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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1905. 
handelte. Die ersten ausführlichen Nachrichten finden sich in »The Newe 
Attractiue« des Engländers Robert Norman. Dieses »epochemachende Buch«1) 
erschien zuerst 1851, wahrscheinlich gleichzeitig mit einer Ergänzung »A Dis- 
course of the Variation of the Compasse« von William Borough.) Wie 
Normans Werk überhaupt für die Geschichte des Magnetismus einen Abschnitt 
bezeichnet, so tut es dies auch für die hier behandelte Frage, Man kann 
direkt sagen, mit Norman und Borough beginnt die Zeit der wissenschaft- 
lichen Behandlung der Verschiebung der Nadel. Norman war praktischer 
Seemann und Instrumentenmacher; er selbst nennt sich »Hydrographer.« 
Nähere Nachrichten fehlen leider. Aus Normans Werke geht deutlich hervor, 
daß die Verschiebung der Nadel etwas ganz Gewöhnliches war. Je nach den 
Ursprungsorten hatte sich allmählich eine ganze Reihe von Kompassen ein- 
gebürgert, welche sich nur durch die verschiedene Stellung der Nadel 
unterschieden. Norman giebt uns zum erstenmal eine ausführliche Nachricht 
über diese verschiedenen Kompasse, Zunächst weist er auf die große Un- 
gleichheit der Abweichungsbeobachtungen überhaupt hin. Chap.- IX sagt er: 
‚Denn in den 18 oder 20 Jahren, die ich auf See gefahren bin, wo ich täglich 
mich mit vielen von ihnen (Seeleuten) unterhielt und eifrig nach der Ab- 
weichung der Plätze fragte, wo ich selbst nicht gewesen war, konnte ich nie- 
mals zwei von ihnen einer Meinung finden, ausgenommen für die Reisen von 
hier gegen Norden und Nordosten. Aber ich glaube, daß der Hauptgrund 
hiervon der Mangel guter Instrumente für diesen Zweck ist.« 
Norman macht weiter auf einen sehr bezeichnenden Irrtum der da- 
maligen Zeit aufmerksam. Auf Grund der Beobachtungen nach dem »ge- 
wöhnlichen Kompaß« nahm man an, daß auf dem »Great Meridian«, welcher 
durch die Insel St, Michael der Azoren gehe (Anfangsmeridian), die Magnet- 
nadel direkt nach dem Pol zeige. Wie Norman zeigt, war dies ein Irrtum; 
wohl zeige der »gewöhnliche Kompaß« dort Norden, nicht aber die »bloße 
Nadel (bare Needle.) Der »gewöhnliche ‚Kompaß« war eben, wie wir gleich 
sehen werden »verbessert.« Norman sagt: »Es ist richtig, daß der Nord- 
punkt des »gewöhnlichen Kompasses« den Pol in jenem Meridian ziemlich genau 
zeigt, aber die bloße Nadel zeigt ungefähr 4°30’ östlich vom Pol. Man mnß 
also immer den Unterschied zwischen dem »gewöhnlichen Kompaß« 
und der Nadel kennen, welcher wenigstens 1/, Strich und manchmal auch 
mehr beträgt. Nämlich der größte Teil der gewöhnlichen Segelkompasse hat 
die Nadel an der Scheibe befestigt: 1/„ oder ?/, Strich östlich vom Nordpunkt, 
einige 3, und andere einen ganzen Strich; und wiederum andere haben sie 
direkt unter der Fleur de lys oder dem Nordpunkt des Kompasses gesetzt: 
diese werden Meridional- Kompasse genannt, weil sie auf dem Haupt- 
meridian direkt den Pol zeigen.« 
In einem besonderen Kapitel (X) handelt Norman »Von den gewöhn- 
lichen Kompassen und den verschiedenen Arten derselben, mit den Unzu- 
träglichkeiten, die dadurch entstehen können, und den Karten, die damit 
aufgenommen sind«., (Of the common Compasses, and of the divers different 
sortes and makings of them, with the inconveniences that may growe by them, 
and the Plats made by them.) Er sagt: 
Von diesen »gewöhnlichen Segelkompassen« finde ich hier (in Europa) 
fünf verschiedene Sorten oder »Setzungen« (sets). 
Die erste Art ist die der Levante, welche in Sizilien, Genua und 
Venedig hergestellt wird. Und diese sind alle (in den meisten Fällen) meri- 
dional gemacht, mit den Eisen (Nadeln) direkt unter dem Süd- und Nord- 
punkt des Kompasses.... 
1) Vergl. Hellmann, Rara magnetica, Einleitung S. 18. Hellmann gibt in seinen 
»Rara magnetica« ein Faksimile des Titelblattes von der ersten Auflage von 1581, den Text in der 
Fassung der letzten Ausgabe vom Jahre 1720. — 
2) In Hellmanns »Rara magnetica« findet sich ein Faksimiledruck nach der dritten Aus- 
yabe vom Jahre 1596. Vergl. Einleitung S. 19.
	        
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