398 Annalen der Hydrographie und Maritimen Metecrologie, September 1905.
Entfernungsangaben der wirklich befahrenen Dampferrouten; es besteht aber
zwischen den Distanzangaben auf unserer Weltkarte und denjenigen im Dampfer-
handbuche ein kleiner, absichtlich herbeigeführter Unterschied, der beachtet
sein will. In dem Dampferhandbuche, welches fast ausschließlich für die Be-
nutzung an Bord durch Kapitän und Schiffsoffiziere bestimmt ist, sind die
Entfernungen von bestimmten Küstenpunkten zu bestimmten Küstenpunkten
gerechnet, d. h. es sind im allgemeinen die Entfernungen der eigentlichen
Ozeanreise, und nur dieser, zugrunde gelegt, weil der Seemann mit der An-
steuerung der Küste zur Benutzung von anderen Hilfsmitteln, wie Küsten-
handbüchern, Spezialkarten usw., übergeht. Auf der Weltkarte dagegen, die
vorzugsweise geographische Zwecke verfolgt, mußten die meist kurzen Strecken
der Küsten- oder Flußfahrt mit hinzugerechnet werden; hier gelten die
Distanzen von Stadt zu Stadt. Betrachten wir z. B. die auch auf der
Weltkarte durch besonders kräftige Linienführung herausgehobenen, inter-
national zwischen den großen transatlantischen Passagierdampfschiffahrts-
Gesellschaften vereinbarten Dampferwege zwischen dem Englischen Kanal und
New York, und z. B. speziell diejenige Route, welche wegen der auf den Neu-
fundlandbänken drohenden Eisgefahr vom 15, Januar bis 14, August bei Reisen
von Osten nach Westen streng innegehalten wird, so finden wir im »Dampfer-
handbuch«, unter Nr. 43, S. 128, die Entfernung von dem anzusteuernden
Schnittpunkte 42°N-Br. in 47°W-Lg. bis Sandy Hook mit 1216 Sm verzeichnet;
auf der Weltkarte steht aber an dieser Strecke 1231 Sm, weil die Entfernung
von dem Schnittpunkt 42°N-Br. in 47°W-Lg., der durch einen kleinen Kreis ge-
kennzeichnet ist, bis nach New York, also bis zur Stadt selbst gilt und deshalb
die 15 Sm betragende Strecke Sandy Hook -— New York hinzugerechnet ist.
Somit ist es sehr leicht, die Entfernungen auf größeren, aus einzelnen
Teilstrecken sich zusammensetzenden Reisewegen anzugeben, Fragen wir
z. B, welche Entfernung legt ein Post- oder Schnelldampfer zwischen
Cuxhaven oder Bremerhaven!) und New York zurück, so entnehmen wir der
Weltkarte ohne weiteres folgende Zusammenstellung :*)
I. Wege in der eisarmen Zeit, über die Neufundlandbank hinweg:
a) Ausreise: 38338 + 313 + 17038 + 1166 Sm = 3520 Sm ] Ta Vak
N Heimreise: 1356 -L 1539 4 313 —L 338 Sm = 3546 Se] Cuxhaven—New York,
Il. Wege in der eisreichen Zeit, im Süden von der Neufundlandbank entlang:
a) Ausreise: 338 + 313 +1733 + 1231 Sm = 3615 Sm ns HF
z Heimreise: 1241 + 1764 + 318 + 388 Sm = 3656 Sm Gushaven— New Tor,
Will man die Entfernung wissen, die ein Dampfer auf der Reise von
Neapel nach Sansibar abzudampfen hat, so erhält man je nach der Jahreszeit
zwei verschiedene Angaben: der Dampfer fährt zur Zeit des indischen NO-
Monsuns nahe unter der Somaliküste entlang nach Süden; zur Zeit des
stürmischen SW-Monsuns aber, welcher zugleich einen geradezu reißenden
Nordoststrom an der Somaliküste verursacht, steuert er in weitem, nach Osten
geschwungenem Bogen von dieser Küste ab und erreicht so das Ziel auf einem
Umwege doch schneller, als wenn er den direkten Weg einzuhalten versuchen
würde (siehe den Karton auf der Weltkarte, in der Mitte oben). Im ersten
Falle, also im nordhemisphärischen Winter, setzt sich dann die Entfernung
‚über den Grund« auf der Ausreise Neapel — Sansibar, wie folgt, zusammen:
165 —— 947 +87 + 1318 + 1740 Sm = 4257 Sm; im zweiten Falle, also im nord-
hemisphärischen Sommer, sind für die gleiche Reise 165 +947 +87 + 1318 —
1940 Sm == 4457 Sm abzudainpfen, |
Daß in diesen wie in sämtlichen übrigen Entfernungsangaben immer
nur der Weg »über den Grund« und nicht etwa der durch Wind und Strom
1) Die Entfernung Bremerhaven—Nover ist ungetähr dieselbe wie diejenige Cuxhaven— Dover,
. 2) In dem oben S. 397 Fußnote erwähnten Werke von Jannasch wird (auf Tafel VI1) für
Cuxhaven—New York nur eine Entfernung, 3475 Sm, gegeben; diese Zahl ist aber für den kürzesten
Weg durch den Englischen Kanal zu klein, für die kürzesten Wege nördlich um Schottland (bei
Fair-Insel oder dureh den Pentland Firth) zu eroß.