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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

370 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1905. 
man müßte also warten, bis dieser Zeitpunkt eintritt, ferner ist der Horizont 
um den Süd- oder Nordhorizont herum vielleicht für die Beobachtung un- 
günstig. Breitenbestimmungen aus KEinzelhöhen außerhalb des Meridians 
arfordern nach Lage des Beobachtungsortes eine mehr oder minder genaue 
Kenntnis der Zeit. Günstiger liegen die Bedingungen für die gleichzeitige 
Beobachtung zweier Sternhöhen. Zur Bestimmung der Breite und Sternzeit 
braucht man in den für die Seefahrt in Betracht kommenden Fällen nur das 
Tagesdatum zu kennen. Die hauptsächlichsten Seewege liegen so, daß vor 
allem genaue Kenntnis der Breite notwendig ist, z. B. zur Ansteuerung des 
Kanals, der Straße von Gibraltar, des Kaps der guten Hoffnung. Die Vorteile 
der hier vorgeschlagenen Methode sind augenfällig.!) Ihre Nachteile sind 
nicht so groß wie die der Standlinienmethoden, da die Wahl der Sternpaare 
bezüglich des Azimutalunterschiedes keinen oder doch nur geringen Be- 
schränkungen unterliegt. Ein Beobachter kann schwerlich beide Gestirne 
gleichzeitig beobachten, es würden mithin, genau genommen, zwei Beobachter 
erforderlich sein. Für die Praxis wird aber ein Beobachter venügen, da man 
die Beobachtungen schnell genug hintereinander anstellen und so wählen kann, 
daß das dem Meridian entferntere Gestirn zwischen zwei Beobachtungen des 
demselben näheren beobachtet wird, man also mittels der Höhenänderung 
ohne wesentliche Rechnung und genaue Kenntnis der Zwischenzeit auf die 
Höhe des zweimal beobachteten Gestirns zur Zeit der Beobachtung des nur 
einmal beobachteten Gestirns schließen kann, 
Möge (Fig. 2) P den Pol, Z das Zenit und A,B 
zwei Sternörter zur Zeit '"T darstellen, dann sind im 
Dreieck der Poldistanzen APB alle Größen bekannt, 
d. h. sie können den Ephemeriden entnommen werden, 
wie später gezeigt werden soll. Im Dreieck der Zenit- 
distanzen kennt man jetzt die drei Seiten und kann mit 
Hilfe der Stundenwinkelformel (am bequemsten Tangenten- 
2 formel) die Winkel finden. X AZB ist der Azimutal- 
unterschied der Gestirne und wird in der Rechnung selbst 
nicht benutzt. Von den beiden anderen Winkeln braucht 
man nur einen zu berechnen, wenn man auf eine Kontrolle 
verzichten zu können glaubt. In den Dreiecken ZAP 
und ZBP sind nun je zwei Seiten, d. i. eine Poldistanz 
und eine Zenitdistanz desselben Gestirns, und der von ihnen eingeschlossene 
Winkel, d. i. der parallaktische Winkel p oder q, bekannt, da p=ZAB 
—PABundq=PBRBA — ZBA ist, Man kann mithin das Breitenkomplement 
nach der Höhenformel finden und daraus mittels des Sinussatzes oder der 
Stundenwinkelformel die Winkel ZPA und ZPB, d. i. die Stundenwinkel 
t, t,, und die Winkel PZA und PZB, d.i. die Azimute A, A,, ermitteln, 
Welche Formeln man wählen will, liegt ganz im Ermessen des Rechners, Zur 
Kontrolle hat man ZP=ZP=90—g,th—1, =, —0,, BZA == A, — A, 
In der Rechnung können alle Größen als positiv betrachtet werden, wenn man, 
wie in der Nautik üblich, Seiten und Winkel vom erhöhten Pole aus zählt. 
Eine Zweideutigkeit kann nur entstehen, wenn man von vornherein nicht 
weiß, ob man sich nördlich oder südlich vom Äquator befindet. Aber diese 
Zweideutigkeit schwindet im Endresultat, da das erhaltene Breitenkomplement 
und Azimut natürlich von dem angenommenen Pole zu zählen sind. Anders 
ist es jedoch, wenn der die beiden Sternörter verbindende größte Kreis den 
Meridian zwischen Pol und Zenit schneidet. Dann hat man in die-Rechnung 
statt der Differenz der Winkel ihre Summen einzuführen, um die parallaktischen 
Winkel zu erhalten: ebenso erhält man. wenn die Sterne auf verschiedenen 
Fir. 2. 
7) Ob diese Methode ınit der des Admirals Shadwell identisch ist, vermag ich nicht anzu- 
geben. Nach dem Ausspruche des Lords Ellenborough wird man auf eine Ahnlichkeit der Methoden 
mindestens schließen müssen. Wie Lord Ellenborough ausführt, wird die Methode nicht mehr an- 
gewandt, Ihrer Vorteile halher verdiente sie wohl wieder in Erinnerung gebracht zu werden. Neu 
ist ja an der ganzen Sache nichts.
	        
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