Wolkenhauer, A.: Der Schiffskompaß im 16. Jahrhundert etc.
31
that half point that the steel‘ in fluetuating varies from the fleur-de-1iys.
It is the belief of men with little experience that there is north-easting
and north-westing when the needle is well greased and adjusted. If any
defect is found in the needle which makes it seem to turn in that way, the
secret is not that, and can be remedied. It is not from supposed cause, but
it. is learned by habitual experience.«
Wie in diesem Falle, muß bei allen Untersuchungen, die sich auf die
Geschichte der Nautik beziehen, immer besonders betont werden, daß noch
ein weiter Weg von den theoretischen Errungenschaften der Gelehrten bis
zur wirklichen Anwendung in der Praxis führt.
Die erste sichere Nachricht über die Verschiebung der Nadel am
Schiffskompaß verdanken wir einem Binnenländer. Sie ist enthalten in einer
»Chorographie«, die Georg Joachim von Lauchen (nach seinem Heimatlande
gewöhnlich Rheticus genannt) schrieb, als er, ein junger Mathematikprofessor,
sich 1539 in Frauenburg von Kopernikus in dessen neue Lehre.einweihen
ließ. Diese Chorographie hatte Rheticus für den Herzog Albrecht von Preußen
verfaßt. Sie ist ursprünglich nicht gedruckt worden und erst 1876 nach der
Originalhandschrift, welche sich in der Königsberger Bibliothek befindet,
veröffentlicht,.!) In der Chorographie.: beschreibt Rheticus folgendermaßen
die Herstellung des Schiffskompasses: »... Deshalb, wenn ich sichere Schiffs-
kompasse machen wollte,. probierte ich zuerst aufs sorgfältigste den
Magneten, mit dem.ich die Nadeln bestreichen wollte. ... Dann machte ich
die Scheibe mit allen Strichen nach dem gewöhnlichen Brauch, und wo der
Ausschlag meines Steins von Norden ab hinfiele, da steche ich die
Scheibe durch, derartig, daß die Spitze mit dem Eisen (die Spitze der
Nadel) darunter, gerade unter das Loch kommt.« Den Grund der Ab-
weichung sieht Rheticus, einer der hervorragendsten Schüler des Kopernikus,
bezeichnenderweise in der Art des Magnetsteins »was er. für einen Strich-
winkel von nord auff ost oder west von natur gebe.« (Hipler l. ce. S. 127.)
Wir wissen, daß Rheticus öfter in Seestädten, z. B. in Danzig, wahrscheinlich
auch in Königsberg, gewesen ist, wo er Gelegenheit hatte, mit Schiffern zu
sprechen, von denen er dann wahrscheinlich seine Kenntnis des Schiffs-
kompasses bezogen hat. Es ergiebt sich aus allem, daß Rheticus nicht die Ver-
schiebung der Nadel zuerst in Vorschlag bringt, sondern daß dieser Usus
bereits bestand.
Die erste Nachricht darüber, daß die Schiffer solche »verbesserten«
Kompasse tatsächlich gebrauchten, verdanken wir dem Spanier Pedro de
Medina, dessen »Arte de navegar« zuerst 1545 in Sevilla erschien, Diese
Steuermannskunst Medinas war durch viele Auflagen und Übersetzungen die
verbreitetste bis in den Anfang des 17. Jahrhunderts hinein. Gerade die An-
gaben Medinas über die Abweichung der Magnetnadel zeigen recht deutlich,
wie hartnäckig man sich dagegen sträubte, die Abweichung als eine tatsäch-
liche, allgemein existierende Eigenschaft der Magnetnadel anzusehen. Medina
leugnet ‚ebenso wie der bereits genannte Sarmiento die Abweichung noch
vollständig. Er führt sogar eine ganze Reihe von Ursachen an, nach deren
Beseitigung die Nadel wieder rechtweisend zeigen würde, Nur nebenbei er-
wähnt Medina die Gewohnheit mancher Seeleute, die Nadel um einen halben
Viertelwind nach Osten zu verschieben (Lib. VI. Cap. V.): »Einige haben die
Gewohnheit, wenn sie die Schiffskompasse machen, bei Befestigung der Nadeln
an der Windrose die Lilie der Rose nicht genau über die Spitze der Nadeln
zu setzen, die mit dem Magneten bestrichen wurden, sondern sie entfernen
sie von dieser Lilie um einen halben Viertelwind nach der östlichen Seite,
und sie behaupten, daß sie dies tun, um das auszugleichen, was die Nadeln
nach Osten abweichen. ... Die Nadeln und die Lilie stimmen in der Angabe
des Nordens nicht überein, sondern die Lilie zeigt hierhin und die Nadeln
dorthin. Dies ist ein offenkundiger Irrtum.« Wie sich auch aus der Größe
') Vergl. Hipler, in Zeitschr. f. Math, u. Physik. Histor.-lith. Abt. 1876. S. 125—156.
Ein Teil ist von Hellmann wieder veröffentlicht in dessen wertvoller Studie »Anfänge der magne-
tischen Beobachtungen«: Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. z. Berlin 1897. S. 128—132.