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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Kleinere Mitteilungen, 
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genannten Zwecke brauchbar; denn einmal sind die dynamischen, von der 
Zusammendrückung und Ausdehnung der Druckluft herrührenden Temperatur- 
änderungen gering; ferner gehen diese Änderungen nur langsam ‚vor sich, so 
daß für den Temperaturausgleich mit den Gefäßwänden genügend Zeit vor- 
handen sein wird, und schließlich ist die Wärmekapazität der Druckluft 
gegenüber derjenigen der Gefäßwände und.des angrenzenden Meereswassers 
außerordentlich gering, so daß man die registrierten Temperaturen wohl stets 
als die Temperaturen des Meereswassers in der Umgebung des Apparates 
betrachten kann. a. 
Was sodann die Änderungen des Barometerstandes über dem Orte des 
Tiefseepegels und deren Messung betrifft, so läßt Herr Mensing diesen Punkt 
unerwähnt; es’ ist deshalb nicht ersichtlich, wie er dieselben zu bestimmen 
gedenkt. Befindet sich der Apparat auf hoher See, so würde für die.genaue 
Bestimmung des Luftdrucks ein Barograph an dessen Aufstellungsort nötig 
sein. . Dies aber würde die dauernde Anwesenheit eines Schiffes erfordern. 
Welche Rolle der wechselnde Barometerstand spielen kann, ersieht man am 
besten aus einem Zahlenbeispiel. Schwankungen des Barometers von 20—30 cm 
Quecksilbersäule innerhalb 24 Stunden sind auf der Nordsee keine Seltenheit, 
Dies entspricht einer Wassersäule von 25—40 cm Höhe.’ Da die Amplitude 
der Gezeitenwelle. auf offener See selbst‘ nur auf einige Fuß zu veranschlagen 
ist, könnnen die Barometerschwankungen eine. gänzliche Verzerrung der Ge- 
zeitenregistrierungen zur Folge haben.!). ; 
Eine dritte Fehlerquelle,, welche nicht unberücksichtigt bleiben darf, 
liegt darin, daß die Oberfläche des Meeres gewöhnlich nicht in Ruhe, sondern 
infolge der Luftdruckverteilung und des, Windes. (auf der Nord- und Ostsee) 
fast immer in Bewegung ist. Freilich wird man von. den Wellen von kürzerer 
Dauer, die durch Wind erzeugt werden, annehmen dürfen, daß ‚sie in .die 
Registrierung der Druckkurve nicht allzu störend eingehen werden; denn die 
Umhüllung des Tiefseepegels ist an ihrem: unteren Teile nicht wie bei der 
gewöhnlichen Taucherglocke ganz offen gelassen, sondern bis auf eine kleine 
Öffnung verschlossen, Die letztere gestattet dem Wasser nur ganz langsames 
Eindringen und Ausfließen, so daß, da Wellenberg und Wellental schnell auf- 
ainanderfolgen, der Schreibhebel nur kleine Oszillationen ausführen wird, und 
die Kurve allenfalls etwas verwaschen erscheint. 
Neben diesen Wellen von kurzer Dauer sind aber oft auch solche von 
längerer Dauer. vorhanden, welche durch die allgemeine Luftdruckverteilung 
zustande kommen, indem das Wasser an den Stellen geringeren Luftdrucks 
sich hebt und langsam auf- und abpendelt. In großen Seen sind Wellen von 
1 m Amplitude und mehreren Stunden Dauer beobachtet worden. 
Abgesehen hiervon verdient noch ein anderer Umstand Beachtung. 
Man muß ja im Auge behalten, daß der »Tiefseepegel« nicht direkt Höhen 
von Wassersäulen registriert, sondern dies indirekt zu erreichen sucht durch 
Messung der den Höhen entsprechenden Druckänderungen, Druckänderungen 
können nun aber auch durch Veränderungen des spezifischen Gewichts des 
Meereswassers eintreten. Hierüber liegen zwar noch keine näheren Unter- 
suchungen vor; die Ergebnisse der Internationalen Meeresforschung seit dem 
Jahre 1903, veröffentlicht . im »Bulletin des Resultats acquis pendant les 
Courses periodiques«, gestatten jedoch immerhin ein Urteil. An einer »Station« 
in der Mitte der Nordsee unter 56° 41’ N-Br. und 2° 15’ O-Lg., wo die 
Meerestiefe etwa 85 m beträgt und die Aufstellung des Mensingschen Tiefsee- 
pegels vorteilhaft erscheint, wurde an zwei aufeinanderfolgenden Messungen 
im Mai und August 1904 eine mittlere Anderung der Dichte des Wassers im 
1) Im allgemeinen dürfte es in dem befahreneren Meeresteilen oder in nicht allzugroßer 
Entfernung von der Küste möglich sein, die Korrektionen für den Luftdruck nach den Schiffs- und 
Landbeobachtungen, besonders unter Zuhilfenahme synoptischer Karten, annähernd festzustellen. 
Dies scheint umsomehr angängig, als das theoretische Interesse in erster Linie bei der Erforschung 
der Gezeiten auf offenem Meere sich auf die Fälle konzentrieren wird, bei denen das Meeresniveau 
nicht noch durch starke Winde beeinflußt wird. In diesen Fällen sind dann auch die räumlichen 
und zeitlichen Luftdruckdifferenzen gering. Einem Fehler in der Luftdruckbestimmung für den 
Drt des Perek von 1 mm des Barometers entspricht nur ein Niveaufehler von 1.3 em. D. Red.
	        
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