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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1905.
Man darf es mit Freude begrüßen, daß Herr Mensing sich der in tech-
nischer Beziehung überaus schwierigen Aufgabe gewidmet hat, eine Vorrichtung
zu schaffen, mit deren Hilfe es gelänge, die Erscheinung der Gezeiten auch
in Entfernung von den Küsten zu verfolgen und dadurch weitere Anhalts-
punkte für die Theorie derselben zu gewinnen; denn an den Küsten und
überall dort, wo der fundamentierten Aufstellung eines Pegel-Registrators
keine Schwierigkeiten im Wege stehen, ist man mit den neuesten, besonders
durch W. Seibt vervollkommneten Apparaten imstande, den wechselnden
Wasserstand mit jedem erwünschten Grade der Genauigkeit in verhältnis-
mäßig einfacher Weise fortlaufend zu registrieren, Aber auf freiem Meere
sind ähnliche Versuche bisher nicht erfolgreich gewesen, Der neue »Hoch-
seepegel« erscheint unter diesen Umständen als ein nennenswerter Fortschritt.
Der Mensingsche Apparat beruht auf dem Prinzip der sogenannten
Druckluftpegel: Taucht man ein röhrenförmiges unten offenes Gefäß unter
Wasser, so wird die darin enthaltene Luft zusammengedrückt, und zwar ver-
ringert sich ihr Volumen, und der Druck der Luft steigt dementsprechend
umsomehr, je höher die Wasserschicht über dem (jefäß ist. Bei fester
Aufstellung des Apparates unter Wasser haben. daher Veränderungen des
Pegelstandes entsprechende Veränderungen der Druckluft zur Folge, Aus den
Druckänderungen berechnet man dann die Höhen des Wasserstandes, Einer
Vermehrung des Drucks um !/,9 Atmosphäre beispielsweise entspricht eine
Erhöhung des Wasserniveaus um etwa 1m. Bei den Küstenpegeln werden
diese Druckänderungen der Einschlußluft z. B. in der Weise selbsttätig regi-
striert, daß eine Röhrenleitung hergestellt wird zwischen der Druckluft des
Gefäßes und einem im Beobachtungszimmer aufgestellten Manometer, dessen
Zeigerbewegungen auf einem Papierablauf aufgezeichnet werden.
Bei dem Mensingschen Tiefseepegel befindet sich nun diese ganze
Registriervorrichtung direkt in dem Luftraum des einer Taucherglocke ähn-
lichen Gefäßes, welches auf den Meeresboden herabgelassen wird. Natürlich
hat man es hier mit viel größeren Drucken zu tun. In einer Tiefe von 100 m
beispielsweise beträgt der Druck der Einschlußluft etwa 10 Atmosphären.
Indem nun Mensing an Stelle eines gewöhnlichen Manometers ein sogenanntes
freilich sehr kompliziert gestaltetes Differentialmanometer verwendet, vermag
er auch bei derartig starken Drucken kleine Druckänderungen, wie sie durch
ein geringes Steigen oder Sinken des Meeresniveaus, z. B. durch die Gezeiten,
hervorgebracht werden, zu registrieren,
Wichtig erscheint nun vor allem die Frage, mit welcher Genauigkeit die
Aufzeichnungen die wahren Pegeländerungen wiedergeben. Da mit dem Apparat
in der Jade bereits Untersuchungen angestellt worden sind, so wäre die Ab-
bildung einer Öriginalregistrierung mit eingehender Interpretation aller
Fehlerquellen sehr erwünscht gewesen.
Herr Mensing weist darauf hin, daß diejenigen Druckänderungen der
Einschlußluft, welche durch Temperaturänderungen derselben hervorgebracht
werden, nachträglich aus der aufgezeichneten Kurve eliminiert werden sollen,
ebenso diejenigen, welche durch den wechselnden Barometerstand über dem
Meeresniveau entstehen,
Was zunächst die Temperatureinflüsse betrifft, so dürften sie sich in
der Tat ausreichend bestimmen lassen; denn der Luftraum des Tiefseepegels
enthält zugleich einen Thermographen, welcher auf einem zweiten Papierablauf
mittels Bourdonrohrs die Temperatur der Druckluft registriert, Nach dem
Druckgesetz der Gase kann daher der bei der Temperatur t° registrierte
Druck auf eine bestimmte andere Temperatur (z. B. von 4°) reduziert werden.
Hierbei sei erwähnt, daß ein gut funktionierender auf etwa !/, Zehntel
Grad genau registrierender submariner Thermograph für die Erforschung
der Temperaturänderungen des Meereswassers erwünscht ist. So haben
sich bei den Untersuchungen mit dem Hochseepegel in der Jade Unterschiede
bis zu 1.87°C. innerhalb der Zeit eines Flutwechsels ergeben. In der Beschreibung
des Tiefseepegels wird der Thermograph hinsichtlich seiner Einrichtung und
Wirkungsweise nur andeutungsweise behandelt. Aber er erscheint für die