Kleinere Mitteilungen,
325
genannten Zwecke brauchbar; denn einmal sind die dynamischen, von der
Zusammendrückung und Ausdehnung der Druckluft herrührenden Temperatur-
änderungen gering; ferner gehen diese Änderungen nur langsam ‚vor sich, so
daß für den Temperaturausgleich mit den Gefäßwänden genügend Zeit vor-
handen sein wird, und schließlich ist die Wärmekapazität der Druckluft
gegenüber derjenigen der Gefäßwände und.des angrenzenden Meereswassers
außerordentlich gering, so daß man die registrierten Temperaturen wohl stets
als die Temperaturen des Meereswassers in der Umgebung des Apparates
betrachten kann. a.
Was sodann die Änderungen des Barometerstandes über dem Orte des
Tiefseepegels und deren Messung betrifft, so läßt Herr Mensing diesen Punkt
unerwähnt; es’ ist deshalb nicht ersichtlich, wie er dieselben zu bestimmen
gedenkt. Befindet sich der Apparat auf hoher See, so würde für die.genaue
Bestimmung des Luftdrucks ein Barograph an dessen Aufstellungsort nötig
sein. . Dies aber würde die dauernde Anwesenheit eines Schiffes erfordern.
Welche Rolle der wechselnde Barometerstand spielen kann, ersieht man am
besten aus einem Zahlenbeispiel. Schwankungen des Barometers von 20—30 cm
Quecksilbersäule innerhalb 24 Stunden sind auf der Nordsee keine Seltenheit,
Dies entspricht einer Wassersäule von 25—40 cm Höhe.’ Da die Amplitude
der Gezeitenwelle. auf offener See selbst‘ nur auf einige Fuß zu veranschlagen
ist, könnnen die Barometerschwankungen eine. gänzliche Verzerrung der Ge-
zeitenregistrierungen zur Folge haben.!). ;
Eine dritte Fehlerquelle,, welche nicht unberücksichtigt bleiben darf,
liegt darin, daß die Oberfläche des Meeres gewöhnlich nicht in Ruhe, sondern
infolge der Luftdruckverteilung und des, Windes. (auf der Nord- und Ostsee)
fast immer in Bewegung ist. Freilich wird man von. den Wellen von kürzerer
Dauer, die durch Wind erzeugt werden, annehmen dürfen, daß ‚sie in .die
Registrierung der Druckkurve nicht allzu störend eingehen werden; denn die
Umhüllung des Tiefseepegels ist an ihrem: unteren Teile nicht wie bei der
gewöhnlichen Taucherglocke ganz offen gelassen, sondern bis auf eine kleine
Öffnung verschlossen, Die letztere gestattet dem Wasser nur ganz langsames
Eindringen und Ausfließen, so daß, da Wellenberg und Wellental schnell auf-
ainanderfolgen, der Schreibhebel nur kleine Oszillationen ausführen wird, und
die Kurve allenfalls etwas verwaschen erscheint.
Neben diesen Wellen von kurzer Dauer sind aber oft auch solche von
längerer Dauer. vorhanden, welche durch die allgemeine Luftdruckverteilung
zustande kommen, indem das Wasser an den Stellen geringeren Luftdrucks
sich hebt und langsam auf- und abpendelt. In großen Seen sind Wellen von
1 m Amplitude und mehreren Stunden Dauer beobachtet worden.
Abgesehen hiervon verdient noch ein anderer Umstand Beachtung.
Man muß ja im Auge behalten, daß der »Tiefseepegel« nicht direkt Höhen
von Wassersäulen registriert, sondern dies indirekt zu erreichen sucht durch
Messung der den Höhen entsprechenden Druckänderungen, Druckänderungen
können nun aber auch durch Veränderungen des spezifischen Gewichts des
Meereswassers eintreten. Hierüber liegen zwar noch keine näheren Unter-
suchungen vor; die Ergebnisse der Internationalen Meeresforschung seit dem
Jahre 1903, veröffentlicht . im »Bulletin des Resultats acquis pendant les
Courses periodiques«, gestatten jedoch immerhin ein Urteil. An einer »Station«
in der Mitte der Nordsee unter 56° 41’ N-Br. und 2° 15’ O-Lg., wo die
Meerestiefe etwa 85 m beträgt und die Aufstellung des Mensingschen Tiefsee-
pegels vorteilhaft erscheint, wurde an zwei aufeinanderfolgenden Messungen
im Mai und August 1904 eine mittlere Anderung der Dichte des Wassers im
1) Im allgemeinen dürfte es in dem befahreneren Meeresteilen oder in nicht allzugroßer
Entfernung von der Küste möglich sein, die Korrektionen für den Luftdruck nach den Schiffs- und
Landbeobachtungen, besonders unter Zuhilfenahme synoptischer Karten, annähernd festzustellen.
Dies scheint umsomehr angängig, als das theoretische Interesse in erster Linie bei der Erforschung
der Gezeiten auf offenem Meere sich auf die Fälle konzentrieren wird, bei denen das Meeresniveau
nicht noch durch starke Winde beeinflußt wird. In diesen Fällen sind dann auch die räumlichen
und zeitlichen Luftdruckdifferenzen gering. Einem Fehler in der Luftdruckbestimmung für den
Drt des Perek von 1 mm des Barometers entspricht nur ein Niveaufehler von 1.3 em. D. Red.