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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Wolkenhauer, A.: .Der Schiffskompaß im 16. Jahrhundert ete.. 
ist um so wertvoller, als die Nachrichten über den Schiffskompaß aus der Zeit 
vor 1550 nur äußerst spärlich sind. 2 
Daß man auch bereits zur Zeit des Kolumbus die. Nadel unter 
der Kompaßscheibe befestigte, und man die Nadel bei gewöhnlicher Be- 
trachtung von oben nicht sehen konnte, wird ‘ wahrscheinlich durch eine 
Erzählung, welche sich in der: »Vida de Colon«1) befindet. Hier heißt es 
(Cap. : IV,): daß Kolumbus 1478 auf der Fahrt nach Tunis seine revol- 
tierende. Mannschaft »mutando la punta del bussolo« zur‘ Weiterfahrt ge- 
bracht habe. Die Mannschaft wollte umkehren. Da soll Kolumbus die List 
gebraucht haben, abends der Rose über der Nadel die entgegengesetzte Rich- 
tung zu ‚geben. Hieraus scheint hervorzugehen, daß die Nadel unter der 
Scheibe befestigt war und eine Umkehrung der Nadel nicht leicht. zu be- 
merken war... Es sei noch eine gelegentliche Bemerkung Pigafettas, des 
Steuermanns von Magellan, angeführt, die sich in der Steuermannskunst findet, 
die Pigafetta. bald nach der Reise. geschrieben .hat.?) ‘Gelegentlich der 
Erklärung der Längenbestimmung mittels der Abweichung (einem Lieblings- 
gedanken der Seeleute. des 16. Jahrhunderts) sagt Pigafetta::»tirez. du pole 
antarctique de l’aimant un autre fil qui, passant par le centre, vienne jusqu’ä 
la fleur de Ilys, qui marque le nord.« Der. Nordpunkt war auf der Scheibe 
durch die Lilie kenntlich gemacht. Da die Nadel selbst unter der Scheibe 
war, wird von der Fleur de lys gesprochen. ; 
Es ist notwendig, auf diese ganz gelegentlichen Bemerkungen Rücksicht 
zu nehmen, da leider Originalschiffskompasse aus der Zeit um 1500 bis jetzt, 
soviel ich weiß, gar nicht bekannt geworden sind. E. Mayer hat 1878 in 
den »Mitteilungen. aus dem Gebiete des Seewesens« (Bd. 7, S. 331 ff.) einige 
Nachrichten über alte Schiffskompasse gegeben. Mayers’ Ansichten über 
den Schiffskompaß in der ersten Hälfte des 16, Jahrhunderts sind jedoch mit 
der Corte&sschen Kompaßbeschreibung absolut nicht in Einklang zu bringen 
und entbehren, wie mir scheint, einer sicheren historischen Unterlage, Mayer 
schreibt: »Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß dieselben (Steuerkompasse) 
unseren jetzigen Schiffskompassen irgendwie ähnlich waren. Eine meistens 
nur 2° bis 3 cm lange Nadel spielte auf einer Spitze in einem 
Hachen Gehäuse, mit welchem. jedoch stets noch eine Sonnenuhr. verbunden 
war. Die Wind- oder Kompaßrose wurde in der Entdeckungszeit nie auf der 
Nadel . befestigt, sondern entweder am Boden des Gehäuses oder ringförmig 
um die Nadel angeordnet.« Die Beschreibung paßt wohl für die Landkom- 
passe, welche in jener Zeit fast immer die Gestalt von kleinen, nur wenige 
Zentimeter großen Sonnenuhren hatten und daher vulgär auch »Sonnen- 
kompasse« genannt wurden, aber nicht für die Schiffskompasse. Inwieweit 
damals auch auf den Schiffen Sonnenkompasse in Gebrauch waren, darüber 
fehlen bis jetzt bestimmte Nachrichten. Eine monographische Bearbeitung 
des Schiffskompasses im 16. Jahrhundert auf Grund des in den Museen wohl 
noch zu findenden, weitzerstreuten Originalmaterials wäre jedenfalls eine 
dankenswerte Aufgabe. 
Nach. diesen kurzen Erörterungen über die Form des Schiffskompasses 
wenden wir uns wieder der Frage der Nadelverschiebung zu. Von dem bis- 
her Mitgeteilten kann man sagen, daß es sich nur um sporadische Nachrichten 
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N Die ursprünglich spanisch geschriebene Vida de Colon, welche angeblich von dem Sohne 
des Kolumbus geschrieben ist, ist nur in einer italienischen Übersetzung von Alfonso UNoa, Venedig 
1571 erbalten. Es existiert u, a, ein Nachruck: Vita di Cristoforo Colombo ... Londra 15867. 
7) Premier Voyage Autour du Monde. Par Le Chev. Pigafetta. Paris L’An IX. Publie 
pour la premiere fois, en italien ... par Charles Amoretti. Et traduit en Francois Par le me6me. 
S. 279. — Zum erstenmal veröffentlicht wurde die Schiffahrtskunde in der italienischen Ausgabe: 
Primo viaggio intorno al terraqueo ... Antonio Pigafetta. Ora publicato per la prima volta ,.. 
da Carlo Amoretti. Con un transunto del Trattado di navigazione dello stesso autore. Milano 1880. 
— Hiervon existiert eine deutsche Übersetzung durch Jacobs und Kries. Gotha 1801; eine englische 
Übersetzung findet sich in Hakluyt Society Nr. 52. London 1874, S. 33—174. 
Ann. d. Hrdr. ete.. 1903, Heft T.
	        
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