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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Heidke, P.: Einfluß des Windes auf die Fahrt von Dampfern. 
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2, Bei gleicher Windrichtung ‚wird die Geschwindigkeit eines Dampfers 
bei Gegen- und Seitenwind umsomehr herabgesetzt, je stärker der Wind ist. 
Bei Mitwinden hingegen findet, wie ja auch zu erwarten ist, zunächst bis 
Stärke 4 der Beaufortskala eine geringe Beschleunigung statt, welche mit 
etwa 0.4 Sm pro Wache bei Stärke 2 ihren höchsten Stand erreicht; von 
da an tritt auch bei Mitwind mit wachsender Slärke des Windes eine inner 
größer werdende Abnahme der Geschwindigkeit ein. 
3. Ein schwer beladener Dampfer verliert bei Gegen- und Seitenwind 
weniger an Fahrt als ein leicht beladener; bei Mitwind sind die Verhält- 
nisse bei ruhiger See widersprechend, bei hoher See verliert der leicht be- 
ladene Dampfer wiederum mehr an Fahrt als der schwer beladene, : Indessen 
läuft im allgemeinen derselbe Dampfer leicht beladen schneller als schwer 
beladen; nur bei Seitenwind von mehr als Stärke 5 und Gegenwind von mehr 
als Stärke 7 ist, hoher Seegang vorausgesetzt, der schwer beladene Dampfer 
der schnellere. ; . 
; 4. Bei gleicher Windrichtung und -Stärke ist die Geschwindigkeit eines 
Dampfers bei ruhiger See stets größer wie bei hoher. 
Einfluß der Tourenzahl. 
Zum Schluß ist nunmehr noch der Frage näherzutreten, ob der Wind 
und der von ihm erzeugte Seegang auf die Tourenzahl der Schiffsschraube, 
a. h. die Anzahl der Schraubenumdrehungen pro Minute, von Einfluß ist. 
Für hohe Windstärken ist diese Frage ohne weiteres zu bejahen, indem 
der Kapitän bei zu starkem Winde und zu hohem Seegange gezwungen ist, 
die Tourenzahl herabzusetzen, wenn er nicht sein Schiff der Gefahr aussetzen 
will, durch die See beschädigt zu werden. Sonst aber bemüht sich der Kapitän, 
stets mit möglichst hoher Tourenzahl zu fahren, Es fragt sich nun, ob auch 
dann noch eine Abhängigkeit der Tourenzahl vom Winde festzustellen ist. 
Von vornherein ist eine solche nicht von der Hand zu weisen, da durch die 
Orbitalbewegung des Wassers beim Wellengang eine Kraft hervorgerufen wird, 
die die Bewegung der Schiffschraube erleichtern bezw. erschweren kann, 
Um diese Frage durch einen zahlenmäßigen Nachweis zu entscheiden, 
ist für den Dampfer »Borkum« bei jeder Einzelbeobachtung die zugehörige 
Tourenzahl angegeben. Für sämtliche Dampfer konnte diese Arbeit nicht 
durchgeführt werden, da aus den Schiffsjournalen die Tourenzahl vielfach 
nicht zu ersehen war. Auch für den Dampfer »Borkum« war die Tourenzahl 
nur pro Tag und nicht pro Wache angegeben. Es folgt, daß sich deshalb 
für die stärkeren Winde, bei denen die Tourenzahl herabgesetzt ist, wahr- 
scheinlich zu hohe und für die schwächeren zu niedrige Werte ergeben werden, 
da im allgemeinen die Stürme nicht ganze Tage, sondern nur einzelne Wachen: 
lang angehalten haben. Für die bei niedrigen Windstärken und ruhiger See 
gemachten Beobachtungen ist nun dieser Umstand von geringer Bedeutung, 
da überhaupt nur an wenigen Tagen stürmische Winde geweht haben und die 
meisten bei schwachen Winden gemachten Beobachtungen gewonnen sind, 
wenn nicht nur während einer einzelnen Wache, sondern während des ganzen 
Tages ruhiges Wetter geherrscht hatte. Demnach kann im allgemeinen der 
24stündige, bei ruhiger See erhaltene Tourenwert auch für jede Wache als 
nahezu richtig angesehen werden; was für die bei hoher See gewonnenen 
Werte nicht zutrifft. . 
Tabelle VI zeigt nunmehr für alle Winde die zugehörigen Tourenwerte, 
wie sie unmittelbar aus den Beobachtungen gewonnen wurden, Die erste 
Spalte gibt die Anzahl der Beobachtungen an, die zweite die durchschnittliche 
unausgeglichene Geschwindigkeit in Seemeilen pro Wache, die dritte die mittlere 
Tourenzahl. Betrachtet man die Beobachtungen bei leicht und schwer beladenem 
Dampfer wiederum getrennt für sich, so zeigt sich für die Beobachtungen bei 
ruhiger See, daß die Tourenzahl innerhalb sehr geringer Grenzen schwankt, 
beim leicht beladenen Dampfer zwischen 66.4 und 67.9, wenn. man von dem 
Werte 64.3 absieht, der sich nur auf eine einzige Beobachtung stützt und deshalb 
nur geringe Zuverlässigkeit besitzt, beim schwer beladenen Dampfer sogar
	        
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