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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Kleinere Mitteilungen.
Mensingschen Hochseepegels sind von den Luftdruckänderungen
unabhängig.
Dies ist auch vollkommen durch einen im Juni 1902 in der Jade angestellten
 Versuch bestätigt worden. Da nämlich ein gewöhnlicher Flutmesser,
 welcher direkt die Wasserstandsänderungen aufzeichnet, naturgemäß
in seinen Kurven auch den Einfluß der Luftdruckänderungen enthalten muß,
so kann ein Vergleich zwischen diesen und den Kurven des Hochseepegels
dazu dienen, den Einfluß der Luftdruckänderungen zu bestimmen. Dies ist
bei dem erwähnten Versuch (31. Mai.bis 20. Juni 1902) ausgeführt worden,
Zuvor sei bemerkt, daß der gewöhnliche Flutmesser auf dem Süd-Molenkopf
der zweiten Hafeneinfahrt aufgestellt ist, während der Mensingsche Hochseepegel
 in einiger Entfernung bei der Voßlapp-Plate ausgelegt war. Um die
immerhin mögliche Verschiedenheit des Flutverlaufs an beiden Orten möglichst
auszuschließen, wurde beiderseits das Mittel zwischen den aufeinanderfolgenden
Hoch- und Niedrigwasserhöhen genommen und ihre Differenz mit dem Verlauf
des Luftdrucks verglichen. Es stellte sich eine fast vollkommene Parallelität
zwischen beiden heraus, welche es außer Zweifel setzte, daß hier tatsächlich
der Einfluß der Luftdruckänderungen auf den Wasserstand, wie er durch den
Flutmesser auf der Mole angegeben wurde, in die Erscheinung trat, Das
numerische Resultat war, daß einer Luftdruckänderung von 13 mm eine
Änderung des Mittelwasserstandes von 0.20 m oder von 1 mm eine solche von
0.015 m entsprach, während die Theorie 0.013 m verlangt und durch eine
direkte Untersuchung der Aufzeichnungen des Flutmessers früher schon
0.0093 m gefunden worden‘ war.
Der Schluß ist also der, daß die Aufzeichnungen des Mensingschen
Hochseepegels tatsächlich von den Änderungen des Luftdrucks unabhängig sind.
Dr. C. Börgen.
2. Über ein vermutetes unterseeisches Korallenriff im zentralen
Indischen Ozean berichtet Prof. C. Chun etwa folgendes!): Am 28. Februar 1899,
zwei Tage nach dem Verlassen von Diego Garcia, lotete die »Valdivia« der
Deutschen Tiefsee-Expedition auf der Reise nach den Seychellen in etwa
2° 57’ S-Br. und 67° 59’ O-Lg. eine Tiefe von 2743 m. Tags vorher war die
Tiefe mit 4129 m, tags darauf mit 3460 m und später mit 4599 m erheblich
größer, so daß eine an sich schon bemerkenswerte Tiefenverringerung für die
Position am 28. vorlag. Auffälliger noch war der bei dem Fischen mit dem
Grundnetz (Trawl) am 28. beobachtete Umstand, daß das Netz trotz der großen
Tiefe für längere Zeit festkam und nur nach mühsamen Schiffsmanövern frei
wurde; im allgemeinen kann man nämlich in tropischen Meeren bei Tiefen
von nahezu 3000 m auf einem von Globigerinenschlamm gebildeten Grunde
darauf rechnen, keinen Hindernissen zu begegnen. Aber auch der Inhalt des
Schleppnetzes war auffällig: er war ungemein kärglich, indem außer einer
Ophiure, 2 Brachiopoden,; einem Stück einer Antipathide: nur noch die abgerissenen
 Äste einer Koralle sich fanden. Das Korallenbruchstück wich in
seinem Habitus ganz ab von dem der Tiefseekorallen, welche die »Valdivia«
außerdem auch nur bis 2278 m. Tiefe festgestellt hat. Die nähere Untersuchung
 des konservierten Stückes durch Prof. v. Marenzeller hat in der
Tat ergeben, daß es -sich um die Gattung Seriatopora handelt, die Riffkorallen
 sind.
Es ist nun bei der sorgsamen Art des Arbeitsbetriebes, der an Bord
der »Valdivia« durchgeführt wurde, ganz ausgeschlossen, daß das Korallenbruchstück
 aus einem früheren Fang im Netz geblieben war. Somit ergibt
sich der Schluß — und damit stimmt das Festhaken des Netzes während des
Dredgens überein —, daß auf der eingangs genannten Station am 28, Februar
die »Valdivia« den Rand eines aus großer Tiefe höchstwahrscheinlich bis nahe
zur Oberfläche heraufragenden lebenden Korallenriffes gestreift hat. Findet
sich das Riff wirklich, so wäre damit ein Gegenstück zu der großen Chagosbank
 und der Saya de Malha-Bank gegeben. Jedenfalls sollte die Position in

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1) Berichte der math.-phys. Klasse der König], Sächs. Ges. der Wissenschaften zu Leipzig. 1905. 1.
            
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