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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Wolkenhauer, A.: Der Schiffskompaß im 16. Jahrhundert etc. 
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that half point that the steel‘ in fluetuating varies from the fleur-de-1iys. 
It is the belief of men with little experience that there is north-easting 
and north-westing when the needle is well greased and adjusted. If any 
defect is found in the needle which makes it seem to turn in that way, the 
secret is not that, and can be remedied. It is not from supposed cause, but 
it. is learned by habitual experience.« 
Wie in diesem Falle, muß bei allen Untersuchungen, die sich auf die 
Geschichte der Nautik beziehen, immer besonders betont werden, daß noch 
ein weiter Weg von den theoretischen Errungenschaften der Gelehrten bis 
zur wirklichen Anwendung in der Praxis führt. 
Die erste sichere Nachricht über die Verschiebung der Nadel am 
Schiffskompaß verdanken wir einem Binnenländer. Sie ist enthalten in einer 
»Chorographie«, die Georg Joachim von Lauchen (nach seinem Heimatlande 
gewöhnlich Rheticus genannt) schrieb, als er, ein junger Mathematikprofessor, 
sich 1539 in Frauenburg von Kopernikus in dessen neue Lehre.einweihen 
ließ. Diese Chorographie hatte Rheticus für den Herzog Albrecht von Preußen 
verfaßt. Sie ist ursprünglich nicht gedruckt worden und erst 1876 nach der 
Originalhandschrift, welche sich in der Königsberger Bibliothek befindet, 
veröffentlicht,.!) In der Chorographie.: beschreibt Rheticus folgendermaßen 
die Herstellung des Schiffskompasses: »... Deshalb, wenn ich sichere Schiffs- 
kompasse machen wollte,. probierte ich zuerst aufs sorgfältigste den 
Magneten, mit dem.ich die Nadeln bestreichen wollte. ... Dann machte ich 
die Scheibe mit allen Strichen nach dem gewöhnlichen Brauch, und wo der 
Ausschlag meines Steins von Norden ab hinfiele, da steche ich die 
Scheibe durch, derartig, daß die Spitze mit dem Eisen (die Spitze der 
Nadel) darunter, gerade unter das Loch kommt.« Den Grund der Ab- 
weichung sieht Rheticus, einer der hervorragendsten Schüler des Kopernikus, 
bezeichnenderweise in der Art des Magnetsteins »was er. für einen Strich- 
winkel von nord auff ost oder west von natur gebe.« (Hipler l. ce. S. 127.) 
Wir wissen, daß Rheticus öfter in Seestädten, z. B. in Danzig, wahrscheinlich 
auch in Königsberg, gewesen ist, wo er Gelegenheit hatte, mit Schiffern zu 
sprechen, von denen er dann wahrscheinlich seine Kenntnis des Schiffs- 
kompasses bezogen hat. Es ergiebt sich aus allem, daß Rheticus nicht die Ver- 
schiebung der Nadel zuerst in Vorschlag bringt, sondern daß dieser Usus 
bereits bestand. 
Die erste Nachricht darüber, daß die Schiffer solche »verbesserten« 
Kompasse tatsächlich gebrauchten, verdanken wir dem Spanier Pedro de 
Medina, dessen »Arte de navegar« zuerst 1545 in Sevilla erschien, Diese 
Steuermannskunst Medinas war durch viele Auflagen und Übersetzungen die 
verbreitetste bis in den Anfang des 17. Jahrhunderts hinein. Gerade die An- 
gaben Medinas über die Abweichung der Magnetnadel zeigen recht deutlich, 
wie hartnäckig man sich dagegen sträubte, die Abweichung als eine tatsäch- 
liche, allgemein existierende Eigenschaft der Magnetnadel anzusehen. Medina 
leugnet ‚ebenso wie der bereits genannte Sarmiento die Abweichung noch 
vollständig. Er führt sogar eine ganze Reihe von Ursachen an, nach deren 
Beseitigung die Nadel wieder rechtweisend zeigen würde, Nur nebenbei er- 
wähnt Medina die Gewohnheit mancher Seeleute, die Nadel um einen halben 
Viertelwind nach Osten zu verschieben (Lib. VI. Cap. V.): »Einige haben die 
Gewohnheit, wenn sie die Schiffskompasse machen, bei Befestigung der Nadeln 
an der Windrose die Lilie der Rose nicht genau über die Spitze der Nadeln 
zu setzen, die mit dem Magneten bestrichen wurden, sondern sie entfernen 
sie von dieser Lilie um einen halben Viertelwind nach der östlichen Seite, 
und sie behaupten, daß sie dies tun, um das auszugleichen, was die Nadeln 
nach Osten abweichen. ... Die Nadeln und die Lilie stimmen in der Angabe 
des Nordens nicht überein, sondern die Lilie zeigt hierhin und die Nadeln 
dorthin. Dies ist ein offenkundiger Irrtum.« Wie sich auch aus der Größe 
') Vergl. Hipler, in Zeitschr. f. Math, u. Physik. Histor.-lith. Abt. 1876. S. 125—156. 
Ein Teil ist von Hellmann wieder veröffentlicht in dessen wertvoller Studie »Anfänge der magne- 
tischen Beobachtungen«: Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. z. Berlin 1897. S. 128—132.
	        
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