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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Ann. d. Hydr. ete., XXXIIL Jahrg. (1905), Heft VII. 
Hydrologische Untersuchungen im Europäischen Eismeer. 
Von N. Knipowitsch. 
[Schluß.] 
37 
V. Andere hydrologische Untersuchungen. 
In diesem Kapitel will ich kurze Angaben über einige andere hydrolo- 
yische Untersuchungen, welche während meiner Tätigkeit in der Murman- 
Expedition ausgeführt wurden, sowie spätere (soweit ich nach Literatur- 
angaben weiß) machen.) ; 
Untersuchungen über den Gasgehalt sind zu spärlich, um irgendwelche 
allgemeine Schlußfolgerungen zu ermöglichen. Es sind im Jahre 1901 von 
Fräulein A. Palmqvist 26 Analysen von Stickstoff und Sauerstoff und eine 
Analyse von Kohlensäure gemacht worden, und im Jahre 1902 6 Analysen 
von Stickstoff und Sauerstoff und 3 von Kohlensäure; auf Mai 1904 beziehen 
sich 22 Analysen von Stickstoff und Sauerstoff, 
Die kleinsten Quantitäten von Stickstoff geben die Analysen der Proben 
aus dem Küstengebiet an den Murman-Küsten, bedeutend größer sind die- 
selben in den Zweigen des Nordkapstroms, und die höchsten Zahlen finden 
wir in der kalten Bodenströmung an der Westküste von Nowaja Semlja. Von 
hier haben wir folgende Angaben: 
Tiefe der Tiefe der Salz- Tem- Stickstoff- 
Datum N-Br. O-Lg. Station Probe gehalt . peratur gehalt 
m m Ey 9 cbem in 1 
18. 7. 1901 729 317 50921’ ° 158 155 34.99 — 18 15.93 und 16.06 
10. 8. 1902 75° 07’ 54° 51’ 181 175 34.99. — 1.65 15.83 
10. 8. 1902 75° 357 56° 167 158 150 35.05 ° — 1.7 15.82 
Der hohe Stickstoffgehalt macht die Vermutung sehr wahrscheinlich, 
daß das Wasser bei einer sehr niedrigen Temperatur gesättigt wurde,‘ 
Die Beobachtungen über die Durchsichtigkeit des Wassers (mit Hilfe 
von Scheiben nach Secchi) geben die höchsten Werte für März, April und Mai 
(d.h. Ende des Winters) im offenen Meer, Die größten Zahlen sind 45:5 m 
am 6. April 1899 unter 70° 34’N-Br. und 32° 09’ O-Lg. und 41 m am 28. Mai 
1899 unter 70° 15’ N-Br. und 32° 10’ O-Lg. Herr Deploranskij beobachtete im 
Gebiet des »Golfstroms« nördlich von der Murman-Küste die Durchsichtigkeit 
von 25 Faden (d.h. 45.75 m). Sehr niedrig ist die Durchsichtigkeit im Weißen 
Meer und im Golf von Petschora., 
Was die Farbe des Meerwassers anbetrifft, so bedeckt das blaue Wasser 
als Regel den größten Teil des Barents-Meeres im engeren Sinne, mit Aus- 
nahme von mehr oder weniger breiten Gebieten längs der Küsten, und die 
nördlichen Teile (ungefähr nördlich von 70° N-Br.) der Flachsee des östlichen 
Murman-Meeres (sensu strieto); zwischen Nowaja Semlja und Kolgujew verschiebt 
sich das blaue Wasser mehr oder weniger weit in der Richtung nach Südost; 
in westlichen Teilen der Flachsee des Murman-Meeres erscheint das blaue 
Wasser (mindestens zuweilen) als ein Streifen, welcher von Norden und Süden 
von grünem Wasser begrenzt wird, Das grüne Wasser nimmt mehr oder 
weniger breite Gebiete längs der Küsten des Festlands und der Inseln ein, 
sowie das Weiße Meer mit dem Eingang in dasselbe und den größten Teil 
der östlichen Hälfte des Murman-Meeres, Man kann nicht leugnen, daß das 
Gebiet des blauen Wassers bis zu einem gewissen Grade dem Gebiet des 
Golfstroms mit seinen Zweigen und Fortsetzungen derselben entspricht, aber 
die Grenzen der Gebiete des Golfstroms und des blauen Wassers fallen nicht 
‘) Eingehend wird das gesamte Material in meinen »Grundzüge der Hydrologie des 
Europäischen Eismeeres« beurteilt. 
Ann. d. Hydr. etc., 1905, Heft VIII.
	        
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