Reinicke: G.: Die Eisverhältnisse in schwedischen: u. russischen Gewässern usW. 393
Der Winter 1904 bis 1905.
Obwohl bei ziemlich gleichmäßig nach Norden hin abnehmendem Luft-
druck über dem Gebiete der nördlichen Ostsee südwestliche Winde herrschten,
begann doch die Isotherme von 0° sich Anfang November 1904 über dem nörd-
lichen Teile des Bottnischen Meerbusens .zu zeigen und allmählich weiter nach
Süden vorzurücken. Strenge Kälte trat aber erst am 12. November ein, als ein
Gebiet hohen Druckes über Nordskandinavien lag und dabei über dem Bott-
nischen Meerbusen leichte nördliche Winde herrschten. Bei dieser Wetterlage
rückte die Isotherme von 0° über Skandinavien bis nach Südnorwegen und
Schonen, und die von — 15° C. bis zum 63. Breitengrade herab. Über der
noch warmen See buchteten die Isothermen zungenförmig nach Norden aus,
dennoch zeigte sich‘ die Isotherme von — 15° am 12, November auch über
dem Nordbotten. An diesem Tage kamen denn auch‘ die ersten Eismeldungen
von den schwedischen Häfen ein, denen in den nächsten Tagen, als sich das
Hochdruckgebiet nach Osten verlagert hatte, Eismeldungen vom Finnischen
Meerbusen folgten, während am Bottnischen bei südwestlichen Winden, die zu
einer an der Nordwestküste von Norwegen nordöstlich ziehenden Depression
gehörten, wieder milderes Wetter eingetreten war. Am 22. November war die
Luftdruckverteilung der eben beschriebenen am 12. November wieder ähnlich;
es lag wieder ein Hochdruckgebiet über Skandinavien und damit setzte der
Winter am Bottnischen Meerbusen voll ein, wie aus den verschiedenen Mel-
dungen, daß sich die flacheren Gewässer® mit einer dicken Eisdecke bezögen,
hervorging. Wohl zogen später von Westen her Depressionen heran, sie
nahmen ihren Weg aber über die südliche Ostsee, so daß in der nördlichen
Ostsee polare Winde wehten, die dort anhaltend strenges Frostwetter brachten.
Am 5. und 6. Dezember zog dann wieder eine Depression an der Nordwestküste
Norwegens entlang, und die dazu gehörigen stürmischen südwestlichen Winde
auf der rechten Seite der Bahn des Luftdruckminimums drängten die Iso-
therme von 0° für kurze Zeit wieder nach Norden zurück; aber nun war die
Abkühlung des ganzen Gebietes doch schon soweit vorgeschritten, daß, sobald
die Depression verschwand und wieder leichte, wenn auch südliche Winde
eintraten, dennoch Frostwetter herrschte und die Schiffahrt nun. selbst mit
der größten Mühe und mit Hilfe von Eisbrechern im Bottnischen und
Finnischen Meerbusen nicht länger aufrecht erhalten werden konnte. Das
strenge Frostwetter, das nun auf dem ganzen Gebiet der nördlichen Ostsee
herrschte, machte gelegentlich milderem Wetter Platz, z, B. als am 18. und 19. De-
zember- eine Depression über das Gebiet zog, im allgemeinen herrschte aber
strenge Kälte bei hohem Luftdruck, und das Kalenderjahr 1904 schloß mit
einer Kälte, die zu Uleaborg — 31° C. betrug.
Im Jahre 1905 trat zum ersten Male mildes Wetter ein, als am 9. und
10. Januar eine tiefe Depression (unter 720 mm) über den Nordbotten zog,
darauf folgte wieder strenge Kälte, bis am 24, Januar bei von Süden nach
Norden ganz gleichmäßig abnehmendem Luftdruck — die Isobare von 750 mm
verlief auf dem Breitenparallel von 60° N-Br. — mit westsüdwestlichen Winden
und gegen Ende des Monats wieder bei über den nördlichen Teil des Gebietes
nach Osten ziehenden Depressionen mildes Wetter einsetzte. Ähnliche Unter-
brechungen des strengen Frostwetters fanden auch im Februar statt, d. h.
die Isotherme von 0° wurde nach Norden zurückgedrängt: entweder bei
gleichmäßig von Süden nach Norden hin abnehmendem Luftdruck oder im
Bereiche von Depressionen, die über dem nördlichsten Teile des Gebietes ost-
wärts zogen. Im allgemeinen herrschte aber im Februar Frostwetter, ebenso im
März und bis in den April hinein, obwohl nun die Isotherme von 0° schon
immer häufiger nach Norden zurückgedrängt wurde. Zum ersten Male, in
Verbindung mit einem Gebiete hohen Luftdruckes, reichte die Isotherme von
0° am 15. April nur noch über den nördlichen Teil des Nordbottens herab,
und am 21. April war sie bei östlichem Winde und hohem Luftdruck nord-
westlich von Schottland ganz vom Gebiete der nördlichen Ostsee verschwunden,
das sie nun auch im April und bis Mitte Mai nicht wieder betrat, während
dagegen die Isotherme von 10° schon manchmal bis in den Bottnischen Meer-
busen hinaufreichte. Damit waren, besonders da inzwischen ‚auch mit der
Tageslänge der Einfluß der direkten Sonnenstrahlung zugenommen hat, die Be-