Schott, G.: Übersicht der Meeresströmungen und Dampferwege in einer Weltkarte. 399
bedingte Weg »durch das Wasser« schätzungsweise angegeben ist, bedarf
kaum der Erwähnung; — Bei der Auswahl der Wege selbst wurden‘ nach
Möglichkeit die Interessen der jetzt bestehenden wichtigsten deutschen Post-
und Frachtdampferlinien berücksichtigt, doch sind auch sonst noch einige
wichtige Dampferwege, zumal im Stillen Ozean, eingetragen, — Dieser ganze
Teil der Neuarbeit an: der Weltkarte wird der sachkundigen Bemühung des
Herrn Kapt. Reinicke und der sorgsamen Feder des Herrn Zeichner Denys
verdankt, wofür ihnen auch an dieser Stelle Dank ausgesprochen sein möge,
IX. Meeresströmungen. : . ;
Was nun die Verbesserung‘ der Darstellung der Meeresströmungen
betrifft, so sind alle in den letzten 7 Jahren veröffentlichten Untersuchungen
über Oberflächenbewegungen des Meeres verwertet worden, soweit sie zur
Kenntnis des Verfassers gelangten. Auch ältere Arbeiten wurden wieder ge-
prüft, zumal in den Fällen, in welchen die Kritik abweichende Anschauungen
zu der ersten Ausgabe der Karte geäußert hatte; in dieser Hinsicht kommt
eigentlich nur O0. Krümmels Referat (Peterm. Geogr. Mitteil. 1899, Lit.-Ber.
Nr. 292) in Betracht, welches freilich in mehreren wesentlichen Punkten der
Karte nicht ganz gerecht wurde, so daß der Unterzeichnete seinerzeit eine Er-
gänzung hierzu in Peterm. Geogr. Mitteil. 1899, Heft VII, schrieb, Die An-
gaben über Stromstillen sind diesmal erheblich eingeschränkt worden; es
sollen in der Hauptsache nur diejenigen Gegenden als Gegenden der Strom-
stillen oder ganz schwachen unregelmäßigen Versetzungen gekennzeichnet
werden, in welchen die letzteren wenigstens etwa 50%, aller Versetzungen aus-
machen, Übrigens läßt sich eine solche Statistik nur erst für sehr wenige,
speziell untersuchte Meeresgebiete, aufstellen. Bemerkt sei auch, daß die auf
der ersten Ausgabe im Jahre 1898 überhaupt zum ersten Male versuchte Dar-
stellung der Stromstillengebiete durch kleine Kreise inzwischen in der deutschen
Fachliteratur nahezu allgemeinen Eingang gefunden hat.
Neu hinzugefügt sind diesmal die Namen der wichtigsten Oberflächen-
strömungen, jedoch nur diejenigen, welche in wissenschaftlichen oder nautischen
Kreisen mehr oder weniger feststehende Form bereits angenommen haben,
und auch diese nur nach subjektiver Auswahl. Im Einzelnen ist, wenn wir
mit dem Nordatlantischen Ozean beginnen, folgendes zu bemerken,
An der Westküste Spitzbergens zeichnen einige Autoren, z. B. Mohn 1885
in Peterm. Geogr. Mitteil., Ergänzungsheft Nr. 79, Taf. 3 und Krümmel 1887
im Handbuch der Ozeanographie, Bd. II, auf dem Übersichtsblatt, einen kalten,
nach Norden gerichteten Strom ein, an‘ welchen erst weiter westwärts die
bekannte warme, ebenfalls nach Norden gerichtete Trift sich anschließt; soviel
zu ersehen, hat aber keiner der beiden Autoren eine Begründung für diese Kalt-
wasserströmung gegeben, wenigstens nicht in den bezeichneten Schriften.
Mit der Darstellung Mohns könnte man sich vielleicht befreunden; denn nach
Mohn ist die Kaltwasserströmung äußerst schmal, unmittelbar auf die Küsten-
gewässer beschränkt und reicht nur bis etwa 77° N-Br. Nach Krümmel aber
soll. der kalte Strom die immerhin beträchtliche Breite von etwa 20 Sm
besitzen und an der gesamten Spitzbergen-Küste, also bis rund 80° N-Br.,
entlang ziehen. Eine solche Auffassung scheint jedoch mit dem, was man
über die Wärme- und Eisverhältnisse gerade. dieser so begünstigten Westküste
Spitzbergens weiß, nicht wohl vereinbar zu sein. A. Petermann hat in seiner
berühmten Arbeit über den Golfstrom,!) soviel sich feststellen ließ, nirgends
einen Kaltwasserstrom an der Westküste Spitzbergens beschrieben, er sagt
vielmehr über die Verhältnisse an der Westküste wörtlich folgendes: »Gleich
auf der Leeseite Spitzbergens, an der gegen den Polarstrom geschützten West-
küste, taucht der Golfstrom wieder an die Oberfläche mit 4° (R.) und mehr,
während dicht, dabei im Südosten die See weniger als 0° zeigt. So setzt sich
dann der westliche Arm des Golfstromes weiter fort an der ganzen Westseite
Spitzbergens hinauf«, Somit dürfte die in der ersten Ausgabe der Karte vertretene
) Peterm. Geoor. Mitteil. 1870. Heft VI u. VII: vel. bes, S. 226 bis 228.