114
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1905.
Das Geschütz wurde sodann mitsamt seiner Lafette gedreht, und es wurden
die Ablenkungen auf den 32 Kompaßstrichen ermittelt. Diese Beobachtungen
wurden bei verschiedenen Elevationswinkeln des Rohres wiederholt. An den
erhaltenen Beobachtungswerten zeigt Barlow, daß man sich die magnetischen
Kräfte ausgehend denken kann von einer im »Anziehungsmittelpunkte«
befindlichen Kugel, deren »Ebene ohne Anziehung« senkrecht zur Inklinations-
richtung steht, Er schließt dann weiter, daß diese Ersetzung einer beliebigen
Eisenanordnung durch eine an geeigneter Stelle befindliche Kugel auch auf
die Eisenmassen des Schiffes anwendbar sei, vorausgesetzt, daß die Eisenmassen
und der Kompaß sich zusammen drehen, so daß sie ihre gegenseitige Lage
stets unverändert beibehalten.!)
In der zweiten Auflage?) seines Buches hat Barlow eine theoretische
Untersuchung über die an der Kugel beobachteten Erscheinungen hinzu-
gefügt.?) Er findet, wenn wir mit d die Entfernung des Kompasses vom
Kugelmittelpunkt, mit r den Kugelhalbmesser, mit T die Gesamtkraft des
Erdmagnetismus bezeichnen und im übrigen die Bezeichnungen der obigen
Figur anwenden, für die Horizontalnadel
sin2g-sin2
ang d =— Has = 5A
33 COS J + (3 sin? g — 1) cos J — 5 sin 2 g-sinJ- cos 2
Hierin ist C-r? gleichbedeutend mit dem magnetischen Moment (M)
der Kugel, das wir proportional T setzen dürfen, Ist M= e-T und wird
d?: = k gesetzt, so erhält man durch eine kleine Umformung
__ singp-cosg-sin 2 N
1 (k — 1) cos J + sin g (sin gp + cos J — cos g + sin J + cos 4)
Oder,
a
sin 2-cos pp = sina«-sinz
sing = sin J + cos z — cos J- sin Z + cos &
sin g cos J — cos g -sinJ-cos 2 = sinz-cos a
sin. J- sin z-« cos z-sin a — cos.J -sin®z-sin @-cos a
‚Ang EL HE
Ci (k— 1) .cosJ + sin J-sinz-cosz «cos a — cos J-sin?z-. cos? «
sin2z-tang J-sina— sin? z.sin2«
BO a DT ;
(k— 1) — sin? z-Esin2z-tangJ-+cosa-— sin®z.cos2«a
a
Setzt man hierin
sin2z — sin? z
—-—.tangJ = BB, z3— -
7 'K- 1) —sin?z 3 (k— 7) — sin?z
und schreibt statt des »Azimutes« @ in üblicher Bezeichnung als magnetischen
Kurs E&, so erhält man
tang ö = ; _SB-sinf + De sin35 -z
1+M.cosE + D-cos25
Die Wirkung des flüchtigen Magnetismus kann also in der Tat als von
einer Kugel ausgehend angesehen werden; auch der Fall, daß nur vertikales
Eisen vorhanden ist, läßt sich als Grenzfall des allgemeinen auffassen.
Noch viel einfacher würde sich die heute übliche, für die Praxis wert-
volle Näherungsformel aus dem Barlowschen Ansatze haben ableiten und
1) Der experimentelle Nachweis dieses Satzes an der Kanone ist insofern nicht ganz einwand-
frei, als durch die verschiedenen Elevationen des Rohres Änderungen in der relativen Lage der
Fisenmassen bedingt waren.
?) London 1523.
3) Die Entwickelungen erfolgten in Anlehnung an zwei Abhandlungen von Ch. Bonny-
castle, Phil. Mag. Vol. 35, 56. On the distribution of the magnetic fluids in masses of iron; and
on the deviations, which ther produce in compasses placed within their influence.