Heidke, P.: Einfluß des Windes auf die Fahrt von Dampfern.
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2, Bei gleicher Windrichtung ‚wird die Geschwindigkeit eines Dampfers
bei Gegen- und Seitenwind umsomehr herabgesetzt, je stärker der Wind ist.
Bei Mitwinden hingegen findet, wie ja auch zu erwarten ist, zunächst bis
Stärke 4 der Beaufortskala eine geringe Beschleunigung statt, welche mit
etwa 0.4 Sm pro Wache bei Stärke 2 ihren höchsten Stand erreicht; von
da an tritt auch bei Mitwind mit wachsender Slärke des Windes eine inner
größer werdende Abnahme der Geschwindigkeit ein.
3. Ein schwer beladener Dampfer verliert bei Gegen- und Seitenwind
weniger an Fahrt als ein leicht beladener; bei Mitwind sind die Verhält-
nisse bei ruhiger See widersprechend, bei hoher See verliert der leicht be-
ladene Dampfer wiederum mehr an Fahrt als der schwer beladene, : Indessen
läuft im allgemeinen derselbe Dampfer leicht beladen schneller als schwer
beladen; nur bei Seitenwind von mehr als Stärke 5 und Gegenwind von mehr
als Stärke 7 ist, hoher Seegang vorausgesetzt, der schwer beladene Dampfer
der schnellere. ; .
; 4. Bei gleicher Windrichtung und -Stärke ist die Geschwindigkeit eines
Dampfers bei ruhiger See stets größer wie bei hoher.
Einfluß der Tourenzahl.
Zum Schluß ist nunmehr noch der Frage näherzutreten, ob der Wind
und der von ihm erzeugte Seegang auf die Tourenzahl der Schiffsschraube,
a. h. die Anzahl der Schraubenumdrehungen pro Minute, von Einfluß ist.
Für hohe Windstärken ist diese Frage ohne weiteres zu bejahen, indem
der Kapitän bei zu starkem Winde und zu hohem Seegange gezwungen ist,
die Tourenzahl herabzusetzen, wenn er nicht sein Schiff der Gefahr aussetzen
will, durch die See beschädigt zu werden. Sonst aber bemüht sich der Kapitän,
stets mit möglichst hoher Tourenzahl zu fahren, Es fragt sich nun, ob auch
dann noch eine Abhängigkeit der Tourenzahl vom Winde festzustellen ist.
Von vornherein ist eine solche nicht von der Hand zu weisen, da durch die
Orbitalbewegung des Wassers beim Wellengang eine Kraft hervorgerufen wird,
die die Bewegung der Schiffschraube erleichtern bezw. erschweren kann,
Um diese Frage durch einen zahlenmäßigen Nachweis zu entscheiden,
ist für den Dampfer »Borkum« bei jeder Einzelbeobachtung die zugehörige
Tourenzahl angegeben. Für sämtliche Dampfer konnte diese Arbeit nicht
durchgeführt werden, da aus den Schiffsjournalen die Tourenzahl vielfach
nicht zu ersehen war. Auch für den Dampfer »Borkum« war die Tourenzahl
nur pro Tag und nicht pro Wache angegeben. Es folgt, daß sich deshalb
für die stärkeren Winde, bei denen die Tourenzahl herabgesetzt ist, wahr-
scheinlich zu hohe und für die schwächeren zu niedrige Werte ergeben werden,
da im allgemeinen die Stürme nicht ganze Tage, sondern nur einzelne Wachen:
lang angehalten haben. Für die bei niedrigen Windstärken und ruhiger See
gemachten Beobachtungen ist nun dieser Umstand von geringer Bedeutung,
da überhaupt nur an wenigen Tagen stürmische Winde geweht haben und die
meisten bei schwachen Winden gemachten Beobachtungen gewonnen sind,
wenn nicht nur während einer einzelnen Wache, sondern während des ganzen
Tages ruhiges Wetter geherrscht hatte. Demnach kann im allgemeinen der
24stündige, bei ruhiger See erhaltene Tourenwert auch für jede Wache als
nahezu richtig angesehen werden; was für die bei hoher See gewonnenen
Werte nicht zutrifft. .
Tabelle VI zeigt nunmehr für alle Winde die zugehörigen Tourenwerte,
wie sie unmittelbar aus den Beobachtungen gewonnen wurden, Die erste
Spalte gibt die Anzahl der Beobachtungen an, die zweite die durchschnittliche
unausgeglichene Geschwindigkeit in Seemeilen pro Wache, die dritte die mittlere
Tourenzahl. Betrachtet man die Beobachtungen bei leicht und schwer beladenem
Dampfer wiederum getrennt für sich, so zeigt sich für die Beobachtungen bei
ruhiger See, daß die Tourenzahl innerhalb sehr geringer Grenzen schwankt,
beim leicht beladenen Dampfer zwischen 66.4 und 67.9, wenn. man von dem
Werte 64.3 absieht, der sich nur auf eine einzige Beobachtung stützt und deshalb
nur geringe Zuverlässigkeit besitzt, beim schwer beladenen Dampfer sogar