A412 Annalen der Hydrographie und Maritiinen Meteorologie, September 1905.
den magnetischen Pol erhalte. Der Zuwachs, der in den Beobachtungen
hervortrat, war jedoch nur ein relativer, da er im Vergleich mit der richtenden
Kraft des Magnetismus zu setzen ist. Eine Verringerung der letzteren würde
deshalb die gleiche Wirkung hervorbringen, wie eine absolute Vermehrung
der ersteren, und daß eine solche Verringerung stattfindet, und zwar in hin-
reichendem Maße, um alle beobachteten Erscheinungen zu erklären, muß jedem
klar sein....« »Dies ist zweifellos die Hauptursache des von Flinders
entdeckten Zusammenhanges zwischen Ablenkung und Inklination.«
Die an Bord der »Isabella« gemachten Beobachtungen veranlaßten den
Professor an der Militärakademie zu Woolwich, Peter Barlow,!) zu aus-
gedehnten experimentellen Untersuchungen, über die gleich zu berichten sein
wird, anderseits gaben sie die Anregung zu der ersten wissenschaftlichen
theoretischen Untersuchung über die Ablenkung des Kompasses an
Bord der Eisenschiffe.”) Der Verfasser dieser 1820 anonym erschienenen Ab-
handlung*®) ist der Arzt und berühmte Physiker Thomas Young.
In ihrem Anfange beschäftigt sich die Arbeit mit den erdmagnetischen
Elementen, Der Magnetismus der Erde wird als von einem Zentralmagneten
ausgehend betrachtet, und zwar ist der Zweck dieser vereinfachenden Annahme,
die Horizontalkraft als Funktion der Inklination darzustellen. Man
sieht an diesen Bemühungen recht deutlich, wie sehr es in jener Zeit auch
für die angewandte Wissenschaft an den Resultaten der später von Gauß ins
Leben gerufenen Erforschung der erdmagnetischen Kraft nach ihrer Richtung
und Größe mangelte, Es wird dann mit Hilfe des Kräfteparallelogrammes
die durch festen Schiffsmagnetismus hervorgerufene Ablenkung unter-
sucht. Sie wird als umgekehrt proportional der Horizontalkraft erkannt und
dementsprechend als Funktion der Inklination ausgedrückt. Zur Erleichterung
der Rechnung wird eine Tafel angegeben. Die Prüfung der abgeleiteten
Formel an den auf der »Isabella« gemachten Beobachtungen gibt ein
befriedigendes Resultat, so daß es scheint, daß fester Schiffsmagnetismus
als Ursache der Ablenkung angesehen werden kann.
in dem Versuche, die an Bord beobachteten Ablenkungen durch festen
Schiffsmagnetismus erklären zu wollen, steht diese Abhandlung einzig in
ihrer Zeit da. Alle Untersuchungen Barlows setzen voraus, daß das Schiffs-
eisen nur flüchtigen Magnetismus durch die momentane erdmagnetische
Induktion annimmt, und noch 1838 schreibt Poisson*) (in bezug auf hölzerne
Schiffe) »glücklicherweise scheint das Schiffseisen keine nennenswerte Koerzitiv-
kraft zu besitzene«.
Der Verfasser wendet sich dann der Untersuchung der Wirkung eines
etwaigen flüchtigen Magnetismus zu, Er fragt sich, welche Ablenkung
würde man erhalten für den Fall, daß es erlaubt wäre, sich das Schiffseisen
in einer Kugel vereinigt zu denken. Für eine spezielle Annahme über die
Lage dieser Kugel findet er den Satz: die Ablenkung auf O-und W-Kurs
ist proportional der Tangente der Inklination.
Die Anwendung auf den Fall der »Isabella« ergibt, daß auch die hier
gemachten Annahmen eine befriedigende Erklärung der beobachteten Ab-
lenkungen erlauben.°)
Young sucht dann nachzuweisen, daß es jedenfalls nicht in allen Fällen
erlaubt sei, die Wirkungen des induzierten Schiffsmagnetismus als von einer
Kugel ausgehend anzusehen. Hier findet sich — am Beispiel der querschiffs
gestellten Geschütze — der erste Hinweis auf anderartig (viertelkreisig) ver-
4) In der Experimentalphysik ist der Name Barlows besonders durch das Barlowsche
Rad erhalten geblieben.
2) Ein interessanter vorläufiger Bericht über die in dieser Zeit beginnenden Untersuchungen
findet sich: Edinburgh Phil. Journal I, 1819, 8. 344.
3) Computations for clearing the compass of the regular effect of a ships permanent
attraction. Quart, Journal of Science. London 1520, &. 372.
1) Memoire sur les deviations de la boussole, M&moires de l’Institut de France, Tome XVTI.
5) Vom heutigen Standpunkte aus betrachtet, ist es nicht überraschend, daß sich die
Frage, ob fester oder induzierter Magnetismus die Ursache der Ablenkungen sei, nicht auf Grund
der allein in England und auf hoher N-Breite gemachten Erfahrungen wollte entscheiden lassen.