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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Wedemeyer, A.: Die Anwendung von Sterndistanzen in der nautischen Astronomie. 369 
Welchen Einfluß Beobachtungs- und Rechnungsfehler ; auf den zu er- 
mnittelnden Schiffsort ausüben, ersieht man. am einfachsten aus der Figur (1). 
Sei S der der Rechnung zugrunde gelegte Schiffsort, SG die Richtung des 
Gestirns bei der ersten Beobachtung 
und SG der Unterschied zwischen der 
beobachteten und der berechneten Höhe, 
so wird (Beobachtungsfehler ausge- 
nommen) der Schiffsort auf der Stand- 
linie NGN’ liegen müssen, Schlägt man 
nun um S mit einem Radius gleich der 
Differenz der Höhen bei der zweiten 
Beobachtung einen Kreis und trägt in 
S an SG den Azimutalunterschied der 
beiden Gestirne an, etwa GSB, so muß 
sich der Schiffsort auch auf BT”, d. i. 
der Tangente an den Kreis in B, be- 
finden. Der Durchschnittspunkt T' der 
beiden Standlinien "wird daher dem 
Schiffsorte entsprechen. Hätte man 
SG durch Beobachtung oder Rechnung 
um den Betrag GG fehlerhaft gefunden, 
so würde der ermittelte Schiffsort nach 
T’ fallen, TT’ würde daher. dem Fehler 
im Schiffsorte entsprechen. Zieht man 
nun von T’ an den Kreis die zweite 
Tangente T’B’, so würde diese die Stand- 
linie für einen Azimutalunterschied 
gleich GSB’ darstellen, entsprechend 
würde T”T’ den Fehler im Schiffsorte 
repräsentieren. 
„Legt man in dieser Weise an 
alle Punkte der Peripherie Tangenten, 
so findet man, daß für Azimutalunter- 
schiede = 0° oder 180° der Schiffsort 
überhaupt nicht zu ermitteln ist; ferner 
daß der Fehler . im. Schiffsort mit 
wachsendem Azimutalunterschied ab- 
nimmt und bei einem Azimutalunter- 
schiede von 90° sein Minimum erreicht; weiter daß er bei Azimutalunterschieden 
größer als 90° wieder zunimmt und schließlich bei Unterschieden in der Nähe 
von 180° nochmals unendlich wird. Auch ist ersichtlich, daß Fehler in dem 
errechneten oder beobachteten Azimutalunterschied keinen so großen Einfluß 
auf den Schiffsort haben als Fehler in den beobachteten Höhen. Eine aus- 
führliche Untersuchung über denselben Gegenstand haben H. E. Timerding 
in den »Astronomischen Nachrichten« Bd, 168, Nr. 4010 und F. Tami in 
»Annali Idrografici«, vol, 3, S. 105 bis 117, gegeben. . 
Spezialfall. Betrachten wir im folgenden den anderen Spezialfall, daß 
zwei Fixsterne gleichzeitig beobachtet sind. Wir werden finden, daß man 
die Breite und die Sternzeit der Beobachtung unabhängig vom Chronometer 
erhält, und zwar erhält man sowohl Breite als Sternzeit durch unabhängige 
Rechnung zweimal, das Resultat kontrolliert sich also von selbst; ferner findet 
man den Azimutalunterschied der Gestirne und kontrolliert auf diese Weise 
die etwa Tafeln entnommenen Azimute, Die direkte Rechnung ist so einfach 
wie die nach den Standlinienmethoden und liefert die Koordinaten des Schiffs- 
ortes direkt, während sie sonst noch durch Zeichnung oder Rechnung aus den 
zugrunde gelegten Koordinaten ermittelt werden müssen. Die Breite kann 
unabhängig vom Chronometer noch durch Meridianhöhen gefunden werden, 
allein zu den Beobachtungen werden nicht immer die nötigen günstigen Vor- 
bedingungen erfüllt sein. Erstens kulminieren Fixsterne nicht zu jeder Zeit, 
Ann. d. Hydr. ete.. 1905. Heft VIII. ) - 
Fiz. 4.
	        
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