accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

342 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1905. 
des Küstengebiets an der westlichen Murman-Küste, die Flachsee nördlich von 
der Halbinsel Kanin und der Insel Kolgujew .... usw. liegen in verschiedenen 
Tiefen; die dort gleichzeitig entstehenden Ablagerungen müssen notwendiger- 
weise nach der Hebung des Meeresbodens in verschiedenen Niveaus gefunden 
werden und die Möglichkeit einer richtigen Deutung der Ablagerungen in 
betreff der Zeit ihrer Bildung unter solchen Umständen ist sehr klein. Eine 
ganz richtige Deutung ist vielmehr als ein reiner Zufall zu betrachten.« 
»Der Gedanke über die Möglichkeit einer gleichzeitigen Bildung ver- 
schiedener Ablagerungen nebeneinander im Zusammenhang mit hydrologischen 
Verhältnissen ist nicht neu. Aber in den oben angeführten Angaben und Be- 
trachtungen handelt es sich nicht um eine Möglichkeit der Fehler in den 
Deutungen verschiedener Ablagerungen, sondern um eine Unvermeidlichkeit 
derselben unter gewissen Umständen, Bei den Deutungen der Meeresklimate 
der verflossenen Perioden nach den fossilen Resten in den betreffenden Ab- 
lagerungen und bei der Feststellung der Reihenfolge dieser Ablagerungen ist 
der höchste Grad von Vorsicht zu empfehlen; wir haben hier solche Fehler- 
quellen vor uns, welche unsere Schlußfolgerungen zuweilen jeder Sicherheit 
berauben können.« 
Die zweite Frage ist über den Einfluß der Niveauschwankungen unserer 
nördlichen Meere auf das Meeresklima und die Verteilung der Tiere. 
Nach den oben angeführten Angaben über den Einfluß des Boden- 
reliefs auf die Lage und die Verzweigungen des Golfstroms sowie auf das 
allgemeine hydrologische Bild überhaupt liegt es auf der Hand, daß jede 
bedeutende Veränderung des Bodenreliefs unvermeidlich mehr oder weniger 
große Veränderungen in den hydrologischen Verhältnissen hervorrufen muß 
und als eine weitere Folge davon auch Veränderungen in der Verteilung der 
Fauna und Flora. Es kommen hier sowohl solche partielle Schwankungen 
des Meeresbodens in Betracht, welche lokale Veränderungen der relativen 
Tiefe einzelner Areale hervorrufen, wie auch allgemeinere Hebungen und 
Senkungen des Bodens in großen Gebieten, 
»Denken wir uns!), daß der Boden des Europäischen Eismeeres zu sinken 
beginnt. Die erste hydrologische Veränderung, welche dadurch hervorgerufen 
wird, besteht darin, daß ein immer größerer Teil des Golfstromwassers ins 
Barents-Meer einfließt. Selbstverständlich werden größere Massen des warmen 
Golfstromwassers weniger rasch abgekühlt, und die östliche Grenze der nörd- 
lichen Zweige der Nordkapströmung, wo dieselben unter dem Polarwasser 
verschwinden, wird immer mehr nach Osten verschoben. Zur selben Zeit 
wird die Murman-Strömung immer mächtiger und führt einen größeren 
Wärmevorrat weit nach Osten. Durch diese Veränderungen wird die Grenze 
des Treibeises immer mehr nach Osten verschoben, Gleichzeitig treten andere 
sehr wichtige hydrologische Veränderungen ein. Die Flachsee des östlichen 
Teiles des Murman-Meeres vertieft sich nach und nach und die warme Strömung 
wird durch dieselbe weniger und weniger nach Norden abgelenkt; sie weicht 
südwärts ab in der Richtung nach der jetzigen Küste des Festlandes und übt 
immer größeren Einfluß auf das Küstengebiet. Der Eingang in das Weiße 
Meer wird tiefer und weiter und die freiere Verbindung dieses Meeres mit 
dem Ozean verleiht demselben einen mehr ozeanischen Charakter.« 
»Im ganzen muß das Meeresklima unseres Gebiets bedeutend milder 
werden und, wenn gleichzeitig keine besonderen Veränderungen im Atlantischen 
Ozean eintreten, müssen die hydrologischen Verhältnisse denen des Gebiets 
von Finmarken ähnlicher werden.« 
»Um uns eine genauere Vorstellung über den Einfluß einer gewissen 
Senkung des Meeresbodens zu bilden, können wir einen Querschnitt durch 
das Barents-Meer nehmen und den Zuwachs der Oberfläche dieses Quer- 
schnitts berechnen, wenn der Boden um eine gewisse Tiefe sinkt.« 
»Der Querschnitt in der Richtung des Meridians des Kola-Fjords 
zwischen 71 und 75° N-Br. hat eine mittlere Tiefe von fast 250 m. Wenn die 
“N. Knipowitsch. „Zur Kenntnis der geologischen Klimate.« 8. 290 ff.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.