Knipowitsch, N.: Hydrologische. Untersuchungen im Europäischen Kismeer, 341
18941) haben ein genaues Bild der .hydrologischen und biologischen Verhält-
nisse des Sees festgestellt, welches durch spätere Untersuchungen vervoll-
ständigt wurde.
Die oberen Schichten ‚bis etwa 6 m bestehen aus Wasser mit ganz
geringem Salzgehalt und (im Sommer) mit ziemlich hoher Temperatur. Diese
Schichten enthalten fast ausschließlich Süßwassertiere und besonders Daph-
niden. Dann folgen bis etwa 12 m die Schichten, in welchen die Temperatur
mit der Tiefe stark sinkt, während der Salzgehalt beträchtlich zunimmt. In
diesen Schichten finden wir marine Fauna und Flora, welche eine Teilung in
zwei Zonen zeigen: eine obere mit dem Charakter von einer Hittoralen und
einer sublittoralen Zone, wo sogar gewöhnliche Strandalgen (Fucus) in sehr
kleinen aber fruktifizierenden Exemplaren vorkommen, und eine untere mit
roten Algen. (Florideen) und einer ziemlich reichen Fauna. Schließlich kommen
die unteren Schichten mit relativ großem Salzgehalt, gleichmäßiger Temperatur
und. starkem Schwefelwasserstoffgeruch, : Hier findet man keine lebenden
Tiere sowie keine lebenden Pflanzen mit Ausnahme von Bakterien,
Am 7. August 1901 haben. wir im Reliktensee Mogilnoje folgende hydro-
logischen Verhältnisse festgestellt:
Tiefe inm . 0.000. 0 1 2 3 4 ö] 6
Bei FL 4180 +130 +4+12,95 12.95 +4-12.9 + 12,8
Salzgehalt % 0. 0.0.00. + 243 2.45 2.47 2.47 248 2,47 2.49
Schwefelwasserstoff (cbeminl} — — — —
Süßwasserfauna (vorwiegend).
7 75 8 85 9 10 11 122... 13. 14 215 15%
412,7 412.0 +9.1 47.8 6.5 +58 5.65 +56 +56 +53 45.2 —+5.2
5.51 5.61 15,72 18,59 21.64 25.43 27.77 28.95 30.12 31.92 31.96 32.03
Tiefe inm . .
Pr © + oe
Salzgehalt &
Schwefelwasserstoff
(ccbemm in) .
—z— — *— — 0.13 618 17.67 22.91
Meeresfauna, Keine Fauna.
Was nun die geologischen. Schlußfolgerungen anbetrifft, so will ich
mich auf zwei Fragen beschränken, und zwar über die gleichzeitige Bildung
verschiedenartiger Ablagerungen und über die geologischen Klimate,
Wir haben schon gesehen, daß dank der Mannigfaltigkeit der physikalisch-
geographischen Verhältnisse im Europäischen Eismeer nebeneinander ver-
schiedene Meeresklimate und verschiedene Faunen existieren,
„Denken wir uns?), daß der Boden des rezenten Murman-Meeres durch
negative Strandverschiebung trocken gelegt wird. Die sich jetzt nebeneinander
gleichzeitig, aber in verschiedenen physikalisch-geographischen Verhältnissen
bildenden Ablagerungen mit entsprechenden Resten der Faunen werden dann
der Gegenstand geologischer Untersuchungen. Notwendigerweise müssen diese
Untersuchungen mehr oder weniger fragmentarisch sein. Die Ablagerungen
werden nur an gewissen Stellen zugänglich und nur in Ausnahmefällen kann
man dieselben auf sehr weite Strecken verfolgen. Zu welchen Schlüssen kommt
notwendig der Geologe, . welcher diese Ablagerungen untersucht? Er findet
wesentlich verschiedene Ablagerungen, deren fossile Reste jeden Zweifel aus-
schließen, daß die Ablagerungen verschiedenen Meeresklimaten entsprechen,
Notwendigerweise wird dann der Geologe den Versuch machen, die Reihen-
folge der angeblichen Perioden mit verschiedenen Meeresklimaten und ver-
schiedenen Faunen festzustellen. Und doch würde alles, was man in dieser
Richtung machen könnte, unrichtig sein, da alle diese verschiedenen Ablage-
rungen gleichzeitig sind. Die Möglichkeit ganz‘ unrichtiger Deutungen der
Ablagerungen. wird. im hohen Grade noch dadurch vergrößert, daß gleich-
zeitig verschiedene Faunen bei verschiedenen Meeresklimaten in verschiedenen
Tiefen existieren und die entsprechenden Ablagerungen gleichzeitig in ver-
schiedenen Niveaus sich bilden. Das Bett der Murman-Strömung, der Boden
:) N. Knipowitsch. Über den Reliktensee Mogilnoje auf der Insel Kildin (Murman-
Küste). Bull. de l’Acad. Imp. d. Sc. de St. Petersburg.‘ 1895, -
2) N. Knipowitsch. Zur Kenntnis der geologischen Klimate, Verhandlungen . der
K. russischen mineralogischen Gesellschaft. Bd. XL. 1903, $S.288 bis 289.