378 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1905.
mehr Zeit als die Berechnung der geforderten Beobachtungszeit. Höhen unter
10° wird man in praxi nur beobachten, wenn es durchaus nötig ist, Im vor-
liegenden Falle tritt dieses Bedürfnis nicht ein,
Bezeichne in Figur 8 Z das Zenit, H und h die scheinbaren Sternörter,
H' und N’ die wahren Sternörter, so ergibt sich die Beschickung der schein-
baren Distanz D zur wahren D’ nach der Formel:
dD =— dH-cos ZHh +- dh-cos ZhH,
worin dH und dh die Refraktionsbeträge darstellen. Es
ist also die Kenntnis der Winkel ZHh und ZhH erforder-
lich. Diese verschafft man sich schneller, als es eine
dreistellige Rechnung ermöglicht, mittels der Diagramme
auf den Tafeln 11 oder 12. Unter den gefundenen Winkeln
geht man in die Gradtafel ein und entnimmt dem der
Refraktion entsprechenden Werte in der D-Spalte den zu-
gehörigen Breitenunterschied, oder benutzt die von
Dr. Heidke in den »Ann. d. Hydr, ete.« 1903, S. 144 gegebene
sehr praktische Koppeltafel. Wie später noch gezeigt
werden soll, ist dies Verfahren auch genau genug zur
Ermittlung der Beschickung einer Monddistanz.
(Schluß folgt.)
J
Kleinere Mitteilungen.
ij. Zu dem Aufsatze des Herrn Dr. Otto Steffens!) über den
Mensingschen pneumatischen Flutmesser (Hochseepegel) möchte ich mir
erlauben eine kleine Bemerkung zu machen.
Die dort geäußerte Ansicht, daß die Luftdruckänderungen die Auf-
zeichnungen des Apparats beeinflussen müßten, ist nicht richtig, dieselben sind
im Gegenteil von diesen Änderungen unabhängig, wie folgende Betrachtung
zeigen wird,
Der Einfluß von Änderungen des Luftdrucks auf den Mensingschen
Hochseepegel ist ein doppelter: ein direkter und ein indirekter, Der direkte
Einfluß beruht darauf, daß der Druck, mit welchem die Atmosphäre auf dem
Wasser lastet, sich durch dessen Vermittlung der in dem Kessel eingeschlossenen
Luft mitteilt und daher eine Steigerung des Drucks der freien Atmosphäre
eine gleich große Steigerung des Drucks der eingeschlossenen Luft zur Folge
haben muß, während in den Bourdon-Federn, deren Luftinhalt ja von der
übrigen Luft im Kessel abgeschlossen ist, der beim Auslegen des Apparates
stattfindende Druck verbleibt. Wenn diese Wirkung des Luftdrucks die
einzige wäre, so müßte infolge der Steigerung des Drucks der freien Atmo-
sphäre die Schreibfeder des Apparats sich nach der Richtung des höheren
Wasserstandes bewegen, der Apparat würde also einen höheren Wasserstand
anzeigen, als er tun würde, wenn der Druck der Luft seit dem Auslegen un-
verändert geblieben wäre, und zwar würde die Erhöhung des von der Kurve
abgelesenen Wasserstandes = + (b—b,) 0,013 m betragen, wenn b den augen-
blicklichen, bo, den beim Auslegen des Apparats vorhanden gewesenen Luftdruck
bezeichnet.
Außer diesem direkten Einfluß der Druckänderung der äußeren Atmo-
sphäre findet aber auch ein indirekter Einfluß statt, indem ein höherer Luft-
druck das Wasser verhindert, so hoch anzusteigen, wie es bei unverändertem
Druck geschehen würde, Die Wassersäule über dem Apparat wird theoretisch
um — (b—b,) 0.013 m niedriger sein, als dem beim Auslegen des Apparats
vorhanden gewesenen Luftdruck entsprechen würde, und die Schreibfeder des
Apparats wird einen entsprechend niedrigeren Wasserstand anzeigen.
Der direkte und der indirekte Einfluß der Luftdruckänderungen wirken
daher in gleicher Größe, aber in entgegengesetztem Sinne auf die Schreib-
feder ein und heben sich gegenseitig auf, d. h. die Aufzeichnungen des
‘) Siehe »Ann. d. Hrdr. ete.« 1905. 8. 8328.