322 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1905.
und zwar ziemlich plötzlich, um jedoch zwei Stunden später, wenn auch in
geringerer Intensität und kürzerer Zeitdauer, von neuem sichtbar zu
werden.« Es handelt sich hier wieder um die Beobachtung des sogenannten
»Milchmeeres« oder, wie die Holländer sagen, des »Wintermeeres«, weil der
Anblick der See dann an eine schneebedeckte Winterlandschaft bei Dämmerungs-
beleuchtung erinnert. Die Erscheinung wird, wie auch sonst das gewöhnliche
Meerleuchten, durch kleinste Tierchen, also durch Plankton, veranlaßt, was
1860 durch die französische Korvette »La Capricieuse« nachgewiesen wurde,
Es ist aber sehr wünschenswert, daß von neuem in solchen Fällen Wasser-
proben geschöpft und an eine wissenschaftliche Anstalt —- z. B. an das Zoolo-
gische Institut in Kiel — eingesandt werden, damit im Anschluß an die
modernen Planktonstudien die beteiligten Organismen genauer festgestellt
werden. Um auch das zeitliche Auftreten und die regionale Verbreitung
dieser Erscheinung besser als bisher übersehen zu können, werden die Mit-
arbeiter der Deutschen Seewarte gebeten, alle ihnen vorkommenden Fälle zu
berichten.
4, Die magnetische Vermessung des nördlichen Stillen Ozeans durch
das Carnegie-Institut. (Terrestrial Magnetism and Atmospheric Eleetricity,
1904. Bd. IX, Nr. 4.)
Für den kommenden ‘Sommer wird von dem Carnegie-Institut in
Washington ein bemerkenswerter Plan zur näheren Erforschung der mag-
netischen Verhältnisse des nordpacifischen Ozeans zur Ausführung gelangen.
Bei der bekannten amerikanischen Opferfreudigkeit für wissenschaftliche
Arbeiten stehen dem gedachten Zweck allein für das Jahr 1905 bereits
20000 Dollar zur Verfügung, so daß eine Beeinträchtigung der Arbeiten
durch Mangel an Geldmitteln, wie es leider schon bei manchen wissenschaft-
lichen Forschungen geschehen ist, von vornherein ausgeschlossen erscheint.
Der von L. A, Bauer und G. W, Littlehales entworfene Plan zielt
darauf hinaus, die Kenntnis der magnetischen Verhältnisse auf freien Ozeanen,
die vielfach nur auf den aus Küsten- und Inselbeobachtungen gewonnenen
Schlüssen beruht, durch Beobachtungen auf See zu ergänzen oder zu berichtigen,
Daß unsere bisherigen Annahmen über die Werte der magnetischen Elemente
sich an manchen Punkten als unrichtig erweisen werden, erhellt schon daraus,
daß die Küsten- und Inselbeobachtungen, die eben die Grundlage zu unseren
Schlüssen über die Verhältnisse auf See bilden, infolge lokaler Störungen oft
sehr unzuverlässig sind.
Wie schon anfangs erwähnt, ist zunächst die Erforschung des nörd-
lichen Stillen Ozeans in Aussicht genommen worden, jedoch sollen, sofern die
Expedition befriedigende Resultate zeitigt, auch die übrigen Meere in ähn-
licher Weise vermessen werden. Die Untersuchung des nördlichen Stillen
Ozeans dürfte einen Zeitraum von 3 Jahren beanspruchen, so daß, wenn sich
nicht unvorhergesehene Schwierigkeiten einstellen, die Vermessung sämtlicher
Meere in ungefähr 15 Jahren durchgeführt sein könnte.
Der Plan ist kurz folgender:
Die erforderlichen Fahrten sollen auf einem ungefähr 600 t großen
Segelschiff gemacht werden, das, um Störungen der magnetischen Bestimmungen
durch den Einfluß des Schiffsmagnetismus zu vermeiden, aus Holz unter Weg-
lassung aller entbehrlichen Eisenkonstruktionen gebaut ist. Bei der Wahl des
Weges, den die Expedition einschlagen soll, sind u. a. die Wind- und Strömungs-
verhältnisse, die während der Sommermonate in den einzelnen Teilen des
Stillen Ozeans zu herrschen pflegen, in Betracht gezogen worden, Danach
soll das Schiff im Sommer San Francisco verlassen und längs der west-
amerikanischen Küste bis zu den Galapagos-Inseln fahren, um dann etwas
nördlich vom Aquator westwärts den Ozean zu durchqueren, Alsdann soll
die Fahrt östlich von den Philippinen und den japanischen Inseln bis etwa
zum 52, Breitengrade und von da wieder nach San Francisco zurückgehen.
Die weiteren Fahrten sollen dann immer auf einem der ersten Rundreise
parallelen Wege in einem ungefähren Abstande von 5 Grad ausgeführt werden,
bis schließlich alle Teile des nordpacifischen Ozeans auf diese Weise durch-