390 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1905.
druckgebietes am 13. Oktober folgt eine lange Reihe von Depressionen, die
entweder an der Nordwestküste von Norwegen entlang über Lappland oder
doch so nördlich entlang nach Osten zogen, daß das Ostseegebiet vorwiegend
auf der rechten Seite der Zugstraßen‘ lag und bei südlichen oder westlichen
Winden mildes warmes Wetter hatte, Die Isotherme von 0° reichte bis zum
Schlusse des Jahres 1903 nur gelegentlich über den nördlichen Teil des
Nordbottens herab und auch im Januar 1904 herrschte im allgemeinen noch
mildes Wetter, wenn auch jetzt die Isotherme von 0° Öfter bis auf den
mittleren Teil der Ostsee herab stieg. Erst der Februar brachte dort Kälte,
Die Depressionen erschienen jetzt nicht mehr im Nordwesten Irlands oder
Schottlands, sondern meistens vor dem Kanal; sie zogen südlich von der
nördlichen Ostsee nach Osten, und damit gelangten dort polare Winde zur
Herrschaft, bei denen sich die Isotherme von 0° nach Südwesten vorschob
und bis in den März hinein unausgesetzt weit südlich von den Gewässern,
um die es sich handelt, verlief. Erst nach dem 13. März 1904 zog sie sich
wieder nach Norden zurück und schwankte nun bis in den April etwa um
die Linie Stockholm— Riga herum. Am 7. April verschwand sie zum ersten
Male wieder vom Ostseegebiet, sie erschien nun bis zu ihrem endgültigen
Verschwinden im Mai nur noch gelegentlich über dem nördlichen Teile des
Bottnischen oder dem Östlichen Teile des Finnischen Meerbusens, Da aber
nun, teils bei über die mittlere Ostsee hinwegschreitenden Depressionen, teils
bei Hochdruckgebieten über Finnland im Bottnischen Meerbusen nordöstliche
Winde vorherrschten, so wurde, wie wir sehen werden, das Eis dort nach
der Westseite an die schwedische Küste getrieben, wo es die Schiffahrt noch
im Mai erschwerte und erst unter den Strahlen der Junisonne verschwand.
Unter dem Einflusse der eben geschilderten Witterungsverhältnisse
vollzogen sich Schluß und Eröffnung der Schiffahrt im Winter 1903 bis 1904
in den einzelnen Teilen der nördlichen Ostsee nach den Zeitunzsberichten
etwa folgendermaßen,
An der schwedischen Küste südlich vom Alandshaff blieb die Schiffahrt
bis Ende Dezember offen. Das Feuerschiff »Svenska Börn« wurde am
831. Dezember eingezogen. Am schwierigsten waren die Eisverhältnisse etwa
Mitte März, um welche Zeit, nämlich vom 11, bis 16. März, der Postdampfer-
verkehr über den Kalmarsund unterbrochen war. Anfang April 1904 wurden
die Häfen wieder zugänglich, am 8. wurde das Feuerschiff »Kopparstenarne«
und am 14, »Svenska Börn« wieder ausgelegt.
Vom Rigasehen Meerbusen kamen die ersten Eismeldungen Ende
November, doch blieb die Schiffahrt unbehindert und der Meerbusen bis in
den Februar hinein eisfrei. Am 10, Februar kamen die ersten Eismeldungen
von Domesnes, drei Tage später erschien das Eis in Streifen vor Bolderaa,
und etwas später häuften sich die Eismassen bei Domesnes, aber die Dampfer
konnten noch bis zum 27, Februar durch. Von da an ist der Rigasche Meer-
busen voller Eis, die Eismassen freiben sogar in der Ostsee an der russischen
Ostküste soweit nach Süden, daß das Feuerschiff »Libau« vom 15. bis zum
17. März eingezogen werden mußte. Vor Bolderaa zeigte sich am 15. März
offenes Wasser, das sich jedoch wieder schloß, Bei Domesnes blieb die
Durchfahrt bis zum 6, April vollständig gesperrt, nachdem aber an diesem
Tage Bewegung in die Eismassen gekommen war, gelang es am 9. April einem
Dampfer, durchzukommen, doch hört das Eis erst am 22. April auf bei
Domesnes ein Schiffahrtshindernis zu sein. Inzwischen war am 18. April der
Eisgang auf der Düna beendet, und am 26. April wurde die Schiffahrt in
Pernau wieder eröffnet, Schließlich wurde vom 28. April gemeldet, daß jegliche
Eisgefahr auf dem Rigaschen Meerbusen verschwunden sei,
Im Finnischen Golf trat in der ersten Hälfte des Oktober 1903 hartes
Frostwetter ein, das jedoch in der zweiten Hälfte des Monats wieder milderem
Wetter Platz machte, infolgedessen, wie man am 24, Oktober von Petersburg
meldete, die Eisbrecher wieder in Tätigkeit traten und die Schiffahrt bis
zum 12, Dezember in Petersburg, bis zum 24. Dezember in Kronstadt und
Lovisa aufrecht erhalten werden konnte. Helsingfors blieb sogar zugänglich,