Maurer, H,: Über. Auflösung: von Poldreiecks-Aufgaben durch Diagramme usw. 355
Über Auflösung von Poldreiecks- Aufgaben durch Diagramme, die
auf zenitalen Kartenprojektionen beruhen.
Von Dr. Hans Maurer, ;
(Hierzu Tafel 10.)
In einem Azimutdiagramm von Herrn G, W. Littlehales!) (»Pilot Chart
of the North Atlantic Ocean, March 1904«, vgl. auch »Ann. d. Hydr. etc,.« 1904,
S. 242) wird zur Auflösung sphärischer Dreiecke eine stereographische
Äquatorialprojektion benutzt, auf der das Zenit Z (Fig. 1) des zu unter-
suchenden Dreiecks PZS auf dem Grenzkreis der Halbkugel um die Karten-
mitte M angenommen wird, Diese .ist also ein Punkt, dessen Horizontkreis
der durch das Zenit gehende Meridian, der Ortsmeridian, ist, und den man
den. einen Pol des Zenitmeridians nennen darf. In dem Kartennetz. liegen
Zenit Z und Himmelspol P so gleichartig zur Kartenmitte M, daß, während
das Kartennetz liegen bleibt, eine Drehung des
Dreiecks PZS um die Kartenmitte um den Winkel
(90 — g@) Z an die Stelle von P führt, worauf
das zum Pol P gehörige Netz der Stunden- und
Deklinationskreise nun unmittelbar als das zum
Zenit Z, gehörige Netz der Azimut- und Höhen-
kreise gelten kann, War also der Punkt S durch
die Polkoordinaten Stundenwinkel t und Dekli-
nation ö gegeben, so können an seiner neuen
Lage Si; im selben Netz die Zenitkoordinaten
Azimut (Az) == Winkel Z Z, S, und Höhe h =
Komplement des Bogens Z, S, abgelesen werden,
Alles Gesagte gilt nicht etwa für eine besondere
Lage des Punktes Z, sondern für jeden Punkt
des Grenzkreises der Halbkugel um M, so daß
alle beliebigen Poldreiecke nach diesem Verfahren
aufgelöst werden können.
Es ist nun leicht einzusehen, daß das Verfahren keineswegs auf die
stereographische Projektion beschränkt ist. Vielmehr können in entsprechender
Weise. alle diejenigen Projektionen Verwendung finden, in deren Netz ein
Meridian auftritt, dessen sämtliche Punkte in der Projektion genau dasselbe
Netz von Azimut- und Höhen-Kreisen, nur in verschiedener Lage, besitzen, so
daß eine Drehung dieses unveränderten Netzes um einen Punkt M es in ‚die
einem jeden Punkte Z des genannten Meridians entsprechende Lage bringen
läßt. Dies leisten alle Projektionen, die bezüglich des Poles M des genannten
Meridians in der Art radial symmetrisch sind, daß sie die Höhenkreise
dieses Poles als konzentrische homogen geteilte Kreise, seine Azimutkreise als
kongruente Kurven wiedergeben, die nur um zum Azimutunterschied pro-
portionale Winkel gegeneinander verdreht sind. Man hat solche Projektionen
zenitale genannt, da die Verzerrungen in ihnen lediglich vom Zenitalabstand
von dem ausgezeichneten Punkte, hier dem Pole M des: Ortsmeridians,
abhängen.
I. Ebene azimutale Projektionen.
Sehen wir zunächst von den wahren Kegel- und Zylinderprojektionen
ab, die sämtlich zenital sind, so gehören unter den eigentlichen ebenen Projektionen
alle azimutalen hierher; bei diesen werden die Bilder der Höhenkreise der
Kartenmitte konzentrische Kreise, die Bilder ihrer Azimutkreise gerade Linien,
die sich in der Kartenmitte unter den gleichen Winkeln wie ihre Urbilder
auf der Kugel schneiden. In einer azimutalen ÄAquatorialprojektion befindet
sich unter den Höhenkreisen der Kartenmitte ein Meridian, der Horizontkreis
der Kartenmitte, und auf ihm sind Himmelspol und Zenit anzunehmen. Die
von Herrn Littlehales benutzte stereographische Projektion hat vor den übrigen
-) Die Idee ist wohl zuerst von Chauvenet angegeben worden, wie aus G. W. Littlehales,
The development of great circle sailing, II Ed., Wash. 1899 (U. 8. Hydrogr. Office Nr. 90), 8. 36,
nervorgeht,.