356 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1905.
azimutalen Projektionen, zu denen auch alle ebenen perspektivischen gehören,
den Vorzug, daß sie die winkeltreue Azimutalprojektion ist, Liegt daher
das Koordinatennetz zweimal gezeichnet vor, einmal auf einem transparenten
Blatt, so kann man durch Drehung des Transparents um die Kartenmitte das
zu betrachtende sphärische Dreieck in winkeltreuer Abbildung zur Erscheinung
bringen und so an den Kurven selbst die einzelnen Winkel ablesen, Aller-
dings ist dieser Vorteil nicht allzu groß, da die Ablesung eines von zwei
Kreisbogen gebildeten Winkels nicht sehr genau ist, besonders, wenn ein
solcher Kreisbogen eventuell nicht selbst gezeichnet vorliegt, sondern seine
Lage zwischen anderen Kreisen interpoliert werden muß, Ein anderer Vorteil
der stereographischen Projektion ist der, daß sie ein verhältnismäßig wenig
verzerrtes Bild einer Halbkugel und, wenn nötig, auch mehr als einer Halb-
kugel auf einem endlichen Kreis wiederzugeben erlaubt.
Unter den übrigen azimutalen Projektionen, von denen die ortho-
graphische, gnomonische, äquidistante (nach Postel benannt, zuerst von
Mercator angegeben) und äquivalente (Lambert) genannt sein mögen, kann
für den vorliegenden Zweck wohl nur die gnomonische einigermaßen
mit der stereographischen in Wettbewerb treten. In der gnomonischen
Äquatorialprojektion (Augpunkt im Kugelzentrum) werden die Stundenkreise
bzw. Meridiane parallele Geraden, die Breitenkreise bzw. Höhenkreise Hyperbeln.
Der die Halbkugel begrenzende Kreis, auf dem wir der angegebenen Regel
entsprechend Himmelspol und Zenit anzunehmen haben, wird die unendlich
ferne Gerade der Ebene, so daß die Berechnungen mit einem solchen Diagramm
sich nur auf Sterne beziehen können, die weder vom Pol noch vom Zenit
einen zu kleinen Winkelabstand haben dürfen, Während der Nachteil dieser
Projektion in ihren starken Verzerrungen und in der Unmöglichkeit, auch nur
eine Halbkugel auf einem Blatt darzustellen, liegt, ist sie dadurch, daß sie
alle größten Kugelkreise als gerade Linien abbildet, zur Lösung mancher Auf-
gaben besonders geeignet. Sie gibt alle sphärischen Dreiecke als ebene
geradlinige Dreiecke wieder, von denen in unserem Falle zwei Eckpunkte, Pol
und Zenit, unendlich weit wegfallen.!)
Ein Hilfsmittel, das zur
Auflösung sphärischer Drei-
ecke unter Benutzung jeder
beliebigen azimutalen Aqua-
torialprojektion, was auch
immer ihr Maßstab sei, un-
mittelbar verwendet werden
kann, ist eine Gerade mit
irgend einer Teilung (z. B.
Millimeterteilung), die um die
Kartenmitte um meßbare Win-
kel drehbar ist. Dies ermög-
licht ein transparenter Trans-
porteur mit geteiltem Null-
schenkel, wie er meiner Arbeit
in den »Ann. d. Hydr. ete.«
1905, S. 125 beigegeben ist.
Es soll z, B. mit Hilfe
einer gnomonischen Projektion
(Fig. 2) bei der Breite gg = 50°
des Beobachtungsortes zur
Deklination ö= 18° und dem
Stundenwinkel t = 60° eines Sterns dessen Höhe h und Azimut Az gefunden
werden. Wir legen das Zentrum des Transporteurs auf die Kartenmitte M,
durch die der Stundenkreis 90° gehe, und lassen den Nullschenkel des Trans-
\) Es ist dies der Unterschied gegen die Form, in der Hr. Florian, Mitt. aus dem See-
wesen, 190%, 8. 354, die gnomonische Projektion zur Herstellung eines Diagramms zur Bestimmung
von Zenitdistanzen benutzt hat. In seiner Darstellung liegt das Zenit stets im Endhchen.