Wedemeyer, A.: Die Anwendung von Sterndistanzen in der nautischen. Astronomie, 423
Durch Anbringung -eines verjüngten Maßstabes an die Skala lassen
sich die Fehlerquellen auf ein Minimum reduzieren, Der Sinus schreitet
innerhalb eines Grades linear fort, also auch innerhalb eines halben Grades,
welches Intervall der’ Skala zugrunde liegt, Stellt man aus Millimeterpapier
den verjüngten Maßstab 3 cm breit her und zieht von jedem Teilstrich der
Skala nach dem dem halben Intervall entsprechenden Punkte der Außenkante
des verjüngten Maßstabes gerade Linien, so hat man jetzt eine deutliche nach
Minuten geteilte Skala :und kann mit dem Zirkel die entsprechenden Strecken
scharf auf der Linie OBC auftragen. Noch besser ist es, den verjüngten
Maßstab aus durchsichtigem Material herzustellen und zwar in 6 cm Breite,
Bringt man dann die Gradteilung in der Mitte an und führt die angegebene
Konstruktion nach beiden Seiten aus, so wird man die erforderliche Ablesung
auf der Gradteilung sofort genau machen können. Man hat nur darauf acht
zu geben, daß der Nullpunkt des verjüngten Maßstabes stets mit dem Punkte O0
zusammenfällt. .
Auf den Kriegsschiffen ist stets ein Doppeltransporteur vorhanden, der
halbe Bogenminuten abzulesen gestattet. Den Stundenwinkel kann man daher
so genau einstellen, als irgend notwendig ist,
Bringt man auf einem der beweglichen Schenkel des Transporteurs die
Skala mit dem verjüngten Maßstab an, so kann man jede beliebige Seekarte
(Mercator-Projektion) zur Konstruktion verwenden. In die Karte sind Breiten-
parallele und Meridiane eingezeichnet, die die Konstruktion wesentlich er-
leichtern. Das ganze Verfahren besteht lediglich darin, die Breite und Länge
zweier Punkte in der Karte zu ermitteln, eine jedem Seemann geläufige Arbeit.
Man lege die Schneide des Nullschenkels des Doppeltransporteurs an
den unteren Grenzstrich der Karte so an, daß dessen Zentrum genau über
dem Durchschnittspunkte dieses Grenzstriches mit dem linken Grenzstriche
liegt, und achte darauf, daß sie’in dieser Lage unverrückt liegen bleibt, Dann
stellt man den beweglichen Schenkel auf den Winkel < ein und markiert in
der“ Karte die der Skala entsprechenden Punkte #— ö und #+0. Mit dem
Zirkel greift man die Breite des Punktes +6 ab und überträgt sie auf den
Meridian, der durch den Punkt #-— 6 hindurchgeht. Nun dreht man den be-
weglichen Schenkel bis zu dem gefundenen Punkte, liest an der Skala
die Zenitdistanz ab und an der Kreisteilung einen Winkel @& = 0
Dann dreht man den beweglichen Schenkel auf - zurück!) und markiert die
cos L.— und sin 2L 0 entsprechenden Punkte in der Karte. Nun greift man
die dem neuen Punkt @ — ö entsprechende Breite ab und überträgt sie auf
den Meridian des Punktes #-+0. Endlich dreht man den beweglichen
Schenkel auf den gefundenen Punkt, liest nochmals an der Skala die Zenit-
distanz (d. h. vom äußeren Ende der Skala aus. gerechnet) ab und an der
Kreisteilung einen Winkel 6 — 90 —mATE Zur Kontrolle dreht man den
Doppeltransporteur um und liest die Winkel ab, die die Meridiane der ge-
fundenen Punkte mit den Verbindungslinien dieser Punkte mit dem Eckpunkte
der Karte (der vorher als Zentrum benutzt wurde) bilden, etwa @' und ff,
d. i. die Komplemente von &« und ß, also die Winkel SB und Ace Azimut
und parallaktischer Winkel ergeben sich dann durch Addition und Subtraktion
von @' und ff’. Die zweite Bestimmung der Zenitdistanz wird in vielen Fällen
nicht mit der nötigen Schärfe vorgenommen werden können, Die ganze
Operation nimmt bei einiger Übung kaum 2 Minuten in Anspruch und würde
immerhin eine unabhängige Kontrolle der logarithmischen Rechnung sein,
) Beide Operationen lassen sich bequem vereinigen.