338 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1905.
so zusammen, wie man oft geneigt ist anzunehmen. Außerdem sind die
Grenzen des blauen und des grünen Wassers bedeutenden Schwankungen
unterworfen.
Direkte Beobachtungen der Expedition über die Strömungen sind
jeider bis jetzt sehr spärlich, Außer den Beobachtungen im Jahre 1901 sind nur
einige sehr unvollständige Beobachtungen im Jahre 1902 veröffentlicht worden,
welche außerdem zum Teil nicht zuverlässig sind. Wie man sowohl aus dem
russischen Bericht von Breitfuß, wie auch aus dem Aufsatz in Petermanns
Geographischen Mitteilungen sich leicht überzeugen kann, enthält die Be-
arbeitung der Beobachtungen im höchsten Grade grobe Fehler (vgl. die Be-
obachtungen auf der St, Nr. 51 in der Tiefe von 50 m).*)
Die Richtung der Wasserbewegungen in den oberen Schichten ist nach
direkten Beobachtungen sehr großen Veränderungen unterworfen; die Winde
und die Gezeiten üben hier einen sehr großen Einfluß aus. In der Murman-
Strömung unter 71” 54’N-Br. und 46’ 35’ 0-Lg. beobachtete ich zum Beispiel
auf der Oberfläche eine Strömung nach S 45-7’O, während in der Tiefe von
180 m die Richtung der Strömung ungefähr N 58” O0 war und der allgemeinen
Richtung der Murman-Strömung in diesem Gebiet nach meiner Karte entsprach,
Was die kalten Strömungen an den Küsten von Nowaja Semlja anbetrifft,
so scheint die kalte Bodenströmung sich an der Südwestküste von Nowaja
Semlja nach Süd und Südost zu bewegen, während in den oberen Schichten
(d.h. in .der eigentlichen Lütke-Strömung) längs der Küsten von Nowaja
Semlja die Richtung der Strömung sehr verschieden sein kann. In dem
Gebiet der kalten Strömung an den Küsten von Nowaja Semlja sind nur zwei
Bestimmungen der Strömung in Bodenschichten (in der kalten Boden-
strömung) ausgeführt worden. Am 17. August 1901 unter 70° 33’ 24” N-Br.
und 52° 08’0O-Lg. beobachtete ich in der Oberfläche die Strömung nach
834° O mit der Geschwindigkeit von 600 m in der Stunde, bei Herablassen
des unteren Schwimmers in die Tiefe von 128 m (die Tiefe auf dieser Station
war 155 m) fand ich die Bewegung in derselben Richtung (S38°O) und
mit derselben Geschwindigkeit. Am 20. August 1901 unter 70° 36’ N-Br. und
53°05’ O-Lg. fand ich in den Oberflächenschichten eine Strömung nach Ost
mit der Geschwindigkeit von 400m in der Stunde; bei Herablassen des
unteren Schwimmers in die Tiefe von 170 m (die Tiefe auf der Station war
176 m) beobachtete ich die Bewegung des oberen Schwimmers in derselben
Richtung, aber mit verminderter Geschwindigkeit von 260 m in der Stunde;
dies zeigt, daß die untere Strömung entweder dieselbe Richtung und Ge-
schwindigkeit von 120 m in der Stunde oder eine entgegengesetzte Richtung
und eine Geschwindigkeit von 140 m in der Stunde besaß,
Es bleibt mir noch übrig, einige Worte über die Verteilung des Eises
zu sagen. Die Beobachtungen der Expedition über das Vorkommen des Eises
sowie das gesamte Material darüber, welches wir in der Literatur finden,
zeigt uns eine auffallende Abhängigkeit der Verbreitung des Eises von den
Zweigen des Golfstroms, Besonders lehrreich ist dasjenige Bild, welches wir
am Ende des Winters und im Frühling beobachten. Zu dieser Jahreszeit er-
reicht das Eis seine maximale Entwicklung: fast das ganze Europäische Eis-
meer ist dann mit Eis bedeckt, frei davon bleibt der Nordkapstrom, seine
Zweige nördlich vom Kola-Fjord bis 781!/,°—74° 47’ N-Br., die Murman-
Strömung (am 30. März 1901 bis mehr als 43° O-Lg.) sowie das Küstengebiet
längs Finmarken und Murman-Küste, gewöhnlich bis etwa 37'/,° O-Ly. (selten
dringt das Eis längs der Murman-Küste von Osten bedeutend weiter, im
Jahre 1902 sogar bis etwa 34'/,° O-Lg.). Am 18. März 1901 fand man auf
dem Meridian des Kola-Fjords das Eis erst unter 74° 47’N-Br. und 33 ‘30’
O-Lg., von hier erstreckte sich die Kisgrenze nach Südosten. Am 30, März 1901
ging der Expeditionsdampfer im Eis von 71” 30’ N-Br. und 41° 47’ O-Lg. bis
'y Näheres hierüber findet der Leser in meinem Aufsatz L. L. Breitfuß’ Expedition für
wissenschaftlich-praktische Untersuchungen an der Murman-Küste im vorhergehenden Heft dieser
Zeitschrift.