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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

102 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1905. 
die Verteilung der Wassertemperaturen über dem kritischen Gebiet in diesem 
Falle für weniger maßgebend erachten muß als die Verteilung der Versetzungs- 
richtungen, zumal sich für die thermischen Verhältnisse in ungezwungener Weise 
lie nötige Erklärung findet. Der Gegenstand fordert aber ein näheres Eingehen, 
und die Frage, die zu beantworten ist, kann folgendermaßen ausgedrückt 
werden: »In welcher Weise findet während des nördlichen Winters der Über- 
yang der nach Süden und Südwesten setzenden Nordäquatorialströmung, welche 
bei dem Kap Verde und nördlich davon unbestritten vorhanden ist, in den 
bei Kap Palmas und schon nördlich davon nachweisbaren südöstlichen und 
östlichen Küstenstrom (Guineastrom) statt?« Krümmel nimmt an, daß 
zwischen beiden Stromgebieten ein schmaler, nach NO gerichteter Strom- 
zweig einzuschieben sei, wobei er sich hauptsächlich auf die auffallenden 
Temperaturverhältnisse der kritischen Gegend stützt, während der Verfasser 
eine ganz allmähliche, nach links (Osten) gehende Ablenkung des bewegten 
Wassers unter Anlehnung an die ostwärts zurückweichende Küste für wahr- 
scheinlicher hält und also einen direkten Übergang von erheblichen Wasser- 
massen des Nordäquatorialstromes in die Richtung des Guineastromes befür- 
wortet, wobei in diesem Falle hauptsächlich die beobachteten Stromversetzungen 
Krimmel. Sehntrt. Selbst und die Windverhältnisse der gesamten Gegend 
für maßgebend erachtet werden. In der nebenstehenden 
kleinen Textfigur sind diese zwei sich entgegenstehenden 
Auffassungen schematisch gekennzeichnet; dabei ist noch 
zu bemerken, daß auf der Karte, welche dem von 
Krümmel bearbeiteten II. Bande des »Handbuches der 
Ozeanographie« beigegeben ist und aus dem Jahre 1886 
stammt, der vorausgesetzte Nordstrom das Gebiet etwa zwischen 6’°—14°N-Br. 
und 18°—15° W-Lg. einnimmt, daß aber auf der ebenfalls von Krümmel ent- 
worfenen Karte der Strömungen im »Atlas für den Atlantischen Ozean«, 2, Aufl. 
vom Jahre 1902 dieser selbe Nordstrom eine immerhin erhebliche Ein- 
schränkung in bezug auf seine geographische Ausbreitung insofern erfahren 
hat, als er nun nur noch für die Zone von etwa 6°—107N-Br. und 16°—14°W-Leg. 
angenommen wird, somit ein sehr kleines und näher zur Küste gerücktes 
Gebilde darstellt. Der Wunsch, die strittige Frage durch eine neue Prüfung 
des auf der Seewarte vorhandenen Archivmaterials nach Tunlichkeit zu ent- 
scheiden, ist um so naheliegender, als die Frage auch im Hinblick auf mehrere 
analoge Situationen besonders im Stillen Ozean bedeutsam ist, Da die in 
Betracht kommenden westafrikanischen Gewässer von Segelschiffen selten, in 
den letzten Jahrzehnten fast gar nicht mehr besucht werden, so wurde die 
Untersuchung lediglich auf die Beobachtungen an Bord von Dampfern ge- 
vyründet, die der Küste nahe genug entlang fahren; ihre Kurse führen, wie 
Tafel 13 zeigt, sogar recht durch das Gebiet hindurch, und zahlreiche wertvolle 
meteorologische Tagebücher besonders von Dampfern der Woermann-Linie, 
der Deutsch-Ostafrika-Linie und der Deutsch-Australischen Dampfschiffahrts- 
Gesellschaft geben Auskunft, obwohl man gern für manche Zeiten noch mehr 
Material zur Verfügung gehabt hätte. Das zahlenmäßige Ergebnis ist in der 
Tabelle auf S. 404 zusammengefaßt und gibt auch die für den nördlichen 
Sommer gültigen Werte, Die Beobachtungen ließen klar erkennen, daß als 
Winterperiode die Zeit von November bis April zu gelten habe, als Sommer- 
periode die durch den SW-Monsun charakterisierten Monate Mai bis Oktober. 
Auf Tafel 13 sind die prozentischen Häufigkeiten der nach den verschiedenen 
Richtungen beobachteten Versetzungen kartographisch dargestellt, ohne Be- 
rücksichtigung der in der Tabelle angegebenen mittleren Versetzungsgrößen, 
die stellenweise den Ausgleich von zufälligen Unregelmäßigkeiten noch ver- 
missen lassen. Als Stromstillen sind hier alle Besteckdifferenzen angesehen, die 
weniger als 6 Sm im Etmal ausmachen; daher kommen die verhältnismäßig 
hohen Prozentzahlen der Stromstillen. Die Arbeit in dieser Richtung war 
schon 1902 abgeschlossen; keiner der Stromsterne der Winterperiode läßt nur 
irgendwie eine vorwiegende Nordostrichtung erkennen, im Gegenteil; gerade 
lie zwei wichtigsten Sterne, welche für 13°—10° N-Br., 17° W-Leg.— Küste und
	        
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