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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1905.

des Abweichungswinkels ergibt, beziehen sich die Angaben Medinas ohne
Zweifel auf spanische Schiffer. — Ebenso wie Medina opponiert auch Martin
Cort6s gegen den Usus, die Nadeln unter der Kompaßscheibe zu verschieben.
Cortes gab 1551 in Sevilla eine Steuermannskunst »Breve compendio de la
sphera y de la arte de navegar« heraus, die besonders bei den englischen
Seeleuten sehr große Verbreitung gefunden hat. Cortes sagt (Kap. V): »...
sie sollen sich nicht sorgen, die Nadeln zu verbessern, indem sie die Eisenoder
 Stahlnadeln an der einen oder anderen Seite der Lilie befestigen; denn
daraus entstehen viele Unzuträglichkeiten. ...« Auch aus Cortes Worten geht
Jleutlich hervor, daß der Usus der Nadelverschiebung schon längere Zeit
bestand. Bezüglich der Einsicht in das Wesen der Deklination war allerdings
Cort6s Medina weit voraus, Ganz ähnlich wie Merkator, an dem er möglicherweise
‘nach Breusing)!) ein Plagiat begangen hat, sagt er, daß die Nadeln zu einem
vom Erdpol etwas entfernten Magnetpol zeigen.
Für die Frage der Verschiebung der Nadel am Schiffskompaß ist es
natürlich sehr wichtig zu wissen, wie die Kompasse des 16. Jahrhunderts
konstruiert waren, besonders auch, welcher Art die Befestigung der Nadel an
der Pappscheibe war, Da Cort6s in seiner eben genannten Steuermannskunst,
wie dies auch bereits von Hellmann?) hervorgehoben ist, die erste ausführliche
 Beschreibung des Schiffskompasses gibt, möge hier etwas über die
damalige Gestalt des Schiffskompasses mitgeteilt werden. Kurz skizziert beschreibt
 Cortes die Herstellung des Schiffskompasses folgendermaßen :
Auf ein Papier von der Dicke einer Spielkarte zeichne man einen Kreis,
ungefähr von der Größe einer Hand. Darauf zeichne man mit Farben die
32 Winde ein, Der Norden ist mit der Lilie und der Osten mit einem Kreuz
zu bezeichnen. Dann ziehe man genau unter der Nordsüdlinie auf der Rückseite
 des Papiers eine gerade Linie, auf der die Nadel zu befestigen ist. Als
Nadel nehme man einen eisernen oder stählernen Draht. Den Eisendraht
nehme man doppelt und mache ihn um ein Viertel länger als den Durchmesser
 der Scheibe, Die Drähte ziehe man in der Mitte auseinander, so daß
die Nadel eine ovale Figur bildet und die Enden der Nadel genau ınit den
Enden des Durchmessers der Scheibe übereinstimmen.?) Mittels Kleister soll
liese ovalförmige Nadel durch ein darüber geklebtes dünnes Papier an der
Unterseite der Kompaßscheibe befestigt werden. Die Enden der Nadeln sollen
Jabei genau auf die Nordsüdlinie fallen. Um die Nadeln leichter durch
Reiben neu magnetisieren zu können, empfiehlt Cortes, die Spitzen der Nadeln
nicht mit Papier zu bedecken. Dann beschreibt Cortes, wie man durch Reiben
und Hämmern die Nadeln magnetisieren soll. Nachdem so die Scheibe fertiggestellt
 ist, wird sie mittels eines »Köpchen« (Cortes sagt chapitel, was wohl
dem »Hütchen« entspricht) auf den Stift gesetzt. Der Kompaßkasten muß
aus gutem (hecha) Holz bestehen und seine Höhe gleich der halben Länge
des Durchmessers der Nadel sein. Um die Nadeln neu magnetisieren (ceuar=‚füttern«)
 zu können, muß der Boden des Kastens abnehmbar sein. Oben
wird ein Glas darüber gedeckt. »Außerdem hat man diesen Kasten in einen
anderen zu setzen auf 2 Ringen, von denen der eine in den anderen
gehängt ist.« (Cardanische Aufhängung.) Wir können uns nach der Beschreibung
 von Corte&s eine ganz gute Vorstellung davon machen, wie der
Schiffskompaß zu seiner Zeit aussah. Diese erste ausführliche Beschreibung

1) Gerh. Kremer gen. Merkator, 2. Ausg., Duisburg 1878. $S, 18.
2) Hellmann, Rara Magnetica 1898. Einleitung S. 18. Die_ magnetischen Kapitel des
Cortesschen Werkes gibt Hellmann in Faksimile. — Eine deutsche Übersetzung der Kompaßbeschreibung
 und weitere nähere Angaben finden sich in meiner oben genannten Arbeit in Mitt. d.
Geogr. Ges. in München 1904. H. 2,
3) Cortös hat seiner Beschreibung Abbildungen der Scheibe und der Nadel beigefügt. Nach
der Abbildung zu urteilen, würde die Nadel ein beträchtliches Stück unter der Scheibe hervorragen,
 während in der Beschreibung gesagt wird, daß die Enden der Nadel genau mit den des
Durchmessers der Scheibe übereinstimmen sollen. Wohl durch die Abbildung verleitet, habe ich in
meiner Arbeit »Beiträge usw.« in Mitt. der Geogr. Ges, zu München 1904 $S, 219 irrtümlich
yesagt, Cortes empfehle, die Nadel größer zu machen als die Rose.
            
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