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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Meldau, H.: Die Anfänge der Theorie des Schiffsmagnetismus. 411 
in der Entwickelung der Deviationslehre auf: man versucht, die beob- 
achteten Erscheinungen auf ihre magnetischen Ursachen zurück- 
zuführen. Damit vertieft sich die Kenntnis von der Ablenkung des Schiffs- 
kompasses zu einer Theorie des Schiffsmagnetismus. Im folgenden soll 
eine Darstellung der ersten in dieser Richtung unternommenen Versuche 
gegeben werden, 
Flinders’ Untersuchungsmethode war rein experimentell und empirisch 
gewesen, sehr mit Recht, handelte es sich doch darum, zunächst eine Grund- 
lage für das zu errichtende Gebäude zu schaffen!!) Er hatte bemerkt, daß 
sich die beobachteten Ablenkungen aus ihrem Maximalwerte durch Multi- 
plikation mit dem Sinus des Kurswinkels berechnen ließen, Er hatte ferner 
die Abhängigkeit der Ablenkungen von der magnetischen Breite festzustellen 
gesucht: die in verschiedenen Breiten beobachteten Ablenkungen schienen 
gleichmäßig mit der Inklination zu- und abzunehmen, also proportional diesem 
Winkel gesetzt werden zu dürfen.”) 
£Es fragte sich, ob diese von Flinders aufgestellten »Regeln«, wie man 
sie nannte, auch über den Bereich seines Beobachtungsmaterials hinaus ihre 
Gültigkeit erweisen würden, Mit der zweiten Regel war das nicht der Fall, 
und an diesen Zwiespalt gerade knüpft die Weiterentwickelung an. 
Abweichungen von der zweiten Regel mußten am leichtesten auf hohen 
magnetischen Breiten in die Augen fallen, So macht schon der um die 
Weiterentwickelung der Deviationstheorie hochverdiente W. Scoresby nach 
seinen 1815 bis 1817 als Kapitän des Walfischfängers »Esk« bei Grönland und 
Spitzbergen gemachten Erfahrungen die Bemerkung :?) Die zweite Flinderssche 
Regel kann nur innerhalb gewisser Grenzen korrekt sein, da auf dem magnetischen 
Pole, wo die »Anomalie« wahrscheinlich gleich der Inklination sein würde, der 
Multiplikator zu 1 anwachsen müßte. Ist hier im Ausdruck auch noch eine gewisse 
Unklarheit zu bemerken, so ist doch das Wesen der Sache richtig erkannt. 
Sehr viel bestimmter spricht sich Ed, Sabine, der die Expedition des zur 
Aufsuchung der Nordwest-Durchfahrt unter John Roß und E, Parry aus- 
gesandten Schiffe »Isabella« und »Alexander« begleitete, über die Abweichungen 
von der zweiten Flindersschen Regel und über die Gründe dieser Abweichungen 
aus. Er sagt:*) »Flinders beobachtete, daß der Einfluß der örtlichen An- 
ziehung mit der Inklination wuchs, Er schrieb dieses dem Umstande zu, daß 
alles Eisen einen absoluten Zuwachs an Anziehungskraft bei Annäherung an 
‘) Von Flinders kommen besonders die Schriften in Betracht: Phil. Trans. Roy. Soc. 
1805, Concerning the differences in the magnetic needle on Board the »Investigator« und: 
Voyage to terra australis. London 1814, Vol. II. Während er sich in der ersten über die Ursache 
der Ablenkungen nicht ausspricht, schreibt er diese in der zweiten der Wirkung der oberen Enden 
der vertikalen Eisenmassen zu. Er hat aber noch die Vorstellung, daß das Eisen nur durch 
‚ängeres Verharren in_aufrechter Lage magnetische Polarität annehme, wie er denn auch die 
Ansicht ausspricht, am Äquator wäre z. T. deshalb keine Ablenkung vorhanden, weil »die Dreh- 
bewegung des Schiffes nicht erlaubt, daß irgend ein Eisenstück ‚lange genug in nord-südlicher 
Richtung liegt, um Magnetismus aufzunehmen oder zurückzuhalten.« Am Schlusse macht dann 
Flinders seinen Vorschlag, durch hinter dem Kompaß errichtete Eisenstangen die Ablenkung für 
alle Breiten aufzuheben. Dieser Vorschlag ist ganz unbeachtet geblieben, was um so merkwürdiger 
ist, als die Flindersschen »Regeln« über die Abhängigkeit der Ablenkung vom Kurs und magnetischer 
Breite in der Folgezeit in-allen bezüglichen Schriften erwähnt und erörtert werden. 
2) Von Interesse ist das drei Jahre nach Flinders’ Tode erschienene Buch: W. Bain 
‘master of the Royal Navy} An essay on the variation of the compass, Edinburgh 1817. Auf den 
arsten 51 Seiten wird gehandelt von den erdmagnetischen Elementen, und zwar wird eine große 
Menge zerstreuter Angaben über die Deklination und Inklination zusammengetragen und die Ver- 
änderlichkeit dieser Elemente mit der Zeit an Beispielen dargetan. Es folgen dann die Flindersschen 
Untersuchungen und die daraus abgeleiteten »Regeln«. Die Gültigkeit dieser Regeln gibt dem 
Verfasser zu ernsten Bedenken Anlaß, weil ‚es ihm unwahrscheinlich ist, daß die Ablenkung nur 
abhängen soll von »der Kraft, die die Inklination hervorbringt und nicht von der Kraft, die die 
Deklination veranlaßt«. Das Buch hat jedenfalls das Verdienst gehabt, in beredter Sprache für die 
Bedeutung des in ihm behandelten Gegenstandes eingetreten zu sein, 
3) Phil. Trans. Roy. Soe, 1819; S, 96. W. Scoresby, On the anomaly in the variation of 
the magnetic needle as observed on ship-board. 
4) Phil. Trans. Roy. Soc. 1819, 8. 112. Edward Sabine, On irregularities observed in 
the direction. of the compass needles of H. M. 8. »Isabella« and »Alexander«, in their late voyagc 
of discovery, and caused by the attraction of the iron contained in the ship.
	        
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