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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Meldau, H.: Die Anfänge der Theorie des Schiffsinagnetismus. 413 
laufende Ablenkungen, leider entstellt durch die Verwechselung eines Kosinus 
mit einem Sinus. Der versuchte Beweis ist als verfehlt anzusehen, die Ersetzung 
des Schiffseisens durch eine Kugel ist — bei symmetrischer Anordnung — 
tatsächlich erlaubt, was aus der unten angegebenen Transformation des 
Barlowschen Wertes für tang ö erhellt, . 
Auch bei dieser ersten theoretischen Untersuchung über den Schiffs- 
magnetismus tritt hervor, daß neue Erkenntnisse zuerst nicht auf dem ein- 
fachsten, sondern auf Umwegen erreicht werden: die einfach zu behandelnden 
Fälle der horizontalen und der vertikalen eisernen Stange erwähnt der Ver- 
fasser, daß er bei seinen Untersuchungen trotzdem von dem komplizierteren 
Falle der Kugel ausgeht, ist vielleicht durch die Barlowschen Experimental- 
untersuchungen, auf die mehrmals hingewiesen wird, veranlaßt worden. 
Der Anfang dieser Untersuchungen fiel, wie bereits oben erwähnt, in 
das Jahr 1819.) Wenn die Bekanntschaft mit der Tatsache der erdmagnetischen 
Induktion auch bis in die Zeit von Gilbert zurückreicht, so sind doch die 
Barlowschen Versuche für die Feststellung der Gesetze, nach denen diese 
Induktion erfolgt, von großer Bedeutung gewesen.) 
Als hauptsächlichstes Objekt für seine Beobachtungen wählte Barlow 
den einfachsten geometrischen Körper, die Kugel. Ein Kompaß wurde 
horizontal im Kreise um eine Eisenkugel herumgeführt, und zwar in ver- 
schiedener Höhenlage so, daß der Abstand vom Kugelmittelpunkte immer 
derselbe war. 
Es ergab sich zunächst: Die Ablenkung verschwindet in zwei 
Ebenen, der Ebene des magnetischen Meridians und im »magnetischen 
Äquator«, d. h. in dem größten Kreise der Kugel, dessen Ebene senk- 
recht zur Inklinationsrichtung steht. 
Um den Mittelpunkt M (s. Fig. 1) der 
eisernen Kugel werde eine konzentrische 
Kugel beschrieben mit der Entfernung des 
Kompasses K als Halbmesser, der Winkel- 
abstand des Kompasses vom Aquator werde 
als »Breite« mit g, die vom Meridian gezählte 
‚»Länge« mit 2 bezeichnet. Dann ergab sich 
weiter aus nacheinander angestellten Beob- 
achtungen: Die Tangente der Ablenkung 
ist direkt proportional dem Sinus der 
doppelten Breite, dem Sinus der Länge, 
umgekehrt proportional der dritten 
Potenz der Entfernung und pro- 
portionalder dritten Potenz des Durch- 
messers der Kugel. Mit der letzten Fest- 
stellung glauhte Barlow zunächst, die Proportionalität der Wirkung mit der 
Masse des anziehenden Körpers gefunden zu haben. Er, wie seine Zeit- 
genossen, waren außerordentlich überrascht, als sich ergab, daß eine eiserne 
Hohlkugel dieselbe Wirkung hervorbrachte wie eine Vollkugel. Man war 
infolge dieser. Entdeckung geneigt, in völliger Analogie mit den entsprechenden 
Erscheinungen der statischen Elektrizität, den Sitz der magnetischen Kraft 
ganz in die Oberfläche zu verlegen. Allerdings machte Barlow bald die Er- 
fahrung, daß »eine gewisse Dicke des Metalles zur Entwickelung dieser Kraft 
erforderlich ist.« 
Die an Kugeln beobachteten Erscheinungen suchte Barlow nun als für 
beliebige Eisenanordnungen gültig zu erweisen. Als nächstes Versuchsobjekt 
benutzte er einen Vierundzwanzigpfünder. In die Mündung des Geschützes 
wurde ein hölzerner Balken geschoben und auf diesem der Kompaß befestigt. 
1 
») P. Barlow, An Essay on Magnetic Attractions, London 1820. Der folgenden Dar- 
stellung liegt die zweite Auflage des Werkes (London, 1823) zugrunde. 
2) Über die Originalität der Barlowschen Untersuchungen s. Edinb. Phil. Mag. V., 1821 
Seite 262.
	        
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