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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1905. 
Die Anwendung von Sterndistanzen in der nautischen Astronomie. 
Von A. Wedemeyer. 
Hierzu 1 Tabelle, Tafel 11, 12 und 1 verjüngter Maßstab auf Transparentpapier.) 
Definition und Arten der Anwendung der Sterndistanzen. Unter »Stern- 
distanz« soll im folgenden, analog der Definition von »Monddistanz«, der 
sphärische Abstand zweier Sternörter zu einer gegebenen Zeit T verstanden 
werden. Die Anwendung der Sterndistanzen kann, ähnlich wie die der Mond- 
distanzen, eine zweifache sein, und zwar kann man sie bei der nautischen 
Ortsbestimmung und zur Bestimmung der Instrumentalfehler des Sextanten 
verwenden. Die Monddistanzen sind ihrer schnellen Änderung halber zur 
Längenbestimmung geeignet und geben auf hoher See das einzige brauchbare 
Mittel, den Stand des Chronometers zu bestimmen. Zur Bestimmung der 
Fehler des Sextanten sind sie jedoch nur wenig geeignet, da die Beobachtung 
derselben infolge der raschen Änderung des Mondortes einerseits und wegen 
der verschiedenen Helligkeit der Objekte anderseits schwierig und unsicher 
ist. Bei der Bestimmung der Breite werden die Monddistanzen nur als 
rechnerisches Hilfsmittel benutzt. Die Sterndistanzen dagegen finden wegen 
ihrer geringen Veränderlichkeit, die für ein Tabulieren sehr günstig ist, bei 
der Ortshbestimmung nur als rechnerisches Hilfsmittel Verwendung, während 
sie wegen der durch die gleichmäßige Helligkeit der Objekte bedingten 
leichteren und sicheren Beobachtung zur Ermittlung der Sextantenfehler sehr 
gut geeignet sind, 
I. Breitenbestimmung. Die üblichen Methoden fassen das Problem 
der Ortsbestimmung aus zwei Höhen ganz allgemein auf, d. h. die Höhen 
zweier beliebiger Gestirne können zu verschiedenen Zeiten, oder auch ein 
Gestirn kann zweimal beobachtet sein. Infolgedessen ist das Dreieck zwischen 
dem Pol und den Sternörtern variabel, da nur die beiden Poldistanzen konstant 
Dleiben oder als konstant angesehen werden dürfen, und muß bei jeder Rechnung 
von neuem aufgelöst werden, was zeitraubend ist; oder durch Einführung von 
dem Problem fremden Hilfswinkeln werden die Bestandteile des Dreiecks teil- 
weise eliminiert, was zu äußerst komplizierten Formeln führt und die Rechnung 
kaum vereinfacht. In der Praxis hat daher nur der Spezialfall Anwendung 
gefunden, daß ein Gestirn mit keiner oder geringer Ortsveränderung zwei- 
mal beobachtet wird. Aber auch hier sind die Formeln für die direkte 
Rechnung noch zu kompliziert, so daß die indirekte Rechnung in neuerer Zeit 
der direkten immer mehr vorgezogen wird und zum Ausbau der verschiedensten 
Standlinienmethoden geführt hat. Diesen Methoden haftet aber ein nicht zu 
unterschätzender Mangel an, nämlich das Fehlen jeglicher Kontrolle der 
Rechnung, Nautische Rechnungen sind ja im allgemeinen kurz und können 
durch unabhängige Doppelrechnung ohne große Schwierigkeit kontrolliert 
werden. Angenommen werden darf ferner, daß die Rechnung immer von 
zwei Personen ausgeführt wird, und zwar von beiden die vollständige Rechnung, 
auch daß verschiedene Methoden zur Anwendung kommen, da in vielen Fällen 
die Rechner verschiedene Schulen besucht haben. Hieraus erklärt es sich 
wohl, daß in den meisten nautischen Lehrbüchern auf jede Kontrollrechnung 
Verzicht geleistet wird. Auffällig ist die Tatsache immerhin, wenn man 
bedenkt, daß Rechner, wie Encke, v. Oppolzer u. a., Kontrollrechnungen nicht 
entbehren zu können glauben, obgleich Fehler in astronomischen Rechnungen 
nicht so schwere Folgen nach sich ziehen können. Der Beweis dafür, daß ein 
Schiffsunfall auf fehlerhafte Rechnungen zurückzuführen ist, dürfte allerdings 
schwer zu erbringen sein. Ein weiterer Nachteil der Standlinienmethoden ist, 
daß sie versagen, wenn die Gestirne in demselben oder nahezu in demselben 
Vertikal beobachtet sind. Die direkten Methoden sind von diesem Nachteil 
frei und liefern tatsächlich das, was die Aufgabe verlangt und was in der 
Natur der Sache begründet ist, Selbstredend werden Beobachtungsfehler 
nicht eliminiert.
	        
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