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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Ann. d. Hydr. ete., XXXIM. Jahrg. (1905), Heft 1X. 
287 
Die Eisverhältnisse in. schwedischen und russischen Gewässern 
vom Frühling 1903 bis zum Aufbruch des Eises 1905. 
Nach Zeitungsmeldungen und amtlichen schwedischen und russischen Berichten 
bearbeitet von Kapt, 6, Reinieke, Assistent der Deutschen Seewarte. 
Der Aufbruch des Eises im Frühling 1903. 
Um die Zeit der Tag- und Nachtgleiche 1908 bis Ende März zog eine 
Reihe von Gebieten niedrigen Luftdruckes an der Nordwestküste von Nor- 
wegen entlang nach Lappland, so daß über dem Ostseegebiete südwestliche, 
teilweise sehr stürmische Winde- herrschten, unter deren Einflusse die Iso- 
therme von 0° fast dauernd vom Bottnischen und Finnischen Meerbusen ver- 
drängt worden war und die Isotherme!) von. + 5° nahezu beständig an diese 
Meeresteile hinan, an manchen Tagen sogar weit hinein reichte. Durch dieses 
milde Wetter wird das Wintereis beträchtlich mürber geworden und an der 
finnischen Seite des Bottnischen sowie im Finnischen Meerbusen schon teil- 
weise aufgebrochen sein, denn schon ein am 3. April bis Helsingfors vor- 
gedrungener Dampfer meldete dort, daß das Eis im Golf von Finnland in 
Bewegung und das Feuerschiff »Aransgrund« vertrieben sei. Die Eisbrecher 
traten nun in Tätigkeit, und es gelang ihnen, das Feuerschiff am 9. April 
wieder auf seine Station zu bringen. Damit begannen im Golf von Finnland 
die ersten Versuche die Schiffahrt zu eröffnen, bei denen aber die Schiffe 
nicht selten auf große Schwierigkeiten treffen. Denn während die Flüsse 
wenige Tage nach ihrem Aufbruche mit dem Abtreiben des Eises vollständig 
eisfrei werden, beginnt mit dem Aufbruche des Eises auf jenen Meeresteilen 
eine Zeit, in der sich die Schiffe zwischen den treibenden Eismassen durch- 
winden müssen, nicht selten tagelang darin festgeraten und nur mit Hilfe 
von Eisbrechern befreit werden können. Aus den weiter unten gegebenen 
wichtigeren Eismeldungen, die zunächst geographisch und dann chronologisch 
geordnet sind, sehen wir, daß die oben erwähnten Versuche die Schiffahrt zu 
eröffnen noch um 14 Tage bis 3 Wochen verfrüht waren. Es zog nämlich 
nun im April zunächst eine Reihe von Gebieten niedrigen Druckes quer über 
die mittlere Ostsee oder noch südlicher ostwärts und damit herrschten über 
dem Bottnischen und dem Finnischen Meerbusen nordöstliche und nördliche 
Winde, die die Isothermen von 0° bis zum 7. April wieder weit nach Süden, 
am 8. April sogar bis in die südliche Ostsee, vorschoben. Am 8. April ist 
die Isotherme von 0° dann wieder von den Gewässern der Ostsee verschwunden, 
sie erscheint aber nach dem 17., von dem an die Gebiete niedrigen Luftdruckes 
wieder südlich von 60° N-Br. ostwärts ziehen, noch mehrere Male wieder, bis 
sie endlich am 24, April endgültig verschwindet. Allerdings liegt die Iso- 
therme von 0° auch später um 8% V noch einige Male auf den nördlichsten 
Teilen des Bottnischen Meerbusens aber weniger in Verbindung mit weiter 
südlich ostwärts ziehenden Depressionen und kalten Nordwinden, als nun bei 
Hochdruckgebieten, die über Lappland liegen.‘ Zum letzten Male reicht die 
0° Isotherme am 4, Mai bei Haparanda an die nördlichste Spitze der Ostsee 
heran, und nun schreitet die weitere Erwärmung so schnell vorwärts, daß wir 
Mitte Mai die Morgentemperatur von 10° über dem Bottnischen und noch 
höhere Temperaturen über dem Finnischen Meerbusen finden, 
Dieser in großen Zügen angedeutete Gang der Witterung, kann als ein 
für die zeitige Eröffnung der Schiffahrt im Finnischen Golf günstiger ange- 
sehen werden, Das milde Wetter in der letzten Dekade des März hatte, wie 
wir gesehen haben, das Eis etwas mürbe gemacht, und die südwestlichen Winde 
hatten es teilweise gebrochen, so daß es nun mit den Anfang April einsetzenden 
östlichen Winden nach Westen abtreiben konnte, wobei noch besonders der 
Umstand zustatten kommt, daß, wenn die Minima eine Zeitlang über Kurland 
1) Es sind hier stets die Isothermen oder Linien gleicher Luftwärme um 8h V gemeint. 
Ann. d. Hryar. ete.. 1905. Heft IX.
	        
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