetisches Mittel berechneten Werte der interdiurnen Veränderlichkeit der
Temperatur (I. T. V.) schwankten mit ihren größten Beträgen zwischen 1,5°
(Memel) und 2,1° (Wilhelmshaven, Hamburg, Neufahrwasser) und erreichten
diese durchweg am Nachmittag, während die kleinsten Werte durchweg am
Morgen vorliegen,
Die monatlichen Niederschlagsmengen zeigen an der Nordsee durchweg
viel geringere Werte als an der Ostsee. Die größten Werte erreichten an
der Ostsee Hela mit 164, Neufahrwasser mit 148, Kolberg mit 138, Groß-
Ziegenort mit 132, Pillau mit 131, Brüsterort mit 128; an der Nordsee Brake
mit 129 und Brunshausen mit 125 mm. Die kleinsten Werte waren an der
Ostsee Aarösund 28 mm, Flensburg, Friedrichsort, Travemünde 50 mm, an
der Nordsee dagegen Norderney 15, Borkum 17, Norddeich 20, Keitum 26 mm.
— Sehr erhebliche, in 24 Stunden 20.0 mm übersteigende Niederschläge traten
auf in Wilhelmshaven (27 mm am 23.), Brake (31 mm am 23, und 23 mm am 15,),
Geestemünde (21 mm am 23.), Büsum (21 mm am 18.), Brunshausen (53 mm
am 1.), Warnemünde (25 mm am 19.), Darsserort (36 mm am 2383.), Wustrow
23 mm am 23.), Arkona (33 mm am 18.), Greifswalder Oie (28 mm am 21.),
Ahlbeck (29 mm am 19.), Swinemünde (23 mm am 19.), Kolberg (42 mm am 19.),
Rügenwaldermünde (27 mm am 19.), Stolpmünde (20 mm am 2.), Rixhöft
(20 mm am 20., 24 mm am 21.), Neufahrwasser (47 mm am 20.), Hela (74 mm
am 20.), Pillau (30 mm am 20, 35mm am 22, 24 mm am 30.) und Groß-
Ziegenort (20 mm am 5., 36 mm am 19.)
Als heitere Tage, an denen die Bewölkung im arithmetischen Mittel aus
den dreimal täglichen Beobachtungen nach der Skala 0 bis 10 kleiner als 2
war, sind mit Ausnahme des 9, (an der ganzen deutschen Küste) über größerem
Gebiete keine zu verzeichnen. Auch Nebel trat nur vereinzelt auf,
Gewitter traten sehr zahlreich auf. In größerer Ausdehnung wurden
Gewitter beobachtet am 1., 2., und 27. an der ganzen deutschen Küste, am
10., 16., 23. an der Nordseeküste und am 3., 6. und 30. an der Ostseeküste.
Die meisten Gewitterbeobachtungen hatten Hamburg und Swinemünde mit 11
bzw. 9 Beobachtungen, nur sehr wenige Stationen hatten während des Monats
überhaupt kein Gewitter zu verzeichnen,
Wetterlage. Am 1. des Monats lagert wie am letzten Tage des vorigen
Monats ein Tief im Südwesten Europas, dessen Einfluß die deutsche Küste
untersteht. Bei nordöstlichen Winden ist das Wetter warm und heiter. Die
Depression geht in den folgenden Tagen erst nord-, dann nordostwärts, einem
vom Südwesten herannahenden Hochdruckgebiet weichend und eine Drehung
der Winde nach Westen hervorrufend, die bei etwas kühlerem Wetter leichte
Trübung bringen, Am 5. bilden sich über Mitteleuropa mehrere flache
Depressionen, während im Norden eine neue Depression vorüberzieht. Nach-
folgende Depressionen über Nordeuropa führen im Verein mit dem meist über
dem Südwesten des Erdteils lagernden Hochdruckgebiet für die Küste in den
folgenden drei Wochen vorwiegend nordwestliche Winde und vielfach Trübung
herbei, Erst am 27. des Monats weicht das’ bisher im Südwesten gelegene
Hochdruckgebiet vor einer von der Biscayasee ostwärts vordringenden De-
pression zurück, unter deren Einfluß das Wetter ruhig und warm ist und
vielfach Gewitter stattfinden. Doch bereits am 29. finden wir wieder ein Hoch-
druckgebiet von Südwesten her über Kontinentaleuropa ausgebreitet und eine
neue Depression über den Britischen Inseln im Anzuge, so daß bald wieder
bei westlichen Winden ziemlich trübes und kühles Wetter eintritt.
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