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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Schott, G.: Übersicht der Meeresströmungen und Dampferwege in einer Weltkarte. 401 
achtungen kommen, von einer vorherrschenden Stromrichtung also überhaupt 
kaum die Rede sein kann, soweit nicht bestimmte Bewegungen an einzelnen 
Kaps und dergl. in Frage kommen, daß dagegen der algerische Küstenstrom, 
auf dessen Ost- und Südostrichtung durchschnittlich etwas über 20% aller 
Beobachtungen (bei 50 bis 60%, Stromstillen) entfallen, eine mittlere tägliche 
Vorwärtsbewegung von 16 bis 20 Sm im Winter, ‚von 11 bis 15 Sm im Sommer 
besitzt. An der Küste von Algier erlangen im Sommer die aus O und NO mit 
passatartiger Konstanz wehenden Winde, die Etesien der Alten, ein sehr er- 
hebliches Übergewicht; gleichwohl setzt sich auch im Sommer dieser Küsten- 
strom nach Osten durch, zum Zeichen, daß er mehr als eine bloße Windtrift 
ist, nämlich ein vom Ozean hereinkommender Strom, welcher während des 
ganzen Jahres im Sinne eines Ausgleiches der dem Mittelmeer durch Ver- 
dunstung verloren gehenden Wassermassen tätig ist. Hieraus erklärt sich 
zugleich sein thermischer. Charakter; er muß als relativ kühler Strom dar- 
gestellt werden, was auf der Weltkarte in der zweiten Ausgabe nunmehr auch 
geschieht. Allerdings zeigt sich dieser Charakter nur bei näherer Prüfung; 
die Temperatur dieses Küstenstromes ist während des ganzen Jahres merklich 
niedriger als die Temperatur des Ionischen Meeres oder der noch weiter ost- 
wärts gelegenen. Teile des Mittelmeeres auf gleicher Breite. Im Sommer geht 
das Wärmedefizit im algerischen Küstenstrom so weit, daß sein Wasser noch 
kühler ist als das Wasser nördlich davon, z. B. das Wasser in der Umgebung 
der Balearen und im. Tyrrhenischen Meere! Diese Tatsache wird dadurch zu 
erklären sein, daß die Jahresamplitude der Oberflächentemperatur im 
Atlantischen Ozean westlich von der Gibraltarstraße geringer ist als im Mittel- 
meer, Der algerische Küstenstrom läßt sich während eines großen Teiles des 
Jahres auch in den tunesischen Gewässern bis Malta hin’ nachweisen, östlich 
von Malta jedoch kaum mehr, wenigstens nicht durch Versetzungen oder 
Temperaturen, Es ist vielmehr auf den Dampferwegen Malta-—Port Said und 
Messina—Port Said die Versetzungsrichtung sehr. variabel, und sogar Ver- 
setzungen nach Westen sind vergleichsweise recht häufig zwischen Sizilien 
und Candia. Dies schließt nicht aus, daß die Küstenhandbücher Recht haben, 
welche mehrfach bis zum Nildelta und darüber hinaus einen östlichen Küsten- 
strom beschreiben; er wird ganz dicht unter Land wohl vorhanden sein, 
kommt aber in den Beobachtungen der »großen Fahrt« nicht zum Ausdruck, 
Längs des Seeweges, der‘ von. den Kanarischen Inseln über die Kap 
Verdeschen Inseln zur Ostküste Südamerikas und: bis zur Magellan-Straße 
führt, sind die Strömungen ebenfalls einer neuen Untersuchung unterzogen 
worden, soweit Versetzungen von Dampfern in dem Material der Seewarte vor- 
liegen; diese Untersuchung hat nur hier und da zu geringfügigen Abänderungen 
des Strombildes auf der Weltkarte geführt, z. B. zu einer Verminderung der 
Stromlinien im Kanarischen Strom, zu einer Verstärkung der mittleren Ge- 
schwindigkeit des Falklandstromes, Dagegen muß die Südgrenze des Brasilien- 
stromes nach wie. vor im wesentlichen auf 40°-—42° S-Br., die Westgrenze des 
Agulhasstromes auf 15° O-Lg, bleiben, Es ist gewiß richtig, daß manchmal das 
warme Wasser beider Ströme erheblich weiter nach Süden, bzw. nach Westen 
gelangt, jedoch nicht immer; und im Durchschnitt der Beobachtungen — es sind 
nicht nur deutsche Arbeiten, sondern auch englische Originalarbeiten wieder 
geprüft worden — scheint jenseits der hier angenommenen Grenzen eine den 
Krümmelschen Forderungen entsprechende Richtung des Stromes nicht mehr 
vorherrschend. Man wolle bei Darstellungen, wie sie die Weltkarte bringen 
soll, nicht einseitig einen Faktor, seien es nun die Besteckversetzungen oder 
seien es die thermischen Verhältnisse, zuungunsten eines anderen ebenfalls 
wichtigen Faktors in den Vordergrund rücken, sondern in jedem einzelnen 
Falle das Gewicht der verschiedenen Faktoren gegeneinander abwägen. 
Von diesem Gesichtspunkte aus mußte auch darauf verzichtet werden, 
irgendwelche Änderung in der Stromdarstellung an der westafrikanischen Küste 
zwischen Kap Verde und. Kap Palmas für den Nordwinter eintreten zu lassen, 
obschon gerade hier Krümmel ganz besonders dringlich eine solche Anderung 
gewünscht hat. Die Sache liegt auch hier wieder hauptsächlich so, daß Verfasser
	        
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