Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1905.
Gemäß der im August v. J, erlassenen Aufforderung zur Beteiligung an
der Wettbewerb-Prüfung wurde seitens der Deutschen Seewarte auf den
9. November v. J. eine Sachverständigen-Kommission zusammenberufen, um die
zuletzt erwähnten Chronometer einer Inaugenscheinnahme zu unterziehen,
Die Kommission bestand aus folgenden Herren:
Chronometerfabrikant F, Dencker in Hamburg,
L. Eschholz in Hannover,
J. E. W.Sackmann in Altona,
Direktor der Uhrmacherschule Prof, L. Strasser in Glashütte i./Sa,,
sowie aus dem Direktor und den Beamten der Abteilung IV der Deutschen
Seewarte, Außerdem waren bei der Besichtigung zugegen Herr Geh. Admi-
ralitätsrat Rottok sowie Herr Astronom Dr. Kohlschütter vom Reichs-
Marine-Amt. Nach sorgfältiger Durchsicht der Instrumente gaben die Mit-
ylieder der Kommission die Überzeugung zu Protokoll, daß kein Grund
vorhanden sei, den deutschen Ursprung der einzelnen Teile der Chronometer
in Zweifel zu ziehen. Die Instrumente wurden demgemäß mit der Anwart-
schaft auf Prämiierung in die Prüfung eingestellt,
In gleicher Weise wie bei den früheren Prüfungen wurden die Chrono-
meter während der Untersuchungszeit an jedem zweiten Tage um 10 Uhr mit
den Normaluhren der Abteilung IV der Deutschen Scewarte auf chrono-
graphischem Wege verglichen.
Zur Herstellung einer unabhängigen Kontrolle wurde außerdem an
jedem Dekadentage eine zweite Vergleichung der zu prüfenden Chronometer
in unmittelbarem Anschluß an die erste vorgenommen.
Die regelmäßigen zweitägigen Uhrvergleichungen‘ sowie die Zeit-
bestimmungen wurden durch den Hilfsarbeiter Herrn Kuno Heuer aus-
geführt; die sämtlichen unten gegebenen Gangwerte sind durch den Unter-
zeichneten mit Hilfe der Dekadenvergleichungen kontrolliert worden,
Während der beiden ersten Dekaden der Prüfungszeit (1904 November 18
bis Dezember 8) wurden die Instrumente allmählich bis auf 30° C. erwärmt.
Alsdann wurden dekadenweise die Temperaturen
30° 25° 20° 15° 10° 5° 5° 10° 15° 20° 25° 30°
möglichst innegehalten, und zwar wurden beim Übergange von Dekade zu
Dekade stets allmähliche Temperatur-Veränderungen vorgenommen, Während
der beiden letzten Dekaden der Prüfung (1905 April 7 bis April 27) wurde
die Temperatur von 30°C. bis auf Zimmertemperatur nach und nach ver-
mindert. — Es ist während der vorliegenden Prüfung durchweg gelungen,
die beabsichtigten Mitteltemperaturen innerhalb einiger Zehnteile des Grades
herzustellen; nur während der 6. und 7, Dekade konnte wegen der milden
Witterung die vorgeschriebene Temperatur von 5° nicht erreicht werden,
Gleichzeitig mit den Chronometern wurde das Thermochronometer
(nicht kompensiertes Chronometer) Eppner Nr. 20 verglichen, und es sind die
mittleren täglichen Gänge desselben am Fuße der Tabelle angegeben, Unter
den Rubriken, welche diese in Sekunden ausgedrückten Werte enthalten, folgen
alsdann die aus den täglichen Ablesungen der meteorologischen Instrumente
gebildeten Mitteltemperaturen sowie die Extreme der während der betreffenden
Dekade beobachteten mittleren Tagestemperaturen. In der letzten Reihe sind
schließlich die Mittelwerte der an den Koppeschen Haarhygrometern ab-
gelesenen relativen Feuchtigkeiten im Innern des Prüfungsapparates angegeben,
Die Ableitung der für die Güte der Chronometer maßgebenden Zahlen
sowie die Kinteilung in Klassen wurde auf Grund der Bestimmungen aus-
geführt, welche in der von der Deutschen Seewarte erlassenen Aufforderung
zur Beteiligung an der 28, Wettbewerb-Prüfung enthalten sind. Diese Be-
stimmungen lauten:
‚Nach beendigter Prüfung werden sämtliche Chronometer, soweit sie
sich überhaupt als brauchbar für die nautische Praxis erweisen, in vier
Klassen eingeordnet, für welche die Höchstbeträge der später zu erklärenden
Güte-Zahlen folgendermaßen festgesetzt worden sind:
HH