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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1905. 
Kleinere Mitteilungen. 
1. Über die Verwendung des Telephons zur Zeitübertragung be- 
richtete Herr F. Guyou der Academie des sciences (Compt. rend. hebd. d. 
se6ances de l’academie de sciences t, CXL No. 22 [29. V. 05]) auf Grund der 
Versuche, die vom Observatoire du bureau des longitudes in Paris auf An- 
regung der dortigen Uhrmachergewerbekammer unternommen sind. Es konnte 
sich dabei nur darum handeln, einen Weg zu finden, auf dem dem Vergleicher 
die Beobachtung der Standuhr durch das Telephon ebenso ermöglicht wurde, 
als ob er vor der Standuhr selbst stände, da alle mündlichen Übertragungen 
nicht die erforderliche Zuverlässigkeit erreichen könnten, 
Es wurde daher ein besonderes Mikrophon im Uhrgehäuse angebracht, 
das die Schläge unmittelbar dem Vergleicher übermittelt, nachdem der die 
Verbindung herstellende Beamte des Observatoriums mit der Stimme durch 
das Telephon einige Schläge beziffert hat; der Vergleicher zählt danach ein- 
fach die Schläge mit, 
Dies Verfahren wurde zunächst im Pariser, dann im allgemeinen 
Telephonnetz erprobt und hatte ausgezeichnete Ergebnisse. Am 25. Mai ver- 
glich der Torpedobootsjäger Esquopette in Brest seinen Chronometer und am 
27. der Vorstand des Marine-Observatoriums in Lorient, Linienschiffsleutnant 
E. Perret, seine Standuhr mit der Pariser. Er stellte dabei unter Berück- 
sichtigung des Längenunterschiedes fest, daß beide Uhren auf etwa 0,15 5ck 
übereinstimmten, 
Herr Guyou knüpft an das Ergebnis des Versuches noch die Be- 
trachtung, daß in Zukunft in Kriegs- und Handelshäfen besondere Observa- 
torien zur Zeitbestimmung überflüssig werden würden, desgleichen würde 
auch für sonstige wissenschaftliche Institute die Notwendigkeit eigener Zeit- 
bestimmungseinrichtungen fortfallen. Eine Standuhr und telephonische Ver- 
bindung mit Paris würden genügen, jederzeit die richtige Zeit zu erlangen. 
Also eine Zentralisierung auch der Zeitbestimmung in Frankreich schwebt 
Herrn Guyou vor. Und wenn nun zufällig einmal die Pariser Beobachter 
Fehler machen? 
Mehr Beachtung verdient die von Herrn Guyou angeregte Verwendung 
des Mikrophons zur Längenbestimmung oder Bestimmung des Längenunter- 
schiedes zweier Orte. Da die Schläge der Uhr unmittelbar übertragen werden, 
so können die beiden Beobachter nach vorheriger telephonischer Vereinbarung 
im selben Augenblick die Zeitangaben ihrer Uhren vermerken, 
»Das Observatoire du bureau des longitudes besitzt vier gute Stand- 
uhren, von deren Angaben durch tägliche Vergleiche wie bei Chronometern 
in See die Pariser Zeit abgeleitet wird. Man kann also auf allen Postämtern 
die mittlere Pariser Zeit mit der Genauigkeit erhalten, die ein Observatorium 
mit vier guten Standuhren gewähren kann, die astronomisch reguliert werden, 
sobald es das Wetter gestattet und in der Zwischenzeit zwischen den astro- 
nomischen Beobachtungen gegenseitig durch Vergleiche kontrolliert werden.« 
M. 
2, Außergewöhnlich starkes St. Elmsfeuer. In dem meteorologischen 
Tagebuch des P, D. »Cap Frio«, Kapitän S. Bucka, befindet sich nachstehende 
Eintragung des I, Offiziers, Herrn Elingius: Am 6. April in der Nähe des 
‚Terschelling«-F-Sch. bemerkten wir während einer Schneeböe ein ganz außer- 
gewöhnlich helles St. Elmsfeuer. Die Erscheinung trat zuerst in den Mast- 
spitzen und vorn auf dem Bugflaggenstock als sehr helles bläuliches Licht 
auf. Später war das Knickstag zwischen den Masten hell erleuchtet; es war, 
als ob lauter kleine elektrische Lampen sehr dicht zusammen am Stag hingen. 
Die Erscheinung dauerte ungefähr 10 Minuten; sie wurde um 9b 40min N, 
beobachtet. Das Schiff befand sich um 10rb 0min 3,5 Sm querab vom »Ter- 
schelling«-F-Sch. Der Wind war N bis NW, Stärke 5 bis 6; Luftdruck 761.8 mm, 
Temperatur der Luft + 2.0° C,, Temperatur des Wassers 4,5° €. Meg.
	        
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