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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Reinicke, G.: Die Eisverhältnisse in schwedischen u. russischen Gewässern usw. 391 
bis am 20. Februar 1904 schwere Packeismassen: vor Hangö erschienen und 
den Schiffen den Weg nach oder von Helsingfors verlegten. — Die »Nowoje 
Wremja« brachte Ende Januar über die Eisverhältnisse im Finnischen Meer- 
busen die folgende Mitteilung. Der östliche Teil des Finnischen Meerbusens 
ist mit einer ununterbrochenen Eisdecke bedeckt.‘ In der Newamündung 
haben sich große. Eisstauungen gebildet; im Seekanal ist das Eis teilweise 
durch die Strömung fortgetragen. Zwischen. St. Petersburg und Kronstadt 
hat sich die Eisdecke an zwei Stellen, die überbrückt werden mußten, ge- 
spalten, Bei Kronstadt sind an den verkehrsreichsten Stellen Rettungs- 
stationen auf dem KEise errichtet. Bei OÖranienbaum ist das Eis nicht fest, 
vor einigen Tagen sind. dort zwei Geschütze der Artillerie durch das Eis 
gebrochen. Westlich von Kronstadt und über dem ganzen östlichen Teile 
des Golfes ist die Eisdecke ununterbrochen, Wiborg,:  Borkö, Narwa sind ge- 
schlossen und die Inseln Seskär, Nerva und Sommars sind von Eis umgeben. 
Der westliche Teil des Finnischen Meerbusens ist noch eisfrei, die Schiffahrt 
geht dort unbehindert vor sich und der Eisbrecher »Jermak«, der sich dort 
aufhält, hat seine Tätigkeit noch nicht zu beginnen brauchen, weil keine 
Schiffe durch das Eis zu bringen sind, In Reval herrscht rege Tätigkeit und 
gesteigerter Verkehr mit. dem Auslande, 
Die Eröffnung der Schiffahrt im Finnischen Meerbusen fand, von West 
nach Ost fortschreitend, gegen Ende April und in den ersten Tagen des Mai 
statt, nämlich am 25, April in Helsingfors. Das Feuerschiff »Nya Äransgrund« 
konnte am 27. April wieder ausgelegt werden, und dann erfolgte die Eröffnung 
der Schiffahrt in Kotka am 28. April, in Frederickshamn am 2. Mai, in Lovisa 
am 3. Mai, in Wiborg am 5, Mai, In Kronstadt kam der erste Dampfer, den 
der »Jermak« durchgebrochen hatte, sogar schon am 26, April an, die eigent- 
liche Eröffnung der Schiffahrt erfolgte jedoch erst am 2, Mai in Kronstadt 
und am 7. Mai in Petersburg. Die auf den Aufbruch des Eises im Finnischen 
Meerbusen bezüglichen wichtigsten Meldungen waren die folgenden. Von 
Helsingfors wurde am 15. Mai gemeldet: Das Eis nimmt immer mehr an 
Stärke ab, bei der Messung gestern war es am Brobergskai 48 cm, im Nord- 
hafen 50 cm, im Südhafen 25 cm, im Sandvikhafen 35 em und im Seehafen 
29 cm stark. Das feste Eis in der Einfahrt nach Helsingfors liegt etwa bis 
i Sm südlich von Svartbadan. — Hogland meldete am 18. April: Das Eis 
treibt bei schwachem südlichen Winde von der estländischen Küste ab. Bei 
Hogland, Tüters und Sommars ist Treibeis, hinter Rödskär ist freies Wasser, 
Am 22, April meldete Hogland: Westen eisfrei, Osten Treibeis, am Südufer 
ist eine freie Durchfahrt. Von St, Petersburg wurde am 24, April gemeldet: 
Das Ladogaeis trieb gestern Abend in großen Massen die Newa abwärts, 
die finnländischen Passagierdampfer hatten die größte Mühe, die Überfahrt 
über die Newa zu machen. 
Vom Bottnischen Meerbusen kamen die ersten Eismeldungen am 8. Ok- 
tober. An diesem Tage mußte Norströmsgrund-Feuerschiff eingezogen werden, 
und der harte Frost, der nun eintrat, Sundsvall meldete am 10. Oktober —14°, 
ließ einen frühen Winter und zeitigen Schluß der Schiffahrt. befürchten. Als 
jedoch am 20. oder 21. Oktober das bis dahin über Skandinavien lagernde 
Hochdruckgebiet verschwunden wär, trat mit südwestlichen Winden auch hier 
wieder warmes Wetter ein, so daß der ganze Nordbotten bis in den Dezember, 
einzelne Häfen sogar bis in das neue Jahr hinein offen blieben. An der 
schwedischen Nordlandküste, also an der Westseite des Bottnischen .Meer- 
busens, waren im Januar große offene Stellen; - z: B. wurde über Stockholm 
am 31. Januar gemeldet: »Die Eisverhältnisse in Nordland sind außer- 
gewöhnlich günstig; bei Pitea reieht das offene Wasser „bis zum Pitesunde. 
Das am 1. Dezember ausgelöschte Feuer von Rödkallan ist wieder angezündet 
worden; in den Lulea-Scheeren reicht das offene Wasser bis Brandöskär und 
Estersö, bei Skelleftea ist bis Öhsviksland offenes Wasser und im Tjufholm- 
suhd kann man nicht mehr über das Eis hinweg verkehren.« Die Hoffnungen 
auf zeitige Eröffnung der‘ Schiffahrt, die sich an diese günstigen HEis- 
verhältnisse knüpften, sollten sich aber nicht erfüllen. Im Februar zog, wie
	        
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