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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Wedemeyer, A.: Die Anwendung von Sterndistanzen in der nautischen Astronomie. 371 
Seiten des Meridians. beobachtet sind, statt der Differenz der Azimute ihre 
Summe. Die Entscheidung ist vom Beobachter leicht zu treffen. 
Die noch möglichen Lagen zeigen die Figuren 3, 4, 5 und 6. 
Fig. 3. Fig. 4, 
Wie ersichtlich, gilt stets das Kriterium: Wenn der größte Kreis durch 
A und B den Meridian zwischen Pol und Zenit schneidet, hat man die Winkel- 
summe zu bilden, in allen anderen Fällen die Winkeldifferenz. Sollte die Ent- 
scheidung Schwierigkeiten machen, so wird man unter Benutzung des Abakus 
auf Tafel 11, dessen Gebrauch weiter unten angegeben 
wird, die zum Pparallaktischen Winkel q gehörige Tig, 6. 
Breite g ermitteln und aus der Vergleichung der so 
gefundenen Breite mit der genähert bekannten Breite 
sofort die richtige Entscheidung treffen können, 
Auswahl der Formeln für die Rechnung. Wenn 
die beiden Gestirne nahezu in demselben Vertikal 
stehen, also fast gleiches oder entgegengesetztes Azimut 
haben, wird zur Berechnung eines der Winkel im 
Dreieck der Zenitdistanzen die Semiversusformel nicht 
ausreichen. Die Semiversusformel ist auch nur bequem, 
wenn man bloß einen Winkel zu bestimmen hat. Zur 
Bestimmung aller drei Winkel ist die Tangentenformel 
am. einfachsten und sichersten. Ihre Resultate können 
leicht mit Benutzung des Moduls des Dreiecks kontrolliert werden, Etwaige 
Fehler wird man gleich an der rechten Stelle suchen. Für die genaue 
Berechnung der geographischen Breite ist es im vorliegenden Falle günstig, 
daß @ nur selten größer als 60° wird, Nach der Methode Marcq St. Hilaire 
wird man auf allen Breiten Höhen über 60° zu berechnen haben; die Auswahl 
einer Höhenformel ist daher schwieriger als hier, Solche strenge Anforderungen 
an das Endresultat wird man überhaupt nicht zu stellen brauchen, wie sie 
meinen Aufsätzen »Ann. d. Hydr. etc.« 1902 zugrunde lagen, Die dort auf 
S. 221 gegebene Semiversusformel wird auf ‘alle Fälle genügen. Der durch 
die Ungenauigkeit der letzten Stelle erzeugte Fehler ließe sich leicht auf die 
Hälfte herabmindern, wenn man statt des Semiversus den Sinusversus tabulierte. 
Statt fünfziffriger Zahlen würde man jedoch für die Argumente von 90°. bis 
180° sechsziffrige Zahlen erhalten, also ebensoviel wie die fünfstelligen 
logarithmischen Tafeln, Die Tabelle am Schlusse dieses Aufsatzes ist die kürzeste 
und einfachste Höhentafel, da die Interpolationen bei dem gewählten Intervall 
von 5’ äußerst einfach. sind und wegen der geringen Änderung der Funktion die 
Proportionalteile hinter jeder Zeile eingefügt werden können, während man 
bei den bekannten Höhentafeln wesentlich schwierigere Interpolationen zu 
bewältigen hat und sich Tafeln mit doppeltem Eingang nicht vermeiden lassen. 
Derartige Tafeln werden auch.in der rechnenden Astronomie soweit. als 
irgend möglich vermieden. 
Untersuchen wir kurz, welche Fehler im. Endresultat durch Benutzung 
der Tafel entstehen können. Die Formel lautet: ; 
2semz = sem (p — d) + sem ( 180 — (g + 6)) ++ {sem (g + +15) + sem (gg + 0 — 0 
sem (9 — 8 A -L sem (og — Sn} - 
ma
	        
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