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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Knipowitsceh, N.:. Hydrologische Untersuchungen im Enropäischen Eismeer, 345 
sprechenden Schichten an den Mündungen des Motowskij-Fjords und des Kola- 
Fjords, sowie in diesem Fjorde. Der Unterschied ist geradezu sehr beträchtlich. 
Während man z.B. an der Mündung des Kola-Fjords und in diesem Fjord 
selbst in der Tiefe von 250 m Temperaturen fast bis +6° (+5.7 bis +5,8°) 
beobachten kann, findet man in derselben. Tiefe im südlichen wärmsten 
Zweige des Nordkapstromes nördlich vom Kola-Fjord höchstens die Temperatur 
+3°, Wie wir oben in diesem Aufsatz sahen, beobachtete man z.B. am Ein- 
gang in den Kola-Fjord am 25. Oktober 1898 in der Tiefe von 200 m + 6.2°, 
in der Tiefe von 247 m + 5.8° und. im Kola-Fjord am 23. November 1899 
in der Tiefe von. 200 m +5.5°%, in der Tiefe von 250 m +5.6° und in der 
Tiefe von 280 m +5.7°%°. Dagegen waren die höchsten Temperaturen im süd- 
lichen Zweig des Nordkapstromes in der ganzen Periode (von Mai 1900 bis 
Mai 1904) in der Tiefe von 200 m -}3.74°, in der Tiefe von 250 m + 3° 
und. in der Tiefe von über 250 m (und zwar 270 m) + 2.82% Ebensowenig 
können wir die Veränderungen des (relativ niedrigen) Salzgehalts in den 
genannten Fjorden und an ihren Mündungen als Beweise für den Andrang des 
atlantischen Wassers im Sinne von Prof. Pettersson benutzen, 
Ohne auf weitere Einzelheiten in bezug auf den jährlichen Gang der 
Temperaturveränderungen einzugehen, muß ich noch eine Tatsache erwähnen: 
gerade im Nordkapstrom und in den westlichen Teilen seiner Zweige sind die 
jährlichen Temperaturveränderungen in tiefen Schichten (250m und mehr) 
relativ. sehr gering. 
Wir müssen jetzt die Frage näher ins Auge fassen, ob wir wirklich 
solche periodischen Schwankungen in den Zweigen der Nordkapströmung mit 
Sicherheit feststellen können, welche durch einen erhöhten Andrang des 
atlantischen Wassers im Spätherbst zu erklären sind. Dasjenige Beispiel, 
welches. Prof, Pettersson aus der Arbeit von Dr. Breitfuß in »Petermanns 
Geograpkischen Mitteilungen« entnimmt, und zwar über die Zunahme der 
Temperatur und des Salzgehalts unter 71° 30’ N-Br. im November 1902, beweist 
meiner Meinung . nach nichts. Die meisten Beobachtungen am Ende des 
Jahres 1902 sowie im Jahre 1903 zeigen außerordentlich hohe Salzgehalte; 
es scheint wirklich ein starker Andrang des atlantischen Wassers stattgefunden 
zu haben, soweit wir nach den Angaben im Bericht von Dr. Breitfuß und 
in den Bulletins des Zentral-Ausschusses für die internationale Meeresforschung 
beurteilen können, Dies war. indessen ohne Zweifel keine periodische jährliche, 
sondern eine große unperiodische Schwankung. Daß dies wirklich der Fall 
ist, davon kann Prof. Pettersson sich leicht überzeugen, wenn er die Angaben 
über die Salzgehalte während der genannten Periode untereinander und mit 
späteren vergleicht. 
Ich will die Möglichkeit nicht leugnen, daß jährliche Schwankungen im 
Golfstrom des Europäischen Eismeeres, »eine jährliche Ebbe- und Flutperiode 
des Atlantischen Stromes«?!) wirklich existieren, aber die bis jetzt veröffent- 
lichten Ausführungen zugunsten dieser Schwankungen: scheinen mir jeder 
Beweiskraft zu entbehren. 
Ein Versuch, die jährlichen periodischen Schwankungen im Golfstrom 
des Europäischen Eismeeres durch ein eingehendes Studium des gesamten 
vorhandenen hydrologischen Materials festzustellen, gab mir keine bestimmten 
Resultate. Ich benutzte dabei u.‘ A. alle Beobachtungen im Gebiet des süd- 
lichen Zweiges des Nordkapstromes (d. h. im Gebiet der warmen Murman- 
Strömung) auf dem Meridian des Kola-Fjords von 71° bis 71° 45’ N-Br. sowohl 
diejenigen, welche während meiner persönlichen Tätigkeit an der Murman- 
Expedition gemacht wurden, wie auch.die späteren in den Jahren 1902 bis 1904, 
Das einzige ganz sichere Resultat ist, daß jedenfalls die unperiodischen 
Schwankungen des Salzgehalts hier viel größer sind, als die jährlichen; man 
kann daher bald eine Zunahme der Temperatur von Mai—dJuni bis November, 
bald eine Abnahme feststellen. So beobachtete man hier in der Mitte Juni 
x O. Pettersson, ll. e. S. 11.
	        
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