116 ‚Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1905.
nur den einen, den halbkreisigen, Bestandteil der Ablenkung zu kompensieren
imstande sei, während sie den andern, den viertelkreisigen, verdoppelt. Außer-
dem dürfte bei der Platte, da sie bei einigermaßen großen Deviationen der
Rose zur Erzielung der nötigen Wirkung unter Umständen recht nahe gebracht
werden mußte, die Gefahr der Nadelinduktion viel größer gewesen sein, als
bei Stangen. Auch eine ungünstige Einwirkung auf den Krängungsfehler ist
bei der Platte als naheliegend anzunehmen.!)
Barlows Arbeiten auf dem Gebiete des Schiffsmagnetismus haben dieses
beherrscht bis zu den Experimentaluntersuchungen Airys an den ersten
eisernen Seeschiffen »Rainbow« und »Ironsides«; aber auch darüber hinaus
sind sie noch lange Zeit wirksam geblieben. In einem gewissen Gegensatz zu
den für Eisenschiffe bestimmten Airyschen Kompensationsmagneten wurde
die Barlowsche Platte bis in die fünfziger Jahre hinein als das für hölzerne
Schiffe zweckdienliche Mittel zur Aufhebung der Deviation betrachtet. Die
von Barlow angewandte, vom Speziellen zum Allgemeinen fortschreitende
Untersuchungsmethode ist in der Weiterentwicklung ersetzt worden durch
den allgemeinen Ansatz, den Poisson im Jahre 1838 für das Problem aufstellte.
Daß aber Barlows Arbeiten nicht vergeblich gewesen sind, bekundet
Airy in dem Bericht über seine Untersuchungen, indem er sagt: Barlow ver-
danken wir fast alle experimentelle Kenntnis, die wir über die von Eisen-
massen ausgehenden magnetischen Störungen besitzen. Der Gebrauch seiner
Platte als Kompensationsmittel wurde von ihm eingestandenermaßen als unvoll-
kommen vorgeschlagen. Ohne den von Barlow vorgeschlagenen Apparat
würde ich niemals zu dem oben beschriebenen vollkommeneren (Kompensations-)
Apparat gekommen sein; nach ihm war die Erfindung von etwas Voll-
kommenerem leicht.
Die Anwendung von Sterndistanzen in der nautischen Astronomie.
Von A. Wedemeyer. ISchluß.)
IV. Graphische Auflösung des nautisch - astronomischen Grund-
dreiecks. Obgleich die oben entwickelten Methoden an Kürze der Rechnung
kaum etwas zu wünschen lassen, so kann doch in manchen Fällen die
graphische Lösung schneller zum Ziele führen, ohne an Genauigkeit der
vierstelligen Rechnung nachzustehen.”) Die am meisten in der Schiffahrt
vorkommenden Aufgaben sind die Ermittlung des Stundenwinkels aus g, 6
und z oder die Ermittlung von z aus @, 0, t. Mit besonderer Rücksicht auf
diese beiden Aufgaben sollen im folgenden zwei graphische Methoden ent-
wickelt werden. Als Bedingung soll festgesetzt werden, daß zur Zeichnung
nur Zirkel und Lineal in Anwendung kommen sollen, Kurven müssen aus-
geschlossen werden, da die Zeichnung derselben schwierig ist und Kenntnisse
voraussetzt, die nicht jedem Seemann geläufig sind. Auch sollen zur Ent-
wicklung der Methoden nur die einfachsten Sätze aus der Goniometrie benutzt
werden.
Bekanntlich stellt man ein Produkt (oder einen Quotienten) aus einer
Zahl und dem Sinus, Cosinus oder Tangens eines Winkels graphisch mittels
eines rechtwinkligen Dreiecks dar, während man die Addition (oder Sub-
traktion) zweier Zahlen durch einfaches Antragen an (oder Abtragen auf) der
die erste Zahl darstellenden Linie bewerkstelligt, Will man eine Gleichung
von der Form w?=— x? +4 v? so darstellen. daß man sofort z erhält, so bedient
bekannten Memoire, Auch in diesem erörtert er die Theorie der Barlowschen Platte. Er läßt die
Frage offen, ob man der Platte immer eine solche Stellung geben könne, daß sie beide Bestandteile
kompensiere, und meint, diese Frage könne nur durch die Erfahrung entschieden werden (Memoires de
Institut T, XVII, S. 5470).
7) Vgl. Naut. Mag. 1837, S. 837. ,
2) Neuere Arbeiten auf diesem Gebiete finden sich: Annali idrografiei, Cienova 1901,
3, 99. Annales hydrographiques, Paris 1901, &. 60 und 1905, S, 170. Morskoi Sbornik, Peters-
burg 1903, &. 89, Rivista Marittima, Roma 1904 und ebenda 1905,