Wedemeyer, A.: Die Anwendung von Sterndistanzen in der nautischen Astronomie. 377
Lehrbüchern und neuerdings von Pinar, Rivista General de Marina; Bd. LIV,
S. 635 bis 660 und 8. 697 bis 713, zu diesem Zweck empfohlen werden, Erstens
stehen Sterndistanzen bei klarem Wetter jede Nacht zur Verfügung, zweitens sind
sie der gleichmäßigen Helligkeit der Objekte wegen genauer zu beobachten,
Es fragt sich nur, mit welcher Genauigkeit der Seemann den Exzentrizitäts-
fehler kennen muß. Man wird wohl annehmen dürfen, daß 1’ etwa genügt,
da man den Schiffsort auch nur auf ganze Minuten haben will und Fehler
in der Kimmtiefe weit größer sein können. In der Nähe der Observatorien
wird der Seemann die Bestimmung des Exzentrizitätsfehlers überhaupt unter-
lassen, da ihn die Observatorien mit Fehlertabellen versehen. Auf See jedoch
und’ in Häfen, die zu fern von Observatorien liegen, kann der Fall eintreten,
daß er diesen Fehler selbst bestimmen muß, Ob der Fehler jemals an Bord
bestimmt wurde, ist mir nicht bekannt. Lord Ellenborough macht darauf
aufmerksam, »daß zur Bestimmung der Deviation des Kompasses keine Mühe
gescheut würde, daß aber unter 1000 Sextanten kaum einer sei, auf dessen
Instandhaltung vom Seemann gesehen würde, und doch könne dies Instrument
ebenso wie Kompaß und Chronometer beschädigt sein, obendrein leite man
noch‘ mit einem fehlerhaften Sextanten aus Einzelhöhen den Stand des Chrono-
meters ab. Sterndistanzen, und zwar Distanzen zweier Sterne in demselben
Vertikal, werden dann zur Auffindung des Exzentrizitätsfehlers empfohlen.
Früher habe, so führt Lord Ellenborough weiter aus, ein Seemann mit seinem
beschädigten Sextanten Reisen von China und Australien nach England
machen müssen und sei infolge mangelnder Kenntnis der Fehler des Sextanten
Unfällen ausgesetzt gewesen. In ähnlicher Lage befinde sich der Eigentümer
eines Sextanten, der sich nicht mehr darauf verlassen zu können glaube. Die
Ansteuerung des Landes werde erschwert und unsicher, dadurch ginge wert-
volle Zeit verloren, auch würden mehr Kohlen verbraucht werden, als sonst
nötig gewesen wäre«, Wenn man auch nicht annehmen kann, daß nur ein
Sextant an Bord großer Schiffe ist, vielmehr meistens mehr als zwei zur Ver-
fügung stehen, diese sich also gegenseitig kontrollieren, so wird doch ge-
legentlich eine unabhängige Kontrolle erwünscht sein und auch ausgeführt
werden, wenn sie so einfach ist wie in dem Falle, wo die wahren Distanzen
bereits in den Ephemeriden gegeben sind, Eine solche Ephemeride ist von
Sprigge, Doak, Hudson und Cox in einem kleinen Buche, das den Titel
„Stars and Sextants« trägt und bei Potter in London erschienen ist, mit-
geteilt worden. Anweisungen über die Auswahl der Sternpaare, über die
Wahl der Beobachtungszeit, über die Beobachtung selbst, sowie über den Ge-
brauch der Ephemeride. und die Auswertung der gemessenen Distanz und
Beispiele sind in englischer, französischer und deutscher Sprache beigefügt.
Ebenso wie bei den Monddistanzen beschränkt sich die Beschickung der
beobachteten Sterndistanz auf die wahre, wenn die Gestirne in demselben
Vertikal stehen, auf eine einfache Addition oder Subtraktion. Um die Zeit
zu finden, wann die Gestirne in demselben Vertikal sind, haben die Verfasser
die Rektaszension und Deklination des Pols, der diesem Vertikal entspricht,
in die Ephemeride mit aufgenommen, und man kann damit aus der ebenfalls
gegebenen Tafel für den halben Tagbogen eines Gestirns die Aufgangszeit
dieses Poles bestimmen. Zum Schluß ist dem Werke eine Refraktionstafel
beigefügt worden. Im ganzen sind die Distanzen von 40 Sternpaaren erster
und zweiter Größe auf 9 Seiten tabuliert, und zwar für diejenige Epoche des
Jahres, wo der Einfluß der Aberration auf die Distanz gleich 0 angenommen
werden kann. Die gegebenen Distanzen können für nautische Zwecke das
ganze Jahr hindurch als konstant angesehen werden, da sie sich innerhalb
eines Jahres nur um -+ 35” ändern. Ist größere Genauigkeit erforderlich, so
muß man aus einer 23 Seiten starken Tafel für den betreffenden Tag die
günstigsten Distanzen auswählen, Für Distanzen vom Polsterne dient eine be-
sondere 9 Seiten starke Ephemeride, die von 10 zu 10 Tagen die Distanzen
desselben von 18 Sternen angibt.
Die Einschränkung bezüglich der Beobachtungszeit wäre kaum nötig ge-
wesen, denn die Beschickung der Distanz in anderen Lagen erfordert kaum