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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Maurer, H.: Über Auflösung von Poldreiecks-Aufgaben durch Diagramme usw. 361 
veränderter Länge eingetragen, was der Abbildungsart der Plattkarte, aber 
auf einen: der Äquatorebene parallelen Zylinder, also der sogenannten Cassini- 
Soldnerschen Projektion, entspricht. Die beigefügte Tafel zeigt das Netz eines 
Viertels der Erdkugel, das in sehr einfacher Weise zur Auflösung sphärischer 
Dreiecksaufgaben dienen kann. Um es bequemer verwendbar zu machen, ist 
das Netz der Azimut- und Höhenkreise (x = const; y = const) des Punktes M 
mit eingezeichnet, das einfach ein rechtwinkliges cartesisches Koordinatennetz 
mit homogener Einteilung darstellt; im gewählten Maßstab bedeutet 1 mm = 1°, 
Denken wir uns nun einen Punkt Z (siehe Tafel 10) als Bild des Zenits 
(Breite g) auf dem Anfangsmeridian und einen Punkt S, in dem sich der 
Stundenkreis t und der Deklinationskreis d schneiden, als Bildpunkt des 
Sterns, so brauchen wir nur auf der durch S gehenden Vertikalen um den 
Abstand ZP = 90 — @ nach oben zu gehen, um einen Punkt S, zu erreichen, 
der in bezug auf P ganz dieselbe Lage hat, wie S in bezug auf Z, so daß 
die durch S, laufenden Kurven durch ihre Bezifferung unmittelbar das 
Azimut und die Höhe des Sterns ergeben. Im Beispiel in der Figur 
(Tafel 10) ist 
ö=35°, t=30°: Punkt S:y=24 x=39, 
Punkt Z:p=46°; 90-— gp =44°, also x, = x +90 — p= 83°, yı = 24. 
Durch S, (x,/yı) laufen die Kurven h = 65°, Az = 75°. 
Dies Verfahren ist in .der Tat so einfach, daß ein Diagramm mit einer 
solchen Zylinderprojektion der Verwendung jeder eigentlichen ebenen Azimutal- 
projektion vorzuziehen sein dürfte. Sie setzt an die Stelle der Drehung eines in 
seiner Länge von den Sternkoordinaten abhängigen Radius um einen von @ 
abhängigen Winkel eine Verschiebung auf einer Geraden um eine Strecke, 
deren Größe nur von @ abhängt. Alle früher erwähnten Aufgaben sind mit 
einem solchen Diagramm ohne Zuhilfenahme eines Transparentes lösbar; nur 
einzelne Aufgaben erfordern als Hilfsmittel einen homogen geteilten geraden 
Maßstab, am besten mit derselben Einteilung, wie sie die x-Achse zeigt. Aus- 
führbar ist die Methode mit jeder wahren Zylinderprojektion — als Beispiele 
mögen die Lambertsche isozylindrische (äquivalente) und die Mercatorpro- 
jektion genannt werden; die einfachsten Formeln und den auf Aquator und 
Anfangsmeridian gleichen Maßstab liefert aber die zuerst genannte nach dem 
Prinzip der Plattkarte. 
V. Das Plattkartendiagramm. 
Zu einem solchen Azimutdiagramm sind auf ganz anderem Wege als 
dem hier entwickelten Fav€ und Rollet de 1’Isle gelangt und haben es in 
den »Annales hydrographiques 1892 S. 159« beschrieben. Sie machen in der 
Ausführung 1° = 11mm, so daß ein Achtel der Himmelskugel etwa 1 Qua- 
dratmeter groß wird. In den »Mitteilungen aus dem Gebiet des Seewesens 
1900, S. 272« reproduziert Prof, A. Vital dieses Diagramm verkleinert 
1° = 22mm; und auch er bezeichnet es als das brauchbarste ihm bekannte 
graphische Azimutdiagramm. Im Rahmen unserer Darstellung erscheint auch 
dieses Diagramm, ebenso wie das stereographische von Littlehales als ein be- 
sonderer Fall der Darstellungen, in denen das Netz der Meridiane und De- 
klinationskreise nur der Lage, nicht aber der Form nach von den Netzen der 
Azimut- und Höhenkreise aller Punkte eines bestimmten Meridians abweicht, 
In den zuerst behandelten Diagrammen auf Grund eigentlicher ebener Azi- 
mutalprojektionen treten die jetzt besprochenen mit Hilfe von Zylinderpro- 
jektionen entworfenen insofern in einen ergänzenden Gegensatz, als der 90° 
von Pol und Zenit entfernte Punkt M in den Halbkugelkarten der Azimutal- 
projektionen, als Kartenmitte, die geringste, in den Zylinderprojektionen :die 
größte Verzerrung im Netzbild zeigt, während es mit Pol und Zenit selbst 
umgekehrt liegt. Die stereographische Projektion allerdings ist winkeltreu; 
so daß sich bei ihr die Zunahme der Verzerrungen nach dem Bildrand hin auf 
eine höhere Ungleichförmigkeit der Längenmaßstäbe und eine zunehmende 
Flächenvergrößerung beschränkt. Der in den ebenen Azimutalprojektionen 
besonders bevorzugte Punkt kann sich mit Pol und Zenit an Bedeutung für
	        
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